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Schlagabtausch in der russischen Duma (Foto: www.newsru.com)
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Montag, 17.02.2003

Sprachgesetz gestoppt, Fluchen weiter erlaubt

Von Karsten Packeiser, Moskau. Die Russen dürfen in der Öffentlichkeit auch weiter lieb gewordene Worte wie „Bisnessmen“, „Imidschmejker“ oder „Dschip“ benutzen. Nach französischem Vorbild sollte ein Gesetz zum Schutz der Staatssprache auch in Russland den Gebrauch von Fremdwörtern einschränken, für die es russische Begriffe gibt. Außerdem sollte der öffentliche Gebrauch von groben Schimpfworten und Slang-Begriffen verboten werden. Doch das Oberhaus des russischen Parlaments, der Föderationsrat, hat das Gesetz jetzt zu Fall gebracht.

Obwohl die Sorge um die Muttersprache eine verdienstvolle Sache sei, enthalte das Gesetz einfach zu viele Formfehler und logische Widersprüche, befand die Parlamentskammer. Über ein Dutzend Fremdwörter zählte der zuständige Ausschussvorsitzende Viktor Schudegow in dem Gesetzestext, der den Gebrauch eben jener Wörter eigentlich untersagt. Nach In-Kraft-Treten des Sprachgesetzes in seiner ursprünglichen Form hätte die russische Verfassung an etwa 30 Stellen geändert werden müssen, merkte ein Parlamentarier an. Bereits der Begriff „Verfassung (Konstituzija) der Russischen Föderation (Federazija)“ enthalte zwei verbotene Worte.

Der liberale Abgeordnete Boris Nadjoschdin hatte schon während der Duma-Debatte gewarnt, das Sprachgesetz sei so fundamental falsch, dass es unmöglich sei, es irgendwie zu retten. „Man sollte lieber den Russisch-Unterricht in den Schulen verbessern und den Lehrern mehr zahlen“, forderte er.

Literaturkenner gaben zu bedenken, schon in den Werken der Nationaldichter Alexander Puschkin und Nikolaj Gogol würden sich derbe Mutterflüche finden, deren öffentlicher Gebrauch geächtet werden sollte. Nirgendwo sei festgelegt, welche Worte genau als Schimpfworte betrachtet werden sollen. Vertreter der nationalen Teilrepubliken kritisierten, dass mit dem selben Gesetz alle Beamten in ganz Russland verpflichtet wurden, ihre Dokumente in Russisch abzufassen. Bereits im vergangenen Jahr hatte der rechtlich umstrittene Moskauer Beschluss, alle Völker Russlands müssten ihre Sprachen mit kyrillischen Buchstaben schreiben, unter den Minderheiten zu Protesten geführt. In der Teilrepublik Tatarstan war zu diesem Zeitpunkt der Übergang zur lateinischen Schrift bereits eingeleitet worden.

Bei Russland-Aktuell
• Ethik-Prüfung für Schirinowskis Schimpfkanonade
• Schirinowski blamiert Russland
• Russen und Tataren streiten um die richtige Schrift
Anders als in Frankreich, wo etwa Massenmedien beim Missbrauch von Fremdwörtern Geldstrafen drohen, machte das russische Gesetz aber keinerlei Angaben darüber, wie unerlaubte Mutterflüche oder unbedacht ausgesprochene Fremdwörter geahndet werden sollten. Duma-Abgeordnete, die sich während der Sitzungen immer wieder gegenseitig aufs Übelste beschimpfen, können wegen ihrer Immunität ohnehin nicht zur Rechenschaft gezogen werden und machen bislang keine Anstalten, ihr öffentliches Auftreten dem selbst verabschiedeten Gesetz anzupassen.

Nationalistenführer Wladimir Schirinowskij etwa sieht sich erneut mit Forderungen konfrontiert, als stellvertretender Parlamentschef zurückzutreten, nachdem er bei einem Besuch im Irak vor laufenden Kameras mit derben Schimpfwörtern über George Bush und die USA hergezogen war. Außerdem hatte er dort gefordert, lieber Tiflis als Bagdad zu bombardieren. Die Ethik-Kommission der Duma erklärte inzwischen, Schirinowskij sei auf den Aufnahmen, die auf mehreren russischen Fernsehkanälen liefen, nicht eindeutig zu erkennen.

(epd).

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