Sulim Jamdajew - im Exil in Dubai erschossen (Foto: RIAN)
Montag, 30.03.2009
Tschetschenischer Ex-Feldkommandeur von Killer getötet
Dubai/Moskau. Der ehemalige tschetschenische Feldkommandeur Sulim Jamadajew ist tatsächlich gestorben, teilt dessen Familie aus Tschetschenien mit. Die zwei wichtigsten Widersacher des amtierenden Präsidenten Kadyrow sind damit tot.
Sulim Jamadajew, der am vergangenen Samstag vor seiner Wohnung im arabischen Dubai niedergeschossen worden war, sei im Krankenhaus verstorbern, teilen seine Angehörigen mit.
Am Montagvormittag war noch vermutet worden, dass möglicherweise nicht Jamadajew selbst, sondern ein Leibwächter erschossen worden sein könnte.
Mit Sulim Jamadajew und dem im vergangenen Jahr in Moskau ermordeten Rusland Jamadajew sind damit die wichtigsten Widersacher des amtierenden tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow tot, die aber eigentlich nicht zum tschetschenischen Untergrund gehörten, sondern wesentlich zum Sieg Moskaus im Bürgerkrieg beigetragen hatten. Beide Brüder waren Träger des Ordens "Held Russlands".
Die beiden Brüder Jamdajew waren Kommandeure der rein tschetschenischen Sondereinsatzbataillone "Ost" und "West", die direkt dem Militärgeheimdienst des russischen Generalstabes unterstanden. Die beiden Bataillone waren die effektivsten Einheiten im Kampf gegen Untergrundgruppen, weil sie im wesentlichen aus Kämpfern bestanden, die noch im ersten Tschetschenienkrieg selbst auch gegen Moskau gekämpft hatten - wie auch Achmed-Hadschi Kadyrow, Vater des jetzt amtierenden Präsidenten Ramsan selbst.
Die Jamadajew-Brüder brachten die Kadyrows an die Macht
Im zweiten Tschetschenienkrieg ab 1999 stellten sich aber Achmed Kadyrow und die Jamadajews auf die Seite Moskaus. Sie sorgte dafür, dass sich die zweitgrösste tschetschenische Stadt Gudermes kampflos den russischen Truppen ergab. Die Kampfgruppen der Brüder Jamadajew brachten Achmed Kadyrow als ersten moskauorientierten, tschetschenischen Präsidenten in Grosny an die Macht.
Nachdem Achmed Kadyrow bei einem Attentat getötet worden war, zerstritten sich dessen Sohn und Nachfolger Ramsan und die Brüder Jamadajew.
Schiesserei zwischen den Leibwächtern der verfeindeten Familienclans
Im April 2008 kam es in Gudermes zu einer Schiesserei zwischen den Leibwächtern Kadyrows und Jamadajews, weil man sich nach einem Verkehrsunfall nicht einigen konnte, wer wem die Fahrbahn freizumachen hätte.
Die beiden Bataillone "Ost" und "West" wurden durch das Moskauer Verteidigungsministerium aufgelöst.
Kurze Zeit später wurde das Haus der Jamadajews in Gudermes niedergebrannt. Ruslan Jamadajew, der auch Duma-Abgeordneter gewesen war, wurde bereits am 24.September 2008 in Moskau bei einem Attentat im Stadtzentrum erschossen. Ruslan und Sulim Jamadajew sahen sich zum Verwechseln ähnlich.
Kadyrow will die Untergrundkämpfer ein- und unterordnen
In den vergangenen Monaten hatte Ramsan Kadyrow an ehemalige Untergrundkämpfer im Exil wie Achmed Sakajew und andere appelliert, nach Tschetschenien zurückzukehren und am Wiederaufbau Grosnys teilzunehmen. Einige folgten diesem Aufruf auch.
In Österreich lebende Exil-Tschetschenen beschuldigen Kadyrow und seine Regierung allerdings, nicht folgsame Landsleute wie den im Januar in Wien getöteten Umar Israilov auch im Ausland ermorden zu lassen.
Erst in der vergangenen Woche hatte Präsident Dmitri Medwedew angeordnet, das in Tschetschenien immer noch herrschende Sonderregime aufzuheben.
Tschetschenien bekommt unter Kadyrow damit u.a. wieder das Recht, Zollabfertigung für Importe selbst durchzuführen. Der Flughafen der Stadt Grosny kann wieder aus dem Ausland angeflogen werden - erstmal seit der Zeit des Generals Dudajew. Tatsächlich geht auch der Wiederaufbau der Stadt Grosny erstaunlich schnell voran.
Allerdings: es gibt in Moskau Skeptiker, die warnend darauf verweisen, dass der junge Kadyrow nicht nur in Tschteschenien selbst nach Belieben allzu frei schaltet und waltet, sondern sich auch ausserhalb Tschetscheniens ausbreitet. In gewisser Weise ähnele diese Situation sogar der Lage vor dem Bürgerkrieg.
Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.
Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare
Sicherheitsabstand sieht anders aus. Aber wenn an der Peter-Pauls-Festung in St. Petersburg der Rundflug-Helikopter startet und landet, sind Zuschauer immer ganz nah dabei. Sobald sie allerdings der Rotorwind samt Staubwolke erfasst, haben die Neugierigen wieder etwas Nützliches fürs Leben gelernt. (Topfoto: Deeg/.rufo)