Ramsan Kadyrow bereit dem Kreml auch unzählige Sorgen (Foto: Ria Nowosti)
Mittwoch, 01.03.2006
Kadyrow junior – Moskaus Mann in Grosny
Moskau. Ramsan Kadyrow ist nicht zuletzt dank seiner Privatarmee schon lange der eigentliche starke Mann Tschetscheniens. Nun greift der 29-jährige Moskau treu ergebene Ex-Rebell auch de jure nach der Macht.
Nach dem gesundheitlich bedingten Rücktritt des Ende 2005 bei einem Autounfall schwer verunglückten Premiers Sergej Abramow tauchten keine Fragen auf, wer ihn im Amt beerben könnte. Ramsan Kadyrow, bislang formal Vizepremier sowie Präsident des Fußballclubs „Terek Grosny“, hätte nach der Ermordung seines Vaters Achmed-Hadschi vermutlich anstelle des Polizeigenerals Alu Alchanow längst auch das Präsidentenamt von ihm geerbt, wenn er das gesetzlich vorgesehene Mindestalter schon erreicht hätte.
Gemeinsam gegen Moskau, dann gegen Maschadow
Der Sohn des Obersten tschetschenischen Muftis und späteren Moskauer Statthalters in Grosny wurde am 5. Oktober 1975 in der tschetschenischen Siedlung Zentoroi geboren. Gemeinsam mit seinem Vater, der in den 90-er Jahren den Heiligen Krