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Nach einem Jahrhundert sind nur noch wenige damals gefällte Bäume zu finden (Foto: tunguska.ru)
Nach einem Jahrhundert sind nur noch wenige damals gefällte Bäume zu finden (Foto: tunguska.ru)
Samstag, 28.06.2008

Vor 100 Jahren: Der Weltuntergang an der Tunguska

St. Petersburg. Am 30. Juni 1908 kam die Menschheit noch mal mit dem Schrecken davon: In Ostsibirien, über einer der am dünnsten besiedelten Gegenden des Globus, explodierte ein großer Meteorit. Oder etwas anderes?

In Wanawara, einem weltabgeschiedenen Dorf mitten in den endlosen Wäldern Ostsibiriens, wird dieser Tage groß gefeiert. Mit ewenkischen Tänzen und der Einweihung eines Denkmals begeht man fröhlich den 100. Jahrestag des bis heute rätselhaften „Tunguska-Ereignisses“. Und das, obwohl es den Vorvätern der heutigen Bewohner am 30. Juni 1908 den größten Schrecken ihres Lebens einjagte.

Um 7.43 Uhr morgens war in Wanawara die Welt plötzlich überhaupt nicht mehr in Ordnung: Aus heiterem Himmel erhob sich ein schreckliches Brausen, dann folgte ein Donnerschlag, Erdstöße rüttelten das Dorf durch, und „ein unterirdisches Grollen wie von zehn Eisenbahnzügen gleichzeitig“ war zu hören. Von einer Druckwelle wurden Türen und Fenstern aller Häuser eingedrückt.

Feurige Wirbelwinde verdrehten diesen Baum an der Tunguska (Foto: tunguska.ru)
Feurige Wirbelwinde verdrehten diesen Baum an der Tunguska (Foto: tunguska.ru)

Halb Sibirien sah das Ende der Welt nah


„Alle Dorfbewohner rannten auf die Straße, die Weiber weinten, alle dachten, der jüngste Tag ist gekommen“, so ein Bericht der Zeitung „Sibir“ zwei Wochen später – der allerdings die Ereignisse in einem Dorf in gut 400 Kilometer Entfernung schildert.

In vielen Ortschaften Ostsibiriens hatten man an diesem Morgen erst ein von Süden her über den Himmel rasendes flammendes Objekt gesehen – und später weit am Horizont eine ungewöhnliche, strahlende Wolke. „Als er der Erde näher kam, löste sich der leuchtende Körper geradezu auf, an seiner Stelle bildete sich eine gewaltige schwarze Rauchwolke und es war ein außerordentlich heftiges Hämmern (kein Donner) zu hören, wie als würden große Steine herabfallen oder Kanonen feuern“, hieß es in der Irkutsker Zeitung.

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Älteste und wichtigste Theorie: Ein Meteorit


Aufgeklärte Zeitgenossen gingen schon damals davon aus, dass man Zeuge eines großen Meteoriten-Absturzes geworden war. Dass zunächst keine Überreste des Himmelskörpers gefunden wurden, war angesichts der Weite und Wegelosigkeit Sibiriens nicht ungewöhnlich. Erst 1921 machte sich erstmals der Forscher Leonid Kulik auf, um die Spuren wissenschaftlich zu sichten.

Noch 13 Jahre später bot sich an den Ufern der Steinigen Tunguska ein Bild der Verheerung: Auf über 2.000 Quadratkilometer Fläche waren bis zu 80 Millionen Bäume umgerissen worden, zum Teil auch grotesk verdreht und verbrannt.

Ein Fläche so groß wie Luxemburg verwüstet


An anderer Stelle des Globus hätte dieser „Weltuntergang“ mit der Sprengkraft von 1.000 Hiroshima-Atombomben ganze Kleinstaaten oder Metropolen vernichten können – im Ewenken–Gebiet starb nur ein einziger Hirte, der gegen einen Baum geschleudert wurde. Doch fand Kulik weder einen Einschlagkrater noch Fragmente des abgestürzten Boliden.

Dieser Umstand führt dazu, dass bis heute noch immer vorsichtig vom „Tunguska-Ereignis“ die Rede ist. Mehrheitlich hält die wissenschaftliche Welt aber inzwischen einen Meteoriten-Absturz für bewiesen.

Kleiner Stein - große Wirkung


Nach dieser Theorie muss ein massiver Himmelskörper von nur 30 bis 80 Meter Durchmesser durch die enorme Reibungshitze in der Atmosphäre in fünf bis zehn Kilometer Höhe explodiert und geradezu verdampft sein. Ein Großteil der Zerstörungen, so neue Erkenntnisse von US-Forschern, wurde dabei nicht durch die Explosion selbst, sondern durch heiße Luftströme („Jet“) verursacht.

Der Tschako-See - möglicherweise doch ein Einschlagskrater an der Tunguska (Foto: tunguska.ru)
Der Tschako-See - möglicherweise doch ein Einschlagskrater an der Tunguska (Foto: tunguska.ru)
Forscher aus Bologna sind inzwischen überzeugt, dass ein acht Kilometer vom EPI-Zentrum entfernter See doch der Einschlagkrater eines Fragments ist. Gefunden hat man im sibirischen Sumpfboden allerdings bisher höchstens mikroskopisch kleine Metalltröpfchen, die offenbar aus dem Weltall stammen.

Oder war es eher ein Rülpser der Erde?


Solange nicht irgendwann ein handfestes Trümmerstück ausgegraben werden kann, dürften wohl weiter Theorien über ganz andere Ursachen umgehen. Sie reichen vom Explodieren einer ausgetretenen Erdgas-Blase über tektonische Phänomene und einem von Sonnenwinden verursachten gewaltigen Kugelblitz bis weit hinein in die Science-Fiction: Es könnte ja auch der Absturz eines Raumschiffes von Außerirdischen, der Einschlag eines „Schwarzen Loches“ oder gar geheimnisvoller Antimaterie gewesen sein.

Die originellste Version ist jedoch wieder irdisch: Dem damals in den USA wirkenden Elektrotechnik-Pionier Nikola Tesla sei ein obskures Experiment mit Energiestrahlen entgleist.

In Wanawara freut man sich unterdessen über die Jubiläums-Gäste: Wissenschaftler und Fernsehteams aus aller Welt werden erwartet. In der Kernzone der einstigen Zerstörungen, etwa 65 Kilometer entfernt, wurden eigens zwei Helikopter-Landeplätze eingerichtet. Katastrophentourismus ist hier jetzt durchaus willkommen.

Und etwas Mystik schadet da ja nicht.



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