Geldwäscheverdacht: Kein US-Visum für Vizeminister
Binnenwasserwege für ausländische Yachten jetzt frei
Russland-Aktuell zur Startseite machen


Kasparow in Bedrängnis: Jetzt sitzt er 5 Tage in Haft (Foto: newsru)
Kasparow in Bedrängnis: Jetzt sitzt er 5 Tage in Haft (Foto: newsru)
Montag, 26.11.2007

Kasparow-Verhaftung bringt Putin in die Kritik

Moskau. Die Inhaftierung von Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow „wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt“ ist international heftig kritisiert worden. Die Partei SPS hingegen freut sich über einen PR-Erfolg.



Terry Davis, der Generalsekretär des Europarates, erklärte, dass Russland als Mitglied der Organisation die Europäische Menschenrechts-Charta zu erfüllen habe, die Versammlungs- und Redefreiheit garantiere. „Dies sind Grundvoraussetzungen einer echten Demokratie“.

Auch aus Deutschland kam offizielle Kritik an der Fünf-Tage-Haft für Garri Kasparow. Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Gunter Nooke (CDU), sagte, der Oppositionspolitiker werde „völlig isoliert“ in Haft gehalten.

Putin wird für Prügel und Arrest verantwortlich gemacht


Nooke forderte die Freilassung von Kasparow und kritisierte das Verhalten der russischen Führung scharf. „Man muss davon ausgehen, dass Wladimir Putin von der geplanten Verhaftung wusste und diese billigt“, so Nooke.

Die US-Regierung äußerte ihre Besorgnis über die „aggressive Taktik“ der russischen Behörden gegen Anführer und Angehörige der Opposition. „Wir sind vor allem besorgt über die Festnahme und Inhaftierung von Anführern der Opposition, darunter Garri Kasparow“, sagte Außenamtssprecher Sean McCormack in Washington.

Bei Russland-Aktuell
• Irres Gelächter gegen Oppositions-Kundgebung (12.06.2007)
• Demo in Samara: Putin-Gegner werden aufgehalten (17.05.2007)
• Lukin kritisiert Vorgehen der Miliz bei Demo-Auflösung (16.04.2007)
• Opposition nominiert Kasparow für Präsidentschaft (01.10.2007)
• Moskauer Bürgermeister schränkt Demos weiter ein (05.09.2007)

Legale Demo wurde massiv gestört


Es ist abzusehen, dass die russische Führung darauf erklären wird, das alles seine rechtsstaatliche Richtigkeit hat: Die Kreml-Kritiker durften am Samstag eine Kundgebung in der Moskauer Innenstadt abhalten, an der ca. 3.000 Menschen teilnahmen. Sie wurde allerdings von einem einschüchternden Polizeiaufgebot flankiert und zudem durch einen in der Nähe stehenden Lautsprecherwagen beschallt, der die Versammlung mit lautem Gelächter störte.

Danach wollten die Demonstranten eine Petition bei der Wahlkommission abgeben. Obwohl die Organisatoren deutlich darauf hingewiesen hatten, dass die Teilnehmer ohne Fahnen und Transparente sich dorthin begeben, wurden von einigen Gruppen Signalfackeln entzündet und ein Durchbruch auf den Gartenring unternommen.

Damit waren die OMON-Einheiten zum Eingreifen bemächtigt: Alle Demonstranten, deren sie habhaft werden konnten, wurden abgeführt – und zum Teil dabei mit Knüppeln traktiert. Zahlreiche Journalisten bekamen trotz gelber Warnwesten und Ausweisen Schläge ab.

Lebensgefahr für Kasparow in der Haft?


Auch Kasparow wurde festgenommen und am Abend zu fünf Tagen Haft wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt verurteilt. Seine Anwälte bemängelten bei dem Schnellverfahren grobe juristische Mängel. Seine „Vereinigte Bürgerfront“ erklärte später, Kasparow sei geschlagen worden. Auch fürchte man nun um sein Leben, da er in der Haft essen und trinken müsse, was ihm vorgesetzt werde.

Ähnliches ereignete sich am Sonntag dann auch in St. Petersburg. Hier griff die Miliz allerdings schon vor der genehmigten Kundgebung zu, die aber am Oktjabrski-Konzertsaal stattfinden sollte und nicht am Schlossplatz, wie von den Organisatoren des „Marsches der Unzufriedenen“ propagiert.

Petersburg: SPS-Listenspitze in Polizeigewahrsam


Auch hier kam es zu kurzen, aber heftigen Scharmützeln zwischen etwa 500 Demonstranten und Polizeikräften. In deren Verlauf wurden die beiden führenden Politiker und Duma-Kandidaten der Partei SPS, Nikita Belych und Boris Nemzow von der Polizei abgeführt und auf Polizeireviere gebracht. Gegen sie ergingen allerdings keine Strafen, nach ein bis zwei Stunden waren sie wieder frei.

Die staatlich kontrollierten Fernsehsender berichteten mit im Wortlauf ähnlichen Berichten über die Demonstrationen und stellten sie als Resultat von Politstrategen dar, die mit bekannten Methoden in Russland eine „orange Revolution“ provozieren wollten. Über die Inhaftierungen der prominenten Politiker schwiegen sie sich aus.

