Viktor Juschtschenko vor seiner Vergiftung (Foto: UkrNationalism.org)
Freitag, 24.09.2004
Ukraine: Wahlkampf der Schwerverletzten
Moskau. Dass Wahlkampf ein hartes Geschäft ist, bekamen die beiden Favoriten bei den ukrainischen Präsidentschaftswahlen schmerzhaft zu spüren. Erst wurde Ex-Premier Viktor Juschtschenko vergiftet, nun musste auch Premier Viktor Janukowitsch nach einer Eierattacke mit einer Kopfverletzung ins Krankenhaus eingeliefert werden. Aber Verletzungen scheinen populär zu machen.
Vor etwa zwei Wochen musste Juschtschenko wegen akuter Magenschmerzen zur Behandlung nach Österreich fliegen. Die genaue Ursache der Schmerzen fanden die Ärzte nicht heraus, der Kandidat selbst behauptet, vergiftet worden zu sein.
Der anfängliche Spott seiner Gegner, Juschtschenko solle weniger trinken, ist erstickt, nachdem Juschtschenko in die Ukraine zurückgekehrt ist. Der als attraktiv geltende Politiker hat nun ein aufgedunsenes Gesicht, seine Augen sind getrübt und er hat Schwierigkeiten beim Reden.
Sein Auftritt im ukrainischen Parlament, der Rada, machte großen Eindruck: Er fragte seine Kontrahenten, wer ihn denn in den letzten 20 Jahren betrunken gesehen habe und erntete verlegenes Schweigen. Sein Wahlstab beschuldigt die derzeitigen Machthaber, Juschtschenko vergiftet zu haben.
Möglicherweise sei er bei einem Gespräch mit dem Chef des ukrainischen Geheimdienstes SBU, Igor Smeschko, vergiftet worden, teilte Juschtschenkos Wahlkampfchefin, Irina Geraschtschenko mit. Juschtschenko habe an einem Cognac genippt. Kurze Zeit später sei ihm schlecht geworden.
Auch wenn die politischen Gegner Juschtschenkos versuchen, die Vergiftung als möglichen Wahlkampftrick des Hauptoppositionskandidaten zu diskreditieren, seine Chancen auf einen Wahlsieg Ende Oktober sind derzeit sehr hoch. Sein Rating stieg nach der Giftattacke deutlich an.
Kopfschmerzen beim Premier
Ob ein ähnlicher Effekt bei Janukowitsch einsetzt, wird sich zeigen. Der Premier war in der Westukraine auf Wahlkampftournee, als ihn wütende Juschtschenko-Anhänger in der Stadt Iwano-Frankowsk mit Eiern bewarfen. Nach Angaben seines Wahlkampfstabes befand sich jedoch auch ein harter Gegenstand unter den Wurfgeschossen. Dieser traf Janukowitsch am Kopf, worauf der das Bewusstsein verlor.
Erst im Krankenhaus kam er wieder zu sich. Seinen Wahlkampf in der Westukraine will der Premier trotz der Attacke fortsetzen. Immerhin ein gutes hat die Sache für ihn: Den Mitleidsfaktor muss sich Juschtschenko nun mit Janukowitsch teilen.
In beiden Fällen leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen ein. Während der Eierwerfer, ein 17jähriger Student, jedoch schon gefasst ist, bleibt die Giftaffäre weiterhin im Dunklen.
(ab/.rufo)
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