Geldwäscheverdacht: Kein US-Visum für Vizeminister
Binnenwasserwege für ausländische Yachten jetzt frei
Russland-Aktuell zur Startseite machen


Kasachstans Staatschef Nursultan Nasarbajew sitzt noch fest im Sattel (Foto: Archiv)
Kasachstans Staatschef Nursultan Nasarbajew sitzt noch fest im Sattel (Foto: Archiv)
Dienstag, 22.02.2011

Greift der Twitter-Revolutionsvirus auf die GUS über?

Moskau. Der Nahe Osten wankt: Die Despoten in Tunis und Kairo wurden gestürzt, in Libyen herrscht rohe Gewalt. Auch in Aserbaidschan ruft nun die Opposition das Volk zur Twitter-Revolution heraus. Greift der „Virus“ über?

Die oppositionelle „Partei der Volksfront“ in Aserbaidschan ruft die Bürger dazu auf, verstärkt das Internet und soziale Netze wie Twitter und Facebook zu nutzen. „Unter den Bedingungen eines autoritären Regimes bleiben die sozialen Netze eine Insel der Freiheit und wir rufen unsere Mitbürger dazu auf, öfter ins Internet zu gehen“, erklärte ein Sprecher der Partei gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Regnum.

Parallelen zwischen Nahem Osten und Zentralasien


Tatsächlich weist die Situation in Aserbaidschan und einigen anderen zentralasiatischen GUS-Republiken Parallelen zur Lage im Nahen Osten auf. Auch dort regieren seit zwei Jahrzehnten die gleichen autoritären Herrscher mit ihren Clans. Die Partizipation des Volkes an der Macht ist gering. Radikale islamische Tendenzen werden hart bekämpft.

Von Thronfolgern und Parteichefs


In Aserbaidschan hat Präsident Ilham Alijew 2007 die Macht von seinem Vater Geydar in einer Art Thronfolge geerbt. In Kasachstan ist Staatschef Nursultan Nasarbajew bereits seit Sowjetzeiten an der Macht, genauso wie in Usbekistan Islam Karimow (Islom Karimov).

Tadschikistans Staatschef Emomali Rachmon ist seit 1992 an der Macht (seit 1994 als Präsident) und in Turkmenistan hat Gurbanguly Berdymuchamedow das Erbe seines „Ziehvaters“ Saparmyrat Nijasow, besser bekannt als Turkmenbaschi („Vater aller Turkmenen“) übernommen.

Politische Umstürze in Kirgisistan


Etwas anders ist die Lage in Kirgisien, wo es immerhin schon zweimal zu einem völligen Auswechseln der politischen Führung gekommen ist: 2005 wurde der erste Präsident Askar Akajew in die Wüste (genauer gesagt nach Moskau) gejagt, 2010 wurde sein Nachfolger Kurmanbek Bakijew nach blutigen Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und Opposition gestürzt.

Bei Russland-Aktuell
• Katastrophenschutz bereitet Evakuierung aus Libyen vor (22.02.2011)
• Auch Russen verlassen Libyen aus Sicherheitsgründen (21.02.2011)
• Russische Touristen verlassen massenweise Ägypten (07.02.2011)
• Auf eigene Gefahr: Russen reisen weiter nach Ägypten (02.02.2011)
• Keine Reisen nach Ägypten, Evakuierung möglich (31.01.2011)
Das anschließende Gemetzel zwischen ethnischen Kirgisen und Usbeken im Süden des Landes hat das Konfliktpotenzial in der Region aufgezeigt. Allerdings scheint es, dass die Kirgisen nach den Unruhen, dem Chaos und den Plünderungen sich zunächst erst einmal nach Ruhe sehnen.

Islamisches Volk, säkulare Führer


In allen Ländern bekennt sich die Mehrheit der Bevölkerung mehrheitlich zum Islam. Die politische Führung hingegen stammt weitgehend noch aus der sowjetischen Nomenklatura. Die Parteigenossen Nasarbajew und Karimow haben natürlich die Zeichen der Zeit erkannt üben sich in den religiösen Riten des Islam.

Dass es sich bei ihnen aber um rein säkulare Machtpolitiker – wie im Fall der Militärs Muammar al-Gaddafi in Libyen, Muhammed Mubarak in Ägypten und Zine el-Abidine Ben Ali in Tunesien – und nicht um religiöse Führer handelt, ist klar.

Bei Russland-Aktuell
• Usbekischer Fundamentalisten-Führer verhaftet (23.08.2006)
• Bei Unruhen in Usbekistan über 800 Tote? (19.05.2005)
• Usbekistan: Aufstand unter der Fahne des Propheten (17.05.2005)
• Geteilte Meinungen im Ausland zu Usbekistan (17.05.2005)
• Putin rechtfertigt Blutbad von Andischan (29.06.2005)

Islam als Feder eines Aufstands?


Die demokratische Opposition in Zentralasien ist eher schwach – auch dies ist eine Parallele zum Nahen Osten. Stattdessen gibt es fundamentalislamistische Kräfte, die bereit sind, die Macht zu ergreifen

Tadschikistan kämpft so seit Jahren einen blutigen Kampf gegen islamische Fundamentalisten. Nachdem Anfang der 90iger Jahre der offene Bürgerkrieg an die 100.000 Tote forderte, herrschte jahrelang unter russischer Schirmherrschaft relative Ruhe.

In der jüngsten Vergangenheit haben sich diese Konflikte wieder stark zugespitzt. Die Islamisten erhalten Zulauf aus dem Volk – auch wegen der diktatorischen Herrschaftsweise Rachmons.

Somit könnte der Islam tatsächlich eine tragende Rolle bei einem Aufstand gegen eines der Regime in Zentralasien spielen.

