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In 38 Meter Höhe ist sogar der Blick aufs Weiße Meer möglich (Foto: Paschkowa/.rufo)
In 38 Meter Höhe ist sogar der Blick aufs Weiße Meer möglich (Foto: Paschkowa/.rufo)
Donnerstag, 23.11.2006

Holzhochhaus am Weißen Meer ist Guinessbuch-verdächtig

Anna Paschkowa, Archangelsk. Am Weißen Meer im Norden Russlands steht ein Holzhaus, das eine Eintragung ins Guinness-Buch wert ist. Das 38 m hohe Bauwerk in Archangelsk ist ohne einen einzigen Nagel gebaut worden.

Nikolai Sutjagin heißt der Hausbesitzer und –erbauer des 13geschossigen Gebäudes. Eigentlich hat sein Wohnhaus nur zwei Stockwerke, die restlichen elf Etagen bilden eine viel dekorierte Mansarde, die dem Besitzer einen Blick auf das Weiße Meer ermöglicht und ihm so einen lange gehegten Traum erfüllt.

Nikolai Sutjagin ist in einem Außenbezirk der Stadt aufgewachsen. In den 90er Jahren wurde er zum mittelständischen Unternehmer mit einer kleineren Holzverarbeitungsfirma. So begann er 1995 mit dem Bau seines Privathauses.

Immer höher und höher baute Sutjagin sein Schloss (Foto: Paschkowa/.rufo)
Immer höher und höher baute Sutjagin sein Schloss (Foto: Paschkowa/.rufo)
Das ursprünglich geplante normale Dach für sein 9x13 Meter großes Haus gefiel ihm nicht und der praktizierende Architekt hat dem Projekt einige Schmuckelemente hinzugefügt. Die höhere und zugespitzte Mansarde und die kleinen Türme darauf verwandelten sein Haus in ein Gotikschloss. Dann bekam die russische Seele Sutjagins Flügel und er baute sein Haus immer schöner und höher.

Wie Sutjagin auf die Idee gekommen ist, sich solch ein Schloss zu bauen, kann er selbst nicht erklären. Die viel zitierte „rätselhafte russische Seele“ prägte schon immer die Bewohner des Landes, wo man nach dem „Warum“ selten fragt. Die Wissenschaftler nennen den Baustil „typisch russisch“ und haben in dem Haus von Nikolai Sutjagin ein altes Bauprojekt. des russischen Architekten Suslow aus dem 19 Jahrhundert wiedererkannt. „Der Wunsch des Menschen nach Freiraum und Höhe sitzt seit Jahrhunderten in jedem russischen Menschen, besonders im Norden“, bestätigt der Archangelsker Historiker Juri Baraschkow, der durch seine Forschung alter Holzbauten bekannt ist.

Einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde wert


Auf der internationalen Konferenz „Holzbau in den Städten des Nordens“ 1997 im norwegischen Trondheim hat das Wohnhaus Nikolai Sutjagins großes Aufsehen erregt und es wurde über seine Eintragung ins Guinnessbuch als höchster Holzbau der Welt diskutiert. Die Voraussetzungen erfüllt das Gebäude sicherlich, doch bisher ist der Besitzer aus Zeitmangel einfach nicht dazu gekommen, die notwendigen Unterlagen einzureichen.

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Die Reaktion aus dem Stadtamt von Archangelsk gegenüber Sutjagin und seinen Bauplänen war freilich eher zynisch. Die Behörden behaupteten, dass das Haus gegen die Bauvorschriften errichtet worden sei. Nach den veralteten „Baunormen und Regeln“ aus der Sowjetzeit, die in Russland noch immer nicht aktualisiert sind, dürfen Holzhäuser aus Brandschutzgründen nicht mehr als zwei Stockwerke haben. Die Behörden meinten, das „komische Wohnhaus“ verderbe das Gesicht der Stadt und wollten es abreißen

Öffentlichkeit verteidigt das Gebäude gegen Bürokratenwillkür


Aber die Öffentlichkeit und die Wissenschaftler haben das Holzschloss verteidigt. „Es geht hier nicht nur um das interessanteste Bauwerk im heutigen Archangelsk, sondern um ein in der ganzen Welt einmaliges Holzhaus“, argumentierten die Unterstützer. Im heutigen Archangelsk sind sehr wenige wertvolle Holz- und Steinbauten erhalten geblieben, weil alle alten Häuser des hier lebenden Pomorenvolkes Anfang des 20. Jh abgerissen worden waren. Sowjetische Plattenbauten stehen an ihrer Stelle in Archangelsk und haben dem Gesicht der Stadt viel mehr geschadet, als das Holzschloss Sutjagins.

Die ursprünglichen Pomoren im Norden waren immer frei und wurden von niemandem unterdrückt, was die Denkweise beeinflusst und dem Geist der Menschen viel Freiraum gelassen hat, z.B. für solch außergewöhnlich schöne Ideen, wie den Bau eines „Holzwolkenkratzers“ in Archangelsk.


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