Krasnaja Poljana ist schon jetzt ein beliebtes Wintersportziel in Russland. Die Olympiade soll den Ansturm noch erhöhen (Foto: Ballin/.rufo)
Donnerstag, 15.02.2007
Umweltbedenken gegen Sotschis Olympiabewerbung
Moskau. Russische Naturschützer beklagen massive Umwelt-Verstöße bei der Bewerbung Sotschis für die Olympischen Winterspiele 2014. Russlands WWF-Direktor, Igor Tschestin, will das IOC darauf ansprechen.
In einem offenen Brief an Präsident Wladimir Putin bemängelte Tschestin, dass viele Bauten ohne staatliche Umweltexpertise und allein zu kommerziellen Zwecken errichtet worden seien. „Wir sind nicht gegen die Ausrichtung der Winterspiele in Sotschi. Aber wir wehren uns dagegen, dass ohne Absprachen mit der Umweltkommission ein Bebauungsplan verabschiedet wurde, der Eingriffe in den Nationalpark vorsieht“, sagte Tschestin zu Russland-Aktuell. So sollen die Nationalparks anders zugeschnitten werden, um den kommerziellen Bedürfnissen der Olympia-Investoren gerecht zu werden.
Das föderale Zielprogramm zur Unterstützung der Olympiabewerbung von Sotschi wurde im Juni 2006 ohne Konsultationen mit Umweltschützern und gesellschaftlichen Organisationen beschlossen. Es sieht Investitionen in Höhe von insgesamt 313,8 Mrd. Rubel (9,2 Mrd. Euro) vor. Für den Umweltschutz sind davon 2,7 Mrd. Rubel (79 Mio. Euro) eingeplant. Bei der Verwirklichung des Zielprogramms wurde aber offensichtlich gegen die russische Umweltgesetzgebung verstoßen. Für die Bauten gebe es keine staatlichen Umweltexpertisen, stellte Tschestin in seinem Brief an den russischen Präsidenten fest.
Besonders scharf kritisierte er die geplante Bebauung der Gebirgsrücken „Psechako“ und „Gruschewoi“. „Das sind Rückzugsgebiete seltener Tierarten, wie des kaukasischenBraunbären, der Gämse und des Edelhirschs“, sagte Tschestin zu Russland-Aktuell. Den Bebauungsplan kritisierte er als „fehlerhafte, chaotische Aufteilung von Land“, für die er in erster Linie das russische Wirtschaftsministerium verantwortlich machte. Unter anderem habe die Behörde aufgrund einer „an sie herangetragenen Bitte“ die Errichtung eines Golfklubs beschlossen, obwohl ein Golfklub nichts mit einer Winterolympiade zu tun habe.
Mängelliste verschlechtert Sotschis Chancen gegenüber Salzburg und Pyeongchang
Mit diesen Mängeln werde er auch die Evaluierungskommission des Internationalen Olympischen Komitees bekannt machen, kündigte Tschestin an. Die Komission kommt in der nächsten Woche nach Sotschi, um den Standort zu begutachten. „Wie mein Bericht ausfallen wird, hängt ganz von der Reaktion auf meinen Brief ab“, sagte der russische WWF-Direktor. Zumindest die erste Reaktion der Behörden fiel negativ aus. Der stellvertretende Leiter der staatlichen Umweltaufsichtsbehörde, Oleg Mitwol lehnte es ab, eine erneute Umweltverträglichkeitsprüfung durchführen zu lassen.
Sotschi ist einer der drei noch übrig gebliebenen Bewerber um die Ausrichtung der Winterspiele 2014. Daneben bewerben sich auch das österreichische Salzburg und die südkoreanische Stadt Pyeongchang. Vor allem die gut erschlossene Wintersport-Region in Österreich gilt als starker Konkurrent von Sotschi.
(ab/epd/.rufo)
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