Dennoch betrachtet zumindest die SPS ihre Aktion vom Wochenende als Erfolg: “Ich weiß nicht, ob der Marsch uns bei den Wahlen zusätzliche Stimmen gibt“, sagte Parteichef Belych. „Aber das wichtigste ist, wir haben unseren Protest gegen das politische System ausgedrückt. Das ist uns gelungen.“

Die Staatsführung hat seinerseits ihre These untermauert, dass Putin-Kritiker nichts anderes als Unruhestifter und Rowdies sind – und deren Versuche, Boden zu gewinnen, zu nichts Gutem führen können.

(ld/rufo/St.Petersburg)


Artikel versenden Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare


Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Montag, 26.11.2007
Zurück zur Hauptseite








Sicherheitsabstand sieht anders aus. Aber wenn an der Peter-Pauls-Festung in St. Petersburg der Rundflug-Helikopter startet und landet, sind Zuschauer immer ganz nah dabei. Sobald sie allerdings der Rotorwind samt Staubwolke erfasst, haben die Neugierigen wieder etwas Nützliches fürs Leben gelernt. (Topfoto: Deeg/.rufo)






Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>



Als Chef vom Dienst ist für Sie
im Moment im aktuellen Einsatz
André Ballin, Moskau

Schnell gefunden
Russland Veranstaltungen und Kultur-Events in D+A+CH

Die Top-Themen
St.Petersburg
Nach dem Schwulengesetz: „Wir wollen uns mehr zeigen!“
Kopf der Woche
Deripaska setzt auf Ex-Stasi-Agent und Putin-Spezi
Kommentar
G-8 u ASEAN: russische-amerikanische Beziehungsprobleme
Moskau
Protest-Lager: Barrikadnaja statt Saubere Teiche
Thema der Woche
Ämtertausch vollendet: Medwedew ist Premierminister
Kaliningrad
AirBerlin nimmt Kaliningrad wieder in Flugplan auf
Der Russland-Aktuell
Nachrichten-Monitor
Montag, 28. Mai
10:22 

Orenburg: Ausländische Studenten aus Wohnheim geworfen

08:51 

Opposition beantragt neuen Protestmarsch am 12. Juni

01:03 

Geschichte Russland: Rust landet auf dem Roten Platz

Sonntag, 27. Mai
01:03 

Russland Geschichte: St. Petersburg und Tsuschima

Samstag, 26. Mai
01:03 

Geschichte Russland: Nikolaus II. wird gekrönt

Freitag, 25. Mai
20:02 

CH-Staatsanwälte legen Deripaska-Klagen zu den Akten

18:27 

Geldwäscheverdacht: Kein US-Visum für Vizeminister

18:03 

Baku: Missklänge beim Grand Prix – vorrangig politisch

17:09 

26-facher Mumienmacher muss in psychiatrische Klinik

16:26 

Medwedew will „Einiges Russland“ intern demokratisieren

14:37 

Russische Motorradfahrer im Irak freigelassen

13:28 

Fünf Tote: Familientragödie unter Russen in den USA

12:47 

Schlägerei bei Sprach-Debatte im ukrainischen Parlament

11:09 

Binnenwasserwege für ausländische Yachten jetzt frei

09:27 

Ferien! Heute letzter Schultag für Russlands Schüler

01:03 

Russland Geschichte: Aus finstersten Tiefen

Donnerstag, 24. Mai
18:22 

ESC: udmurtische Äffin sagt Sieg der Babuschki voraus

17:57 

Russland verliert Raketen-Radarstation in Aserbaidschan

17:22 

Trotz Timoschenko: Polen und Ukraine erwarten gute EM

16:14 

Nach dem Schwulengesetz: „Wir wollen uns zeigen!“

15:04 

Alu-Zar Deripaska verliert Petersburger Großprojekt?

13:58 

Minister verspricht Abschleppdienst per Helikopter

12:42 

Irak: Vier russische Biker sitzen in Militär-Gefängnis

12:13 

Vergewaltigtes Kind im Müllschlucker: 22,5 Jahre Haft

10:53 

Kremlwache kauft Atomschlag-sichere Kinder-Wiegen

09:23 

Demonstrantenführer Udalzow wieder auf freiem Fuß

01:03 

Geschichte Russland: Die „Aurora“ läuft vom Stapel

Mittwoch, 23. Mai
18:23 

Moskauer sollen eigene Speakers Corners bestimmen

17:53 

Ukraine lehnt Behandlung von Häftlingen im Ausland ab

17:13 

Verletzte bei Bruchlandung von Militärflugzeug

16:24 

Vor der EM: Sportjournalist pöbelt über Nationalspieler

15:11 

Tschetschenische Saurier-Eier sind profane Steine

13:51 

Kapitalflucht aus Russland kann auf 100 Mrd. USD steigen

12:35 

Anti-Alkoholkampagne: Wodka in Jakutien nur nachmittags

12:04 

Rosneft-Boss Setschin – der Mann, der Yukos beerbte

Unseren kompletten
aktuellen News-Uberblick
finden Sie bei
russland-news.RU

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.


Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.sotschi.ru, www.baltikum.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.kultur.ru, www.puschkin.ru, www.wladiwostok.ru, www.sotschi.ru ... und noch einige andere mehr!
Russia-Now - the English short version of Russland-Aktuell








google.com
yahoo.com