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Erst Mordaschow, nun Abramowitsch: Russische Oligarchen auf dem Vormarsch in Europas Stahlbranche (Foto: Archiv)
Erst Mordaschow, nun Abramowitsch: Russische Oligarchen auf dem Vormarsch in Europas Stahlbranche (Foto: Archiv)
Donnerstag, 01.06.2006

Abramowitsch geht ins Stahlbusiness

Moskau. Erst hatte die Fusion zwischen Arcelor und Severstal die Stahlbranche auf den Kopf gestellt. Nun will auch noch der russische Oligarch Abramowitsch ins Stahlgeschäft. Er plant eine britisch-russische Fusion.


Nach Angaben der russischen Wirtschaftszeitung „Kommersant” verhandelt Roman Abramowitsch mit dem russischen Stahlproduzenten Evraz über einen Einstieg. Evraz bestätigte entsprechende Verhandlungen, wollte aber keine Angaben darüber machen, wie groß das Aktienpaket sein soll, das Abramowitsch erwerben will.

Erst verkaufen, nun wieder kaufen


Bislang gehören über 80 Prozent der Papiere drei russischen Großindustriellen, die das Unternehmen über eine zypriotische Briefkastenfirma lenken. Mit einer Stahlproduktion von 14 Millionen Tonnen im Jahr 2005 ist Evraz Marktführer in Russland.

Bei Russland-Aktuell
• Megadeal: Severstal will mit Arcelor fusionieren (26.05.2006)
• Abramowitsch investiert in Fußball und Formel 1 (18.05.2006)
• Sibneft mutiert in Petersburg zu Gazpromneft (03.04.2006)
• Russland : Viel Reichtum und viele arme Leute (16.03.2006)
• Russlands Milliardäre werden noch reicher (10.03.2006)
In den letzten Jahren fiel Abramowitsch eher dadurch auf, dass er Aktiva in Russland abgestoßen hatte. So hatte sich der Oligarch nacheinander von seinen Beteiligungen am Rohstoffkonzern Rusal, der Fluggesellschaft Aeroflot und dem Ölkonzern Sibneft getrennt.

Der Kauf von Anteilen an Evraz ist jedoch nur der erste Teil des geplanten Geschäfts. Anschließend soll Evraz mit dem britischen Konkurrenten Corus (19 Mio. t Stahlproduktion 2005) fusionieren. Dabei könnte Corus eine Neuemission von Aktien Abramowitsch im Tausch gegen die zuvor von diesem erworbenen Anteile an Evraz verkaufen. Abramowitsch würde so zum Großaktionär des britisch-rusischen Gemeinschaftsunternehmens werden.

Corus als Gewinner bei dem Geschäft


Von der Fusion würden in erster Linie die Briten profitieren. Der finanziell angeschlagene Corus-Konzern ist sehr an der Lieferung billigen Rohstahls aus Russland interessiert. Aufgrund der gestiegenen Energiekosten war der Gewinn von Corus im vergangenen Jahr um 73 Prozent auf 85 Mio. USD (67,5 Mio. Euro) gefallen.

Evraz hatte bislang eine Fusion mit Corus abgelehnt. Zu ineffizient erschien dem russischen Stahlkocher das britische Unternehmen. Mit Abramowitsch als Eigner würde sich diese Haltung ändern, sind Experten überzeugt. Schließlich gehe es Russlands Oligarchen Nr.1 in diesem Fall weniger um den finanziellen Ertrag als um seinen Imagegewinn auf der Insel. Durch eine erfolgreiche Fusion könnte zum „Retter” der britischen Stahlindustrie aufsteigen.

(ab/.rufo)


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