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Die Baltische Flotte weist jede Schuld von sich, in der Ostsee atomaren Abfall verklappt zu haben. (Foto: newsru.com)
Die Baltische Flotte weist jede Schuld von sich, in der Ostsee atomaren Abfall verklappt zu haben. (Foto: newsru.com)
Freitag, 05.02.2010

Russland dementiert: Kein Atommüll in Ostsee entsorgt

Moskau. Eine Meldung im schwedischen Fernsehen über die angebliche Entsorgung von russischen chemischen und nuklearen Kampfwaffen vor Gotland sorgt für Aufsehen. Dementis erklingen von russischer wie lettischer Seite.

Der schwedische Sender SVT hatte gemeldet, die russische Ostseeflotte hätte Anfang der 1990er Jahre während ihres Abzugs aus der Basis in Liepaja in Lettland chemische Waffen und radioaktiven Müll in der Ostsee versenkt, weil es „zu teuer war, die Abfälle nach Russland zu schaffen“.

Dies ginge aus einem Bericht des ehemaligen schwedischen Geheimdienstlers Donald Forsberg hervor, der Russland vorwirft, zwischen 1989 und 1992 vor der Insel Gotland Giftstoffe entsorgt zu haben.

Das Brisante: Die schwedische Regierung soll davon gewusst und die Sache „unter den Teppich gekehrt“ haben, so der TV-Bericht. In Stockholm sorgt die Nachricht für helle Aufregung. Schwedens Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt fordert eine Erklärung von der Vorgängerregierung.

„Wir hatten keinen Müll“


Die damalige Außenministerin (und später von einem geistig verwirrten Mann ermordete) Anna Lindh habe das Militär aufgefordert, der Sache nachzugehen, aber dem Verteidigungsministerium sei die Suche nach dem gefährlichen Müll und seine Bergung wohl zu teuer gewesen.

Bei Russland-Aktuell
• Behörden in Tomsk verneinen „atomaren Alptraum“ (15.10.2009)
• 50 Jahre Majak: „Wir sind die Atommüllhalde Europas“ (26.09.2007)
• Kaliningrad: Kampf mit dem Müllproblem aufgenommen (25.06.2008)
• Schmutzige Städte: Dserschnisk und Norilsk in Top-10 (14.09.2007)
Die russische Botschaft in Stockholm enthält sich jeden Kommentars; sie will warten, bis die Information in Moskau „sorgfältig untersucht wird“. Admiral Wladimir Jegorow, der zwischen 1991 und 2000 die Ostseeflotte leitete, weist die Vorwürfe zurück.

„Die Flottenkräfte, die Anfang der 1990er Jahre die Basis in Liepaja in Lettland verließen, hatten keine chemischen Waffen, radioaktive Materialien oder Abfälle“, sagte er am Freitag gegenüber Interfax.

„Die Führung der Ostseeflotte und der Militärbasis haben streng im Rahmen der russisch-lettischen Vereinbarungen über den Abzug der Flotte gehandelt. Selbst wenn sie irgendetwas hätten verbergen wollen, wäre ihnen das nicht gelungen“, fügt er hinzu.

„Das hätte viel Lärm gegeben“


Die russische Position wird auch von lettischer Seite unterstützt. Der ehemalige lettische Verteidigungsminister Talavs Jundzis erklärt: „Wenn so etwas passiert wäre, hätte es sehr viel Lärm gegeben; die Reaktion wäre sehr laut gewesen.“

Ihm stimmt der ehemalige Leiter der lettischen Sicherheitsbehörde, Janis Aivars Baskers, zu: Er könne die Verklappung von chemischen Waffen auf dem Grund der Ostsee nicht bestätigen.



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