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Wer erntet den größten Kürbis? Auf der Datscha wird natürlich auch der Kleingärtnerehre gefrönt (Foto: Ballin/.rufo)
Wer erntet den größten Kürbis? Auf der Datscha wird natürlich auch der Kleingärtnerehre gefrönt (Foto: Ballin/.rufo)
Donnerstag, 05.05.2011

Datscha sichert den Russen Überleben und Auskommen

Moskau. Zurück zu den Wurzeln: Im Mai beginnt die Datscha-Saison. Millionen Städter zieht es aufs Land, Russland wird wieder zum Agrarland Die Datscha dient nämlich nicht nur der Erholung, sondern ist auch Produktionsort.

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit: Am Wegesrand stehen bereits jetzt die ersten „Babuschkas“, alte Frauen, die frisches Grünzeug feilbieten, um damit ihre kärgliche Rente aufzubessern. Im kleinen Gewächshaus auf der Datscha haben sie den gefrorenen Boden mit heißem Wasser aufgetaut und die ersten zarten Sonnenstrahlen für den Anbau von Lauchzwiebeln, Dill und Petersilie genutzt.

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Im Mai beginnt die Datscha-Saison


Später werden sie auch Blumen, Äpfel, Kartoffeln und Beeren anbieten. Doch später bekommen sie auch Konkurrenz. Und zwar gleich von Millionen Russen. Zu den Maifeiertagen (neben dem 1. Mai feiern die Russen auch den 9. Mai als Tag des Sieges) beginnt traditionell die Datscha-Saison in Russland.

In den kurzen Sommermonaten verwandeln sich die Russen wieder in Bauern und schuften im Schweiße ihres Angesichts auf dem Feld – trotz einer Urbanisierungsrate von 75 Prozent.

Datscha der Traum vom Glück


Schon zu Sowjetzeiten war die Datscha, das Häuschen im Grünen, der ganz persönliche Traum vom Glück für die meisten Russen. Reisen ins Ausland gab es damals noch nicht. Aber auch die neue Generation zieht es aufs Land.

Laut Statistik verfügt jeder dritte Moskauer Haushalt über eine Datscha, in den meisten Provinzstädten liegt der Anteil bei etwa 25 Prozent.

Schaschlik im Grünen ist eine der Datscha-Freuden, allerdings besteht das Leben auf der Datscha auch aus viel Arbeit (Foto: Ballin/.rufo)
Schaschlik im Grünen ist eine der Datscha-Freuden, allerdings besteht das Leben auf der Datscha auch aus viel Arbeit (Foto: Ballin/.rufo)

Zwischen Schaschlik und harter Feldarbeit


Während die neue gehobene Mittelschicht sich heute beim Schaschlik auf ihrem englischen Rasen von den Strapazen der Woche erholt, bedeutet die Datscha für den Großteil der Bevölkerung Arbeit. Bis zum September sind sie im ununterbrochenen Pflanz- und Ernteeinsatz.

Nach Angaben des Meinungsforschungsinstituts WZIOM nutzen 69 Prozent der Russen die Datscha als Produktionsstätte für den Eigenbedarf an Lebensmitteln. Im Krisenjahr 2009 waren es sogar 81 Prozent.

Kleingärtner als wichtigste Gemüseproduzenten Russlands


Laut Andrej Tumanow, dem Chef des Verbands der Moskauer Gärtner wäre die Lebensmittelsicherheit Russlands ohne die Kleingärtner nicht gewährleistet. Sie produzierten zwar kein Getreide, seien aber für die Obst- und Gemüseversorgung unabdingbar. „So versorgen die Datschenbewohner das Land mit 90 Prozent der Kartoffeln“, sagte Tumanow. Insgesamt stammt mehr als die Hälfte von frischem Obst und Gemüse in Russland aus dem Kleingarten.

Obst, vor allem Äpfel und Beeren, werden eingeweckt oder zu Saft verarbeitet. Gerade in den Kleinstädten legen sich die Bewohner Vorräte für den Winter an. Die Angewohnheit stammt aus den wilden 90er Jahren, als der Staat praktisch pleite war und Lehrer, Beamte oder Rentner monatelang nicht ausbezahlt wurden. In der Zeit war die Datscha der Rettungsanker.

Datscha während der Krise hochwillkommen


Doch auch das Kurzzeitgedächtnis der Russen hat noch ein paar unschöne Erinnerungen parat: Dass die fetten Jahre abrupt enden können, mussten die Russen unlängst wieder während der Finanzkrise erfahren. Es war kein Zufall, dass die Arbeitslosenzahl damals ausgerechnet im Sommer zurückging.

Viele Russen haben lieber auf der Datscha gearbeitet als in den Fluren der Arbeitsämter zu warten. Inzwischen ist die Krise vorbei, doch die Russen werden wieder Obst und Gemüse auf der Datscha anpflanzen. Das ist gesund und „schmeckt auch besser“. Soviel wissen sie sicher.



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