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Die Moskauer Fashion Week ist immer auf der Suche nach guten Models (Foto: Brixa/.rufo)
Die Moskauer Fashion Week ist immer auf der Suche nach guten Models (Foto: Brixa/.rufo)
Donnerstag, 08.03.2007

Model-Business in Russland – Traum oder Albtraum?

André Ballin, Moskau. Jahr für Jahr kommen Tausende junge Frauen nach Moskau, um die russische Hauptstadt mit ihrer Schönheit zu erobern. Doch der Weg zur Modell-Karriere ist steinig und mitunter gefährlich.

Weil die Devise „Sex sells“ in Ost wie West gleichermaßen gilt, sind schöne Frauen-Models nach Öl und Gas eines der gefragtesten Exportgüter Russlands. Das Sprungbrett in den Westen ist Moskau, denn hier gibt es bereits einen großen Markt für Models

Hochglanzjournale und Werbung an Models interessiert


Zum einen sind da die Hochglanzjournale zu nennen, die inzwischen reißenden Absatz finden. Ob Glamour, Cosmopolitan oder die rein russischen „Krestjanka“ („Bäuerin“) und „Krasota i sdorowje“ („Schönheit und Gesundheit“); sie alle haben eine hohe Auflage und sind auf der Suche nach hübschen Gesichtern und schlanken Körpern, um Kosmetik, Mode oder Diäten anzupreisen. „Nur etwa ein Drittel unserer Seiten besteht aus der Übersetzung des amerikanischen Originals, den Rest machen wir selbst“, verrät Igor Kompaniets, Redakteur bei der russischsprachigen Ausgabe des Glamour.

Stark geschminkt - Fotomodel bei der Fashion Week (Foto: Brixa/.rufo)
Stark geschminkt - Fotomodel bei der Fashion Week (Foto: Brixa/.rufo)
Neben den Hochglanzjournalen ist auch die Reklame-Industrie selbst auf der Suche nach den passenden Models. Das Wirtschaftswachstum der letzten Jahre hat der Branche einen Umsatz zwischen 4 – 4,5 Mrd. USD beschert. Der größte Teil davon kursiert in Moskau und so ist die russische Hauptstadt auch zu einem Mekka für Model-Agenturen geworden, die quasi als „Zulieferer“ der Werbe-Industrie dienen.

Viele Model-Agenturen, aber wenig Qualität


Rund 150 Model-Agenturen gibt es in Moskau. Sie alle versprechen den Mädchen, sie zu einer neuen Vlada Roslyakova oder Elena Rosenkova zu machen. Viele bieten so genannte „Model-Schulen“ an, auf der die Mädchen das Defilieren, ein Rhythmusgefühl, Schminken und sogar das Einmaleins der Schauspielkunst lernen sollen. Der zwei – dreimonatige Kurs kostet zwischen 400 – 700 USD und ist in der Regel einfach nur ein Mittel, um die hoffnungsfrohen Bewerberinnen abzukassieren.

Nastja ist eine der wenigen, die Glück gehabt und den Absprung in den Westen geschafft haben. Mehrere Jahre lebte sie in Frankreich und arbeitete für die Modelagentur Major. Vor sechs Jahren begann sie ihre Karriere und kann so ganz gut vergleichen. Auch in Frankreich sei nicht alles großartig gewesen, sagt sie. Gerade einmal 35 Prozent der Einnahmen seien ihr geblieben, nachdem Steuern und Agentur ihren Anteil genommen haben.

Bescheidenes Salär für harte Arbeit


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Freilich hat sie dort immer noch wesentlich mehr verdient als in Moskau, wo die Agenten „bescheidene“ 20 – 30 Prozent nehmen. Trotzdem ist sie zurückgekehrt – Heimweh. Ihre Model-Karriere lässt sie ausklingen „In Russland gibt es zu wenig echte Profis in dem Geschäft. Es gibt keine Producer und auch gute Fotografen sind eine Seltenheit“, sagt sie. Nun will sie sich selbst als Fotografin versuchen.

Russland-Aktuell Dossier
Mode und Models in Russland
Dies ist sicher ein Karrieresprung, denn ein guter Fotograf kann bei einem Shooting für ein Hochglanzjournal auch in Russland auf mehrere Tausend USD kommen, während selbst erfahrenere Models lediglich zwischen 100 – 150 USD abzüglich der Vermittlungsgebühren bei einer Fotosession verdienen. Ein kärglicher Lohn für die anstrengende Arbeit, denn natürlich gibt es solche Fototermine bei weitem nicht jeden Tag.

Drogenkonsum und Prostitution bis heute verbreitet


Außerdem kommt das Business nur langsam aus der Verflechtung mit der organisierten Kriminalität heraus, in das es bis vor einigen Jahren tief verstrickt war. Fälle brutaler Gewalt sind glücklicherweise in der jüngsten Vergangenheit weniger geworden. Doch immer noch sind Prostitution und Drogenkonsum weit in der Branche verbreitet. Den eigenen Körper zu verkaufen scheint vielen Mädchen ein einfacher Weg, um schnell an Geld zu kommen. „90 Prozent der Models sind Prostituierte“, ist Swetlana überzeugt, die früher einmal als Scout für eine österreichische Model-Agentur auf dem Boden der GUS gearbeitet hat.

Ganz so hoch sei der Prozentsatz nicht, widerspricht Igor Kompaniets, gibt aber zu, dass die Branche nach wie vor von Prostitution, Drogen und Kriminalität begleitet sei. Dies sei aber in der Regel von den so genannten Model-Agenturen mitverschuldet.

Mädchen oft zur Prostitution gedrängt


„Da kommt ein 16jähriges naives Mädchen in eine Agentur und ihr wird gesagt: Wir haben im Moment keinen Platz hier, aber Sie können in einem exotischen Klub in Hainan auftreten.“ Das Mädchen, dass glaubt, nur so eine Chance zu haben, später genommen zu werden, stimmt zu. Dabei wurde noch nicht einmal groß verheimlicht, dass es sich um Prostitution handelt.“

Andere Agenturen haben sich mehr oder weniger offen auf Kuppelei verlegt. Die Mädchen würden in einen Klub geführt, wo sie sich dann mit älteren wohlhabenden Männern bekannt machen könnten, berichtet Kompaniets. Die Models seien tatsächlich oft zufrieden damit, die Agenturen machen ebenfalls ihren Schnitt. Nach Angaben der Tageszeitung „Nowye Iswestija“ ist der Umsatz der in den so genannten „Export-Dienstleistungen“ erbracht wird, bis heute um eine Vielfaches höher als im eigentlichen legalen Model-Business.


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