Kein einheitliches Volk in Zentralasien


Im Gegensatz zum arabischen Raum gibt es freilich in den meisten zentralasiatischen GUS-Republiken eine viel stärker differenzierte Gesellschaft und starke ethnische Gegensätze, die sich in der Vergangenheit schon oft zu blutigen Pogromen steigerten.

Die Grenzziehung erfolgte willkürlich, so dass mehrere Völker auf dem Gebiet einer Republik leben. „Teile und herrsche“ – die Maxime der Römer wurde auch unter Stalin umgesetzt.

Bis heute stehen diese Völker oft untereinander im Konflikt. Eine einheitliche „Oppositionsfront“ herzustellen, dürfte damit zumindest deutlich schwerer fallen als in Ägypten.

Die Regierungen von Baku bis Astana verfolgen die Entwicklung dennoch mit Unruhe. Ali Gassanow, Abteilungsleiter in der Präsidialadministration von Aserbaidschan, warnte die Opposition eindringlich vor Versuchen, die Lage im Land anzuheizen.



Artikel versenden Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare


Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Dienstag, 22.02.2011
Zurück zur Hauptseite








Sicherheitsabstand sieht anders aus. Aber wenn an der Peter-Pauls-Festung in St. Petersburg der Rundflug-Helikopter startet und landet, sind Zuschauer immer ganz nah dabei. Sobald sie allerdings der Rotorwind samt Staubwolke erfasst, haben die Neugierigen wieder etwas Nützliches fürs Leben gelernt. (Topfoto: Deeg/.rufo)






Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>



Als Chef vom Dienst ist für Sie
im Moment im aktuellen Einsatz
André Ballin, Moskau

Schnell gefunden
Russland Veranstaltungen und Kultur-Events in D+A+CH

Die Top-Themen
St.Petersburg
Nach dem Schwulengesetz: „Wir wollen uns mehr zeigen!“
Kopf der Woche
Deripaska setzt auf Ex-Stasi-Agent und Putin-Spezi
Kommentar
G-8 u ASEAN: russische-amerikanische Beziehungsprobleme
Moskau
Protest-Lager: Barrikadnaja statt Saubere Teiche
Thema der Woche
Ämtertausch vollendet: Medwedew ist Premierminister
Kaliningrad
AirBerlin nimmt Kaliningrad wieder in Flugplan auf
Der Russland-Aktuell
Nachrichten-Monitor
Montag, 28. Mai
10:22 

Orenburg: Ausländische Studenten aus Wohnheim geworfen

08:51 

Opposition beantragt neuen Protestmarsch am 12. Juni

01:03 

Geschichte Russland: Rust landet auf dem Roten Platz

Sonntag, 27. Mai
01:03 

Russland Geschichte: St. Petersburg und Tsuschima

Samstag, 26. Mai
01:03 

Geschichte Russland: Nikolaus II. wird gekrönt

Freitag, 25. Mai
20:02 

CH-Staatsanwälte legen Deripaska-Klagen zu den Akten

18:27 

Geldwäscheverdacht: Kein US-Visum für Vizeminister

18:03 

Baku: Missklänge beim Grand Prix – vorrangig politisch

17:09 

26-facher Mumienmacher muss in psychiatrische Klinik

16:26 

Medwedew will „Einiges Russland“ intern demokratisieren

14:37 

Russische Motorradfahrer im Irak freigelassen

13:28 

Fünf Tote: Familientragödie unter Russen in den USA

12:47 

Schlägerei bei Sprach-Debatte im ukrainischen Parlament

11:09 

Binnenwasserwege für ausländische Yachten jetzt frei

09:27 

Ferien! Heute letzter Schultag für Russlands Schüler

01:03 

Russland Geschichte: Aus finstersten Tiefen

Donnerstag, 24. Mai
18:22 

ESC: udmurtische Äffin sagt Sieg der Babuschki voraus

17:57 

Russland verliert Raketen-Radarstation in Aserbaidschan

17:22 

Trotz Timoschenko: Polen und Ukraine erwarten gute EM

16:14 

Nach dem Schwulengesetz: „Wir wollen uns zeigen!“

15:04 

Alu-Zar Deripaska verliert Petersburger Großprojekt?

13:58 

Minister verspricht Abschleppdienst per Helikopter

12:42 

Irak: Vier russische Biker sitzen in Militär-Gefängnis

12:13 

Vergewaltigtes Kind im Müllschlucker: 22,5 Jahre Haft

10:53 

Kremlwache kauft Atomschlag-sichere Kinder-Wiegen

09:23 

Demonstrantenführer Udalzow wieder auf freiem Fuß

01:03 

Geschichte Russland: Die „Aurora“ läuft vom Stapel

Mittwoch, 23. Mai
18:23 

Moskauer sollen eigene Speakers Corners bestimmen

17:53 

Ukraine lehnt Behandlung von Häftlingen im Ausland ab

17:13 

Verletzte bei Bruchlandung von Militärflugzeug

16:24 

Vor der EM: Sportjournalist pöbelt über Nationalspieler

15:11 

Tschetschenische Saurier-Eier sind profane Steine

13:51 

Kapitalflucht aus Russland kann auf 100 Mrd. USD steigen

12:35 

Anti-Alkoholkampagne: Wodka in Jakutien nur nachmittags

12:04 

Rosneft-Boss Setschin – der Mann, der Yukos beerbte

Unseren kompletten
aktuellen News-Uberblick
finden Sie bei
russland-news.RU

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.


Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.sotschi.ru, www.baltikum.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.kultur.ru, www.puschkin.ru, www.wladiwostok.ru, www.sotschi.ru ... und noch einige andere mehr!
Russia-Now - the English short version of Russland-Aktuell








google.com
yahoo.com