Derzeit gibt es kaum Bewegung beim Bau des AKW Bushehr. Russen und Iraner streiten um die Finanzierung (Foto: ORT)
Dienstag, 13.03.2007
Irans Atomprogramm entzweit Moskau und Teheran
Moskau. Entweder kommt der Iran der Internationalen Atombehörde entgegen oder Moskau stellt die Kooperation mit Teheran ein. Die unmissverständliche Warnung drückt die derzeitigen Spannungen zwischen Iran und Russland aus.
Russische Medien berichten unter Berufung auf einen Informanten aus dem Kreml, dass Moskau überlegt, das Mullah-Regime fallen zu lassen. „Man kann sich nicht ewig auf die guten Beziehungen berufen. Wenn der Iran die Fragen der IAEA nicht beantwortet, dann soll er gefälligst selbst die Verantwortung übernehmen. Für uns ist eine iranische Atombombe nicht hinnehmbar. In antiamerikanische Spielchen lassen wir uns nicht verwickeln“, sagte der anonyme Kremlsprecher.
Dies ist wohl die schärfste Warnung, die Moskau je an Teheran gerichtet hat. Im Vorfeld der nächsten Sitzung des UN-Sicherheitsrates zur Frage des iranischen Atom-Dossiers deutet sie auch auf einen möglichen Positionswechsel Russlands hin. Bislang galt Moskau neben Peking als Vertreter einer weichen Linie gegenüber den Persern. Sanktionen gegen Iran sollten möglichst ausgeschlossen werden.
„Wir wollen den Iran nicht bestrafen, wir wollen ihn an den Verhandlungstisch zurückholen“, hatte Russlands Außenminister Sergej Lawrow stets betont. Versuchen von USA und Großbritannien, das Mullah-Regime zu isolieren, stand der Kreml ablehnend gegenüber.
Streitigkeiten beim gemeinsamen Atomprojekt in Bushehr
Dies erklärt sich teilweise auch aus den wirtschaftlichen Interessen, die Russland in der Region hat. Die Zusammenarbeit zwischen Russland und dem Iran wird auf einen Wert von etwa acht Mrd. USD geschätzt. Doch diese Kooperation ist in letzter Zeit merklich ins Stocken geraten und so haben sich auch die russisch-iranischen Beziehungen deutlich abgekühlt.
Dies ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass Teheran die Finanzierung des Atomkraftwerks Bushehr im Februar beendet hat. Bis Ende letzten Jahres waren insgesamt 60 Prozent des Milliarden-Projektes finanziert worden. Im Januar ging dann noch einmal eine Rate von 5,1 Mio. USD ein, im Februar wurden die Zahlungen ausgesetzt.
Russland hat die Lieferung von Kraftwerksanlagen daraufhin eingestellt und will auch keinen Brennstoff in den Iran liefern. Die Inbetriebnahme des AKW, die ursprünglich für September vorgesehen war, verzögert sich damit zumindest. Verhandlungen in der vergangenen Woche zur Wiederaufnahme der Lieferungen wurden ergebnislos abgebrochen.
Leben auf Kredit ist unvereinbar mit Irans stolzer Haltung im Atomkonflikt
Der Vorsitzende des Außenausschusses im Föderationsrat, Michail Margelow, rief den Iran inzwischen dazu auf, nicht auf Kredit zu leben. „Die Sowjetunion wurde früher von ihren Partnern, den unabhängig gewordenen Staaten und den Staaten, die sich vom Kolonialjoch befreit haben, geradezu zermürbt. Diese verstanden unter freundschaftlichen Beziehungen ausschließlich Wohltätigkeit von Seiten Moskaus aus, d.h. sie raubten die Taschen der bescheiden lebenden Sowjetbürger aus“, sagte Margelow.
Ein solches Verhalten entspreche nicht der eigentlichen Position der iranischen Führung, die ansonsten in Atomverhandlungen stets das nationale Prestige in den Vordergrund rücke. „Nationales Prestige kostet Geld“, mahnte der russische Senator. Margelow war übrigens der erste ranghohe russische Politiker, der in der vergangenen Woche den rein friedlichen Charakter des iranischen Atomprogramms öffentlich bezweifelt hatte.
(ab/.rufo)
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... und in der Ferne glänzen die goldenen Kreml-Kuppeln vor dem Winterpanorama der Stadt Moskau. Das historische Moskau, das "Goldköpfige" genannt, hatte 40x40 goldene Kirchenkuppeln. ( Topfoto: mig/.rufo)