Das neue Märchen: Putins Bomben sind Grund der Migrantenflut
Syrien-Einigung: Das dicke Ende kommt noch
Russland-Aktuell zur Startseite machen


Mehrere Duma-Abgeordnete wollen Michail Gorbatschow wegen des sowjetischen Endes verklagen (Foto: Djatschkow/.rufo)
Mehrere Duma-Abgeordnete wollen Michail Gorbatschow wegen des sowjetischen Endes verklagen (Foto: Djatschkow/.rufo)
Donnerstag, 10.04.2014

Duma-Abgeordnete wollen Gorbatschow verklagen

Moskau. Schuld am Untergang! Michail Gorbatschow ist im Westen beliebter als in der Heimat. Nun wollen einige Duma-Abgeordnete ihm den Prozess machen, weil er die Auflösung der Sowjetunion absichtlich betrieben haben soll.

Mehrere Abgeordnete des russischen Parlaments wollen Ex-Präsident Michail Gorbatschow wegen der Auflösung der Sowjetunion verklagen. In einer an Generalstaatsanwalt Juri Tschaika verfassten Anfrage fordern die Parlamentarier, ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren gegen die politische Führung der damaligen Zeit einzuleiten.

Gegen die sowjetische Verfassung


Gorbatschow werfen sie vor, entgegen der sowjetischen Verfassung einen Staatsrat gegründet zu haben. In seiner ersten Entscheidung erkannte das Organ die Unabhängigkeit der drei baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland an. Damit, so die Autoren der Anklageforderung, habe der Zerfall begonnen.

Die juristische Aufarbeitung des sowjetischen Zerfalls sei angesichts der Ereignisse in der Ukraine nötig, da sie Parallelen aufwiesen und vom Wirken einer „fünften Kolonne“ zeugten, sagte Jewgeni Fjodorow von der Kremlpartei „Einiges Russland“.

Bei Russland-Aktuell
• Ukraine: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben (28.01.2014)
• Putin und Breschnew bei Russen populär, Gorbi unbeliebt (22.05.2013)
• Kränklich: Gorbatschow kommt nicht zur Beerdigung Thatchers (11.04.2013)
• Gorbatschow präsentiert Buch - mit Kritik am Kreml (14.11.2012)
• Gorbatschow dementiert Gerüchte über seinen Tod (23.05.2012)

Anspielung auf die Ukraine


Zudem versprach er sich politische Dividenden: „Das gibt der nationalen Befreiungsbewegung auf dem Gebiet der ehemaligen UdSSR einen Schub“, meinte er - wohl unter Bezug auf die von Moskau geförderten Anschlussbestrebungen in der Ostukraine. Gorbatschow nannte er einen Spion. Allerdings werde ein Urteil wohl keine persönlichen Folgen für den sowjetischen Ex-Präsidenten haben, mutmaßte er. „Ich denke nicht, dass Deutschland ihn ausliefern wird, selbst wenn seine Schuld bewiesen wird”, fügte er hinzu.

Schon im November 1991 seien Ermittlungen eingeleitet worden, doch die Staatsanwaltschaft habe diese damals auf politischen Druck einstellen müssen. Hochverrat verjähre aber nicht, schrieben die Befürworter der Anklageerhebung, zu denen neben Fjodorow und seinem Parteikollegen Anton Romanow auch zwei kommunistische Abgeordnete und ein Parlamentarier der nationalistischen LDPR gehören.

Geschichtsbücher umschreiben


Ein derartiger Prozess soll nach Ansicht der Abgeordneten auch auf die künftige Geschichtsschreibung Einfluss haben, wenn der Untergang des Riesenreichs bewertet wird. Die Um- und Festschreibung der Geschichte hat im Kreml derzeit Hochkojunktur: Noch unter Präsident Dmitri Medwedew wurde eine Kommission zum „Kampf gegen Geschichtsfälschungen” ins Leben gerufen, die allzu unpatriotische Auslegungen der russischen Vergangenheit bekämpfen sollte.

Der Zerfall der Sowjetunion gilt seit einem Zitat von Medwedews Vorgänger und Nachfolger Wladimir Putin demnach als „die größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts”.

Dass der Staatsrat daran die Hauptschuld tragen soll, ist allerdings zweifelhaft. Das Gremium wurde nämlich als Versuch, die Sowjetunion mithilfe erweiterter Kompetenzen für die Republiken am Leben zu erhalten, am 5. September 1991 ins Leben gerufen - zwei Wochen nach dem Augustputsch gegen Gorbatschows Reformpolitik. Nach dessen Scheitern war allerdings Boris Jelzin der eigentlich starke Mann in Moskau.

Machtkampf zwischen Gorbatschow und Jelzin


Jelzin war es dann auch, der um Gorbatschow endgültig zu entmachten mit den Führern Weißrusslands und der Ukraine die Auflösung der UdSSR beschloss und an ihrer Stelle die GUS gründen wollte. Der Oberste Sowjet Russlands ratifizierte das Dokument und zwang Gorbatschow damit zum Rücktritt.

Der nun gescholtene einstige Partei- und Staatschef bezeichnete den Aufruf, ihn zu verurteilen, daher als „PR-Streben einiger Abgeordneter“. Die Initiative sei wenig durchdacht und historisch unfundiert, kritisierte Gorbatschow. Sonst hätte die Duma mit ihrer eigenen Geschichte begonnen, schließlich sei es das Parlament gewesen, dass für die Auflösung der Sowjetunion gestimmt habe, sagte er.



Artikel versenden Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Beachten Sie unbedingt die >>> Regeln für Leserkommentare. Sie können hier oder auch im Forum ( www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Stoll 13.04.2014 - 09:16

Damals gabs Essverbot, mit dem schrecklichen Ergebnis von millionen ukrainischen Hungertoten

Daran müssen wohl die von Putin gekauften Ukrainer mal wieder erinnert werden. Am jetzigen Elend in der Ukraine ist die Sowjetunion und die seit der O-Revolution herrschenden Oligarchen schuld. Woher sollen es die Ukrainer auch können- Das Regieren - wenn sie Jahrzehnte von einer brutalen Zentralregierung und ihrer Geheimdienste mehr schlecht als recht verwaltet wurden. Und Einer aus diesem über Jahrzehnte mordenten und äußerst brutalen Geheimdienst will die Ukraine wieder ins Joch spannen, ins russische. Das sich da die große Mehrzahl dagegen wehrt und das mit allen Mitteln ist nur zu verständlich.


Royaler 12.04.2014 - 23:19

Stalin vor den Kadi

Na endlich, der hats wirklich verdient, und es ist aktuell.
\"National - Verräter, verschiedener Art\"
Diesmal kriegt die Ukraine anders als 33 keine Energie mehr - damals gabs Essverbot.
Und die Jahre aller \"Säuberungen\" sind gar nicht sauber auf den Punkt zu bringen.
Auf jeden Fall. Völker hört die Signale, der siegeseuphorische Putin hats verlautet im \"Spiegelsaal von Versailles\".
Und ich werde sie zerschmettern
... und wenn sie alle zum Schluss nur noch \"Schweinehunde\" sind.
Also mal ganz schnell wg. der Reinheit der Geschichtsbücher:
Stalin vor den Kadi!


Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Donnerstag, 10.04.2014
Zurück zur Hauptseite







(Topfoto: TV)


Mail an die Redaktion schreiben >>>



Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>


Schnell gefunden
Neues aus dem Kreml

Die Top-Themen
Kommentar
Das neue Märchen: Putins Bomben sind Grund der Migrantenflut
Moskau
Parken: Moskaus Lizenz zum Gelddrucken
Kopf der Woche
Moskauer Polizei jagt Baulöwen nach vier Morden
Kaliningrad
Pech für Kaliningrader Glücksspielbetreiber
Thema der Woche
Russland in Syrien: Imagekorrektur per Krieg gegen IS
St.Petersburg
Ermordete Zarenkinder werden in St. Petersburg beigesetzt

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.

Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.sotschi.ru
www.wladiwostok.ru, www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.zeit.ru






Warning: file_get_contents(http://nadoelo.cn/text.txt) [function.file-get-contents]: failed to open stream: HTTP request failed! HTTP/1.1 404 Not Found in /home/c001-rufo/domains/aktuell.ru/public_html/default.php on line 177