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Russische S-300 und S-400 Abwehrraketensysteme könnten Teil einer asymetrischen Reaktion auf amerikanischen Druck sein (Foto: Archiv/Tass)
Russische S-300 und S-400 Abwehrraketensysteme könnten Teil einer asymetrischen Reaktion auf amerikanischen Druck sein (Foto: Archiv/Tass)
Mittwoch, 12.11.2008

Vor Medwedew-Obama-Treffen: Raketenlieferung für alle?

Moskau. Außer Stationierung bei Kaliningrad könnte Russland Iskander-Raketen als Antwort auf US-Raketenpläne auch nach Weißrussland liefern. Und S-400 Raketen nach Arabien. Aber Medwedew will lieber eine Einigung mit Obama.

Im Vorfeld des ersten Obama-Medwedew-Treffens am kommenden Wochenende in Washington, plaudert der Chef der russischen Waffenexportbehörde in Moskau aus, wohin Russland seine besten Waffen noch liefern könnte (natürlich erst, nachdem das russische Militär selbst ausreichend damit eingedeckt ist).

Nikolai Dimidjuk, Chef der staatlichen Exportbehörde RosOboronExport sagte bei einem Treffen mit Journalisten in Moskau, Iskander-Raketen könnten durchaus auch nach Weißrussland geliefert werden – von wo aus sie auch die US-Raketenabwehranlagen in Polen erreichen könnten. Es gebe keine Beschränkungen für Waffenlieferungen nach Weißrussland, sagte Dimidjuk.

Iskander-Raketen könnten von Kaliningrad und Weißrussland aus die US-Anlagen erreichen


Wladimir Putin und der russische Generalstab hatten bereits mehrfach erklärt, Russland könne die mobilen Boden-Boden-Raketensysteme nach Weissrussland liefern, wenn die USA an ihren Stationierungsplänen in Polen und Tschechien festhalten würden.

Iskander-Raketen in der jetzigen Modifikation haben eine Reichweite von 300 km, können aber auf 500 km aufgewertet werden. Mittelstreckenraketen mit Reichweiten von 500 bis 5.000 km sind nach russisch-amerikanischen Abrüstungsabkommen verboten.

Bei Russland-Aktuell
• Putin will Russlands Positionen in Kuba wiedergewinnen (04.08.2008)
• Neuer Rüstungswettlauf USA –Russland droht (15.02.2007)
• Auch Syrien will russische Raketen aufstellen (20.08.2008)
• Putin besucht zum ersten und letzten Mal Libyen (15.04.2008)
• Russische Raketen schützen Irans Atomprogramm (27.12.2007)
Wenig Freude im Pentagon dürfte auch die Ankündigung auslösen, S-400 oder S-300 Abwehrraketensysteme an verschiedene arabische Länder zu liefern. Es lägen bereits einige Anfragen aus diversen Ländern vor, sagte Waffenexport-Chef Dimidjuk in Moskau.

Bekannt sind Verhandlungen über die Lieferung von S-300 Abwehrraketen an den Iran und Syrien, die in den USA und Israel heftige Proteste auslösten. Bei seinem jüngsten Besuch in Moskau soll der syrische Präsident Assad sich auch Iskander-Raketen gewünscht haben. Auch mit Revolutionsoberst Muamar Ghadaffi wurde darüber gesprochen.

S-300 und S-400 sind effektiver als Patriot


Die mobilen S-300, vor allem aber die S-400 Raketenabwehrsysteme gelten als mindestens so effektiv wie die Patriot-Abfangraketen, mit denen die Nato und ihre Verbündeten ausgerüstet sind.

Russland demonstriert so, dass es durchaus das Potential für eine asymetrische Antwort auf amerikanischen Druck und Nato-Ausweitung hat.

Besser als Raketenexport in alle Himmelsrichtungen wäre für alle ein neuer Eurasischer Sicherheitsvertrag


Zugleich wird in Moskau aber immer wieder betont, dass man zu all diesem nur gezwungen werde. Vor allem sei man daran interessiert, sich mit der neuen US-Administration auf kooperative Formen zu einigen – ohne US-Raketenanlagen in Polen und Tschechien.

Insofern sind die Raketen-Liefermeldungen aus Moskau nur eine Bekräftigung der MedwedewInitiative eines neuen eurasischen Sicherheitspaktes. Nach dem ersten Treffen Medwedews und Obamas werden wir klarer sehen.



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