Dukwacha Abdurachmanow - Parlamentsvorsitzender aus Grosny (Foto: parlamentchr.ru)
Mittwoch, 12.08.2009
Tschetschenien: Untergrund und Grosny einigen sich
London/Grosny. Spitzenvertreter der offiziellen, moskauorientierten Regierung aus Grosny und Exilpolitiker der Untergrundrepublik Itschkeria haben in London vereinbart, einen "Weltkongress der Tschetschenen" zu veranstalten.
Wenn der "Weltkongress der Tschetschenen" unter Beteiligung aller wichtigen Fraktionen tatsächlich zustande kommt, wäre damit fast schon ein neuer Frieden für Tschetschenien näher gerückt. Der tschetschenische Untergrund ist allerdings in der Frage gespalten, ob sich islamistische Fundamentalisten mit den "Moskautreuen" an einen Tisch setzen können.
An dem Londoner Treffen waren der Präsident der Rebellenrepublik Itschkeria, Achmed Sakajew und viele andere Vertreter des tschetschenischen Exils einerseits und der Vorsitzende des tschetschenischen Parlamentes aus Grosny, Dukwach Abdurachmanow andererseits vertreten, der im Autrag des tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow auftrat.
Mit dem heutigen Londoner Treffen wurden Verhandlungen von Ende Juli in Oslo fortgesetzt.
Akzeptiert auch der Untergrund inzwischen die Zugehörigkeit Tschetscheniens zu Russland?
Auf einer Pressekonferenz nach dem heutigen Treffen in London (dem Exil-Wohnort Sakajews und zahlreicher anderer Tschetschenen) erklärte Abdurachmanow, man sei sich einig geworden, dass ein tschetschenischer Weltkongress zur "Einheit und Konsolidierung der tschetschenischen Gesellschaft" beitragen würde, "unabhängig davon, in welchen Ländern die Kongressteilnehmer auch wohnen".
Dabei müsse man allerdings davon ausgehen, sagte Abdurachmanow, dass Tschetschenien unabtrennbarer Teil der Russischen Föderation sei und dass die Bevölkerung Tschetscheniens die Verfassung der russischen Teilrepublik in einer Volksabstimmung angenommen habe.
Rückkehr der Untergrundpolitiker nach Grosny?
Der Parlamentsvorsitzende aus Grosny erklärte auch, Sakajew und andere Exil-Tschetschenen könnten nach Tschetschenien zurückkehren und ihren Platz dort finden. Dies sei Wunsch Kadyrows und des Volkes.
Verhandlungspartner Sakajew steht noch auf Fahndungslisten
Der ehemalige Schauspieler Achmed Sakajew, der als populärer Feldkommandeur massgeblichen Anteil an der Eroberung Grosnys durch die Aufständischen 1996 und an der Verteidigung der Stadt 2000 hatte, steht seit acht Jahren auf den russischen Fahndungslisten.
Moskau bemühte sich um vergeblich seine Auslieferung aus London. Die Beteiligung Sakajews an einem Kongress in Kopenhagen führte zu einer tiefen Krise in den dänisch-russischen Beziehungen, weil Dänemark sich weigerte, den Exilpolitiker auszuliefern.
Gemischte Gefühle in Moskau, wenn die Rebellen zurückkommen
Die sich anbahnende Einigung zwischen Grosny und dem Untergrund wird von manchen Beobachtern in Moskau auch mit gemischten Gefühlen gesehen.
Gegenüber dem offiziellen Präsidenten Ramsan Kadyrow hegt man immer noch den Verdacht, er strebe insgeheim doch eine De-Facto-Unabhängigkeit Tschetscheniens an. Tatsächlich können Kadyrow und die Tschetschenen in Grosny inzwischen fast ganz frei von Moskauer Kontrolle schalten und walten - beteuern aber auf Schritt und Tritt ihre Treue zu Putin und Medwedew.
Der Vater Ramsan Kadyrows, Achmed-Hadschi Kadyrow gehörte in seiner Zeit als Mufti von Grosny genauso wie Achmed Sakajew zum Rebellenuntergrund unter Dudajew und Maschadow. Erst später trennten sich die Wege und Kadyrow wurde erster moskautreuer Präsident Tschetscheniens.
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