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Der unter Mordverdacht stehende Bankier Alexej Frenkel sorgt wegen seiner Enthüllungsbriefe für Aufregung in der Bankenwelt (Foto: TV)
Der unter Mordverdacht stehende Bankier Alexej Frenkel sorgt wegen seiner Enthüllungsbriefe für Aufregung in der Bankenwelt (Foto: TV)
Mittwoch, 07.02.2007

Bankier Frenkel schießt erneut gegen Zentralbank

Moskau. Der unter Mordverdacht stehende Bankier Alexej Frenkel hat in einem neuen Brief erneut schwere Vorwürfe gegen führende Zentralbanker erhoben. Zudem „schoss“ er auch gegen Duma, Innenministerium und Geheimdienst.

Seit Mitte Januar ist Alexej Frenkel in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Bankier vor, den Mord am Vize-Zentralbankchef Andrej Koslow im September vergangenen Jahres in Auftrag gegeben zu haben. Frenkel bestreitet die Vorwürfe und hat nun mittlerweile den dritten Brief mit massiven Korruptionsvorwürfen veröffentlichen lassen.

Amtsmissbrauch, Korruption und Mordaufträge


In diesem dritten Brief beschreibt Frenkel konkret das Lobby-System mit dem die Interessen verschiedener Bankengruppen durchgesetzt werden. Amtsmissbrauch und Korruption sind demnach ein elementarer Bestandteil der Zentralbank. Sogar Mordvorwürfe erhebt der Bankier gegen die Zentralbanker.

Diese sollen den Mord an dem früheren Besitzer der „Sodbusinessbank“ und der „Kredittrust“ (beiden wurde von der Zentralbank die Lizenz entzogen), A. Slesarjew, in Auftrag gegeben haben, behauptet Frenkel. Freilich gibt er in seinem Brief kein Motiv für diese Tat an.

Putin-Bekannter rückt ins Licht


Bei Russland-Aktuell
• Zentralbank wird nach Frenkels Vorwürfen offener (29.01.2007)
• Koslow-Mord: Verdächtiger Bankier greift Zentralbank an (19.01.2007)
• Bankier als Auftraggeber des Koslow-Mordes verhaftet (12.01.2007)
• Mord an Zentralbank-Vize Koslow fast aufgeklärt (16.10.2006)
• Vize-Zentralbankchef Russlands bei Anschlag getötet (14.09.2006)
Dafür beschreibt Frenkel ausführlich die vier Bankengruppen, die vom Lobbysystem der Zentralbank profitieren. Dies sind zum einen die Staatsbanken, dann die Filialen von ausländischen Banken, drittens Privatbanken, die im Auftrag von Zentralbankern Geldwäsche betreiben und viertens kaukasische Banken. Frenkel beschuldigt im Bereich der Staatsbanken besonders die vor dem Börsengang stehenden Sberbank und Wneschtorgbank massiv und ungestraft gegen die Auflagen zur Geldwäsche zu verstoßen.

Hervorzuheben sind die Anschuldigungen gegen den Senior Vize-Chef der Wneschtorgbank, der im Brief als K.G.K. bezeichnet wird. Unter Leitung dieses Konstantin Gennadjewitsch Koschewnikow soll in großem Stil Geldwäsche betrieben worden sein, wobei die Zentralbank davon mitprofitierte. Interessant ist dabei, dass Koschewnikow 1997 – 1998 in der Präsidialverwaltung arbeitete – zur gleichen Zeit also wie Präsident Wladimir Putin.

Frenkel schießt noch einmal auf Koslow


Vor allem aber erhebt Frenkel massive Vorwürfe gegen den Ex-Vize-Zentralbankchef Andrej Koslow. Der wurde nach seiner Ermordung von den russischen Medien als makelloser Kämpfer im Kampf gegen Korruption und Geldwäsche glorifiziert. Zumindest Frenkel zeichnet ein ganz anderes Bild von dem Mann, dessen Mord er befohlen haben soll. Demnach handelte Koslow, der schon in den 90er Jahren in der Zentralbank arbeitete, mit Insiderwissen.

Vor dem Default 1998 soll er der Menatep-Bank (einst Besitzer des größten russischen Ölkonzerns Yukos) geraten haben, sich rechtzeitig von kurzfristigen Staatsanleihen (diese wurden nach dem default praktisch wertlos) zu trennen. Zum Dank sei Koslow nach dem Ausscheiden aus der Zentralbank erst zur Bank „Russki Standard“ und später zu Aeroflot weitervermittelt worden. 2002 habe schließlich der damals noch einflussreiche Michail Chodorkowski die Rückkehr Koslows in den Vorstand der Zentralbank protegiert, steht in Frenkels Brief. Außerdem soll die Staatsanwaltschaft gegen Koslow ermittelt haben, weil er selbst aktiv auf dem Markt für Staatsobligationen gespielt habe. Die Behörden allerdings haben diese Information bislang nicht bestätigt.

Sind Behörden und Duma in den Korruptionsfall verstrickt?


Die Vorwürfe Frenkels richten sich freilich nicht nur gegen den toten Koslow. Viktor Melnikow, Vize-Präsdent der Zentralbank, wird in dem Brief ebenfalls erwähnt. Er soll einer der Hauptverantwortlichen für das bis heute existierende Schema der Geldwäsche bei der Zentralbank sein.

Seine engen Kontakte zu Innenministerium und Geheimdienst nutze er aus, um unliebsame Banken auszuschalten oder zur Geldwäsche zu zwingen. Dies geschehe durch Überprüfungen, Beschlagnahmungen und dergleichen mehr. Damit der Gesetzgeber sich nicht in die illegalen Handlungen der Zentralbank einmische oder diese absegne, seien die verantwortlichen Stellen in Duma und Föderationsrat geschmiert worden, behauptet Frenkel. Damit beschuldigt der Bankier faktisch alle staatlichen Stellen, mehr oder weniger an diesem korrupten System teilzuhaben.

Behörden müssen praktisch gegen sich selbst ermitteln


Die Anschuldigungen des Bankiers sind in der Tat ungeheuerlich. Sollten sie stimmen, bedeutet dies, dass die Zentralbankführung Geldpolitik nicht zum Nutzen des Staates, sondern praktisch ausschließlich im eigenen Interesse betreibt. Die gleichen Schlussfolgerungen lassen sich für Duma und Innenministerium ziehen.

Die Staatsanwaltschaft hat nach Angaben der Verteidigung Frenkel bereits zu den Briefen befragt. Es ist nun Aufgabe der Behörden zu ermitteln, ob die Vorwürfe wahr sind oder ob es der Versuch Frenkels ist, von der Mordanklage gegen ihn abzulenken. Es ist allerdings ein unglücklicher Umstand, dass die Behörden damit praktisch gegen Kollegen, wenn nicht gar gegen sich selbst ermitteln müssen.

(ab/.rufo)


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