Waldbrände: Sümpfe sollen wieder geflutet werden
Schwitzende Moskauer erwartet Abkühlung und neue Hitze
Russland-Aktuell zur Statrseite machen


Viele haben Angehörige verloren (Foto: tv/.rufo)
Viele haben Angehörige verloren (Foto: tv/.rufo)
Dienstag, 08.12.2009

Nach dem Club-Brand rollen in Perm nun die Köpfe

Perm. Die Katastrophe hat erste Beamte ihre Posten gekostet: Nach einem Putin-Besuch vor Ort wurden Beamte der Brandschutzbehörde und der Kommunalverwaltung entlassen - wegen Schlamperei und Korruptionsverdacht.

Die Aufarbeitung der Brandkatastrophe vom Samstag Morgen weitet sich immer mehr auch auf die Behörden aus. Sieben führende Beamte der Brandschutzinspektion des Gebietes wurden heute von Katastrophenschutzminister Sergej Schoigu entlassen. Der Gebietsgouverneur feuerte seinerseits zwei Spitzenbeamte: den Stadtteil-Verwaltungschef und den Leiter der technischen Gebäude-Inspektion.

Bei Russland-Aktuell
• Alles zum Klub-Brand in Perm

Putin mit Blumen in der Hand und Wut im Bauch


Wladimir Putin hatte auf der Durchreise mitten in der Nacht an der Unglücksstelle Blumen niedergelegt. Danach gab es eine Besprechung, bei der offenbar Klartext über Ursachen und Hintergründe der Katastrophe geredet wurde. Jedenfalls rollten schon am Morgen die Köpfe unter der zuständigen Beamtenschaft. Das Management des Clubs und der Pyrotechnik-Firma ist ohnehin schon in U-Haft.

Diese Geschäftsleute hätten „gegen alles verstoßen, wogegen man verstoßen kann“, schimpfte Putin - und hielt ein Päckchen in die Luft, bei dem es sich offenbar um den Typ der im Club gezündeten Feuerwerkskörper handelte: „Hier steht in russischer Sprache: In geschlossenen Räumen nicht anwenden.“

Business und Beamte denken nur an volle Taschen


Die Durchsetzung von Sicherheitsvorschriften sei in Russland allerdings ein Teufelskreis, so Putin: „Gibt man den Kontrollbehörden mehr Rechte, wächst die Korruption. Lässt man dem Business mehr Freiheiten, greifen Schlamperei und sogenannte Kostenoptimierung zu Lasten der Sicherheit um sich.“

Bei Russland-Aktuell
• Club-Brand in Perm: Zahl der Todesopfer bei 117 (08.12.2009)
• Moskau verbietet Feuerwerk in geschlossen Räumen (07.12.2009)
• Brandkatastrophe in Perm fordert über 100 Todesopfer (05.12.2009)
• Lage der Medien in Russlands Regionen - Teil III, Perm (08.12.2009)
• Kater erhält „Orden“ der Feuerwehr – als Brandmelder (06.10.2009)
Sträfliche Nachlässigkeit haben auch die örtlichen Brandschutzinspektoren walten lassen: Sie hätten rechtliche Möglichkeiten nicht ausgenutzt, damit die bei der jeweils letzten Überprüfung festgestellten Mängel auch ausgeräumt werden, kritisierte Putin.

Nach dem Brand stinkt es nach Korruption


Inwieweit dabei „materielle Interessen“ – sprich: Schmiergelder oder Vetternwirtschaft – eine Rolle gespielt haben, muss noch ermittelt werden. Wenn denn etwas zu beweisen ist: Denn das fatale Feuer hat einen Sumpf aufgedeckt, in dem sich viele Funktionsträger die Finger schmutzig gemacht haben - und sie nun eilig waschen.

Nun wird ein Exempel statuiert


Das Inferno von Perm bietet der russischen Staatsführung nun die Gelegenheit, ein Exempel zu statuieren. Schließlich geben sich Putin, Medwedew und Co. immer als engagierte Kämpfer gegen die Volkskrankheiten Schlendrian, Verantwortungslosigkeit und Korruption - ohne allerdings nennenswert voranzukommen. Präsident Dmitri Medwedew wies heute den Generalstaatsanwalt Juri Tschaika an, "die ganze Kette" bis hinauf in föderale Behörden schonungslos aufzudecken.

Trauer vor dem "Lahmenden Pferd": Perm ist fassungslos über das vom ganz normalen russischen Alltag provozierte Unglück  (Foto: tv/.rufo)
Trauer vor dem "Lahmenden Pferd": Perm ist fassungslos über das vom ganz normalen russischen Alltag provozierte Unglück (Foto: tv/.rufo)

Brandschutzinspektion war nur eine Formalität


Die Geschäftsführerin des Clubs „Lahmendes Pferd“ hat jedenfalls alljährlich ein Bußgeld an den Staat bezahlt – und das Mängelprotokoll mit den immer gleichen acht Verstößen kam in die Schublade. Dabei war darin von ernsthaften Problemen wie dem Fehlen einer Brandschutzimprägnierung an den Wänden, feuergefährlichem Deko-Material und unzulässigen Kabeln und Türen die Rede, berichtete ein Ermittler der Zeitung „Kommersant“.

Dass ein führender In-Nachtclub der Millionenstadt Perm allerdings über Jahre auf dem Papier als "Cafe mit Konditorei" angemeldet war und die Fenster zugemauert waren, fiel den Kontrolleuren dabei offenbar gar nicht erst auf.

Eine "tote Seele" bei der Feuerwehr - mit Unterschriftsberechtigung


Die russische Katastrophenschutzbehörde MTschS, zu der auch die Feuerwehr und die Brandschutzinspektion gehört, gesteht inzwischen selbst ein, dass es bei der Erteilung der Betriebsgenehmigung des zunächst als Cafe angemeldeten „Lahmenden Pferdes“ nicht mit rechten Dingen zuging: Die Abnahmebescheinigung des Gebäudes von 2003 trägt die Unterschrift eines Inspektoren, der schon seit 2002 nicht mehr für die Behörde tätig war.

Ein fröhliches Nehmen, Geben - und Wegsehen


Mit der Begründung, sie hätten von den Missständen in dem Club nichts gewusst, können sich wohl nur die wenigsten Beamten herausreden: Das Etablissement befand sich in unmittelbarer Nähe der Stadtverwaltung – und gedieh offenbar in bester Symbiose zwischen Bürokratie und Business. Nicht zufällig sind jetzt unter den Opfern der Club-Geburtstagsfete auch viele Angehörige von Verwaltung, Polizei und Justiz.

Wenn ein "Blutsauger" sich richtig schämt


Auf den inhaftierten Permer Geschäftsmann Anatoli Sack, der Gründer – und nach Meinung der Ermittler auch De-facto-Inhaber - des Clubs, trifft Putins Kritik nach Darstellung von einheimischen Geschäftsleuten voll und ganz zu: Er wird nach einem Bericht der „Komsomolskaja Prawda“ dort als „Blutsauger“ bezeichnet, der alle seine Projekte nur auf maximalen Gewinn ausgerichtet habe.

Sacks Anwalt begründete dessen nächtliche Flucht per Auto in Richtung Jekaterinburg damit, dass Sack sich vor den Frauen seiner Freunde geschämt habe, die in seinem Club den Tod gefunden hätten. Angeblich sei es sein Mandant gewesen, der zu einer nahen Feuerwehrwache gerannt sei, um Alarm zu schlagen. Mit dem operativen Management – und erst recht nicht mit der Organisation der verhängnisvollen Show – habe er nichts zu tun gehabt.

Nach Presseberichten verbringt Sack – trotz seines dort konzentrierten Immobilienbesitzes - nur wenige Monate im Jahr in Perm und lebt ansonsten in Spanien. Neben dem russischen hat er auch einen israelischen Pass.





Artikel versenden Leserbrief Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Nikola 18.12.2009 - 22:08

Mit der Vergangenheit in die Zukunft gehen

Aber nein, es geht doch auch nicht darum, die Augen zuzukneifen. Nur würde ich gerne wollen, dass wir, in Erinnerung daran, was passiert ist, zu einer neuen Normalität kommen. Denn ansonsten geht es nicht voran.
Ich gehöre absolut nicht zu denen, die die Vergangenheit vergessen wollen. Nur wer die Geschichte kennt, kann in die Zukunft gehen.


davai 18.12.2009 - 21:53

Normal?

ja aber die welt wird doch nicht davon normal, dass man die augen zukneift!


Nikola 17.12.2009 - 12:37

Reizthema

Ich finde es schon irgendwie bezeichnend, dass die Wörter Jude und Israel immer noch so einen \"Reizwert\" haben. Wann hört das endlich auf? Suche nach Normalität wäre angebracht.


MIG-29 09.12.2009 - 07:20

Vampire

Ob der Klubbesitzer nun einen Zweitpass aus Israel oder einem anderen Staat hat, ist nicht entscheidend. Aber es gehört zur traurigen russischen Realität, dass fast alle Reichen des Landes (egal welcher Nationalität) auf gepackten Koffern sitzen. Russland interessiert sie nur als Geldquelle.


Katta 09.12.2009 - 00:40

Blutschinder von Hintergestern

Holla, ja das scheint echt ein temporäre Anomalie zu sein!!! Jüdischer Bolschewismus, also bitteschön, aus welcher Ecke outet sich hier wer? Generalplan Ost oder wie? Pass woher auch immer - Sippenhaft nach Nationalitäten sollte doch bitteschön wirklich der Vergangenheit angehören. Ob es in dem Beitrag in diesem Sinne wirklich nötig war, die Pässe zu erwähnen, ist eine ganz andere Sache.
Im Vordergrund stehen doch wohl Korruption und Schlamperei als Ursache - und Trauer um die vielen schmerzlichst gestorbenen Menschen!


Gena 09.12.2009 - 00:18

Vorvorgestern

Das es diesen Unsinn von Vorvorgestern noch gibt! Auch in Russland sind doch Verstand und Anstand keine Frage der Nationalität. Korruption und Geschäftemacherei auch nicht. Es gibt keine Nation, die das Gute für sich gepachtet hätte und erst recht gibt es keinen Generalsündenbock.


temporöre Anomalie 08.12.2009 - 19:57

Blutsauger

Warum wundert man sich nicht das dieser Blutsauger bloß ausser der russischen Staatbürgerschaft auch noch die israelische besitzt. Dieses kleine Volk treibt es schon tollkühn mit Gevatter Russland, zuerst der jüdische Bolschewismus und jetzt der jüdische Totalkapitalismus der nur allzugern über Leichen geht, solange es nicht seine eigenen sind. Zum Heulen das Ganze
Die Redaktion ist ausdrücklich mit diesem Kommentar nicht einverstanden. Wir stellen diese Lesermeinung aber zur Diskussion.



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Dienstag, 08.12.2009
Zurück zur Hauptseite








Mach mal Pause, erst recht in dieser Hitze. Das dachte sich auch dieser Kranführer im Petersburger Hafen, dem dafür wenigstens ein luftiges Plätzchen zur Verfügung steht.( Topfoto: Deeg/.rufo)


Die populärsten Artikel der letzten drei Tage
Schnell gefunden
Russland Veranstaltungen und Kultur-Events in D+A+CH

Die Top-Themen
St.Petersburg
Sechs Tote bei Unwetter: Trauriges Ende der Sommerhitze
Thema der Woche
Georgische Wirtschaftsministerin tanzt Striptease
Kopf der Woche
Menschenrechts-Beauftragte Pamfilowa gibt Posten auf
Moskau
Chimki: Molotow-Cocktails gegen die Wald-Rodung
Kommentar
Jugendparlament Jekaterinburg: Mut für Meinungsfreiheit
Kaliningrad
Kaliningrad: Zweite Amtszeit für Gouverneur Boos?
Der Russland-Aktuell
Nachrichten-Monitor
Samstag, 31. Juli
00:03 

Russland Geschichte: Startschuss im Lenin-Stadion

Freitag, 30. Juli
18:28 

Neuer Skandal um Strip-Ministerin: Lebenslauf gefakt?

17:35 

Brandkatastrophen in Russland: Armee eilt zu Hilfe

16:39 

Mutterfluch: Google Earth stellt Jekaterinburg bloß

15:30 

Sechs Tote bei Unwetter: Trauriges Ende der Sommerhitze

14:28 

Nowgorod wird Hauptstadt des russischen Hansebundes

13:24 

Feuersturm vernichtet Dorf – Putin muss löschen

12:31 

Menschenrechts-Beauftragte Pamfilowa gibt Posten auf

11:15 

Waldbrände: Sümpfe sollen wieder geflutet werden

09:12 

Flugzeug-Kaperung in Domodedowo verläuft glimpflich

00:03 

Geschichte Russland: Kommunismus in 20 Jahren

Donnerstag, 29. Juli
19:00 

Sotschi: Inguschetische Milizionäre lassen die Sau raus

18:22 

Hitzerekord: Moskau wartet bei 38 Grad auf Regen

16:51 

Chimki: Molotow-Cocktails gegen die Wald-Rodung

16:33 

Schwerer Terroranschlag im Kaukasus verhindert

14:57 

Finale furioso: Neuer Hitzerekord in St. Petersburg

14:07 

Myschkin an der Wolga - eine Fotogalerie

13:43 

Waffendeal: Moskau liefert Abwehrraketen nach Baku

12:27 

Eine Tote bei Bombenanschlag in ukrainischer Kirche

11:12 

Schwitzende Moskauer erwartet Abkühlung und neue Hitze

10:18 

Hochzeitsgesellschaft im Kaukasus landet im Krankenhaus

09:02 

Chinesische Chemikalien landen erneut im Amur

00:03 

Russland Geschichte: Alfa-Kampfgruppe gegründet

Mittwoch, 28. Juli
18:23 

Ostseepipeline North Stream geht bei Wyborg an Land

17:27 

Frau angemacht - Massenschlägerei mit 600 Beteiligten

15:22 

Hitzerekorde in Moskau: Flügellahm und weichgekocht

14:03 

Eiszeit: mit Avangard Omsk gegen die Sommerhitze

13:06 

Moskau: Großbrand in Bürogebäude an Metro-Kreislinie

12:05 

Kirgisien bekommt 1 Mrd. USD internationale Finanzhilfe

10:59 

Fernsehwerk: In die Röhre gucken statt Rekorde feiern

10:05 

FBI vermutet High-Tech-Waffen-Schmuggel nach Russland

09:03 

Hitze löst Quallenplage an Russlands Pazifikküste aus

00:03 

Geschichte Russland: Sowjetunion wird WM-Vierter

Dienstag, 27. Juli
18:46 

Absturz Smolensk: Neue Erkenntnisse bei Entschlüsselung

17:26 

Russland steckt Unsummen in die Tourismusentwicklung

Unseren kompletten
aktuellen News-Uberblick
finden Sie bei
russland-news.RU

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.


Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.sotschi.ru, www.baltikum.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.kultur.ru, www.puschkin.ru, www.wladiwostok.ru, www.sotschi.ru ... und noch einige andere mehr!
Russia-Now - the English short version of Russland-Aktuell





google.com
yahoo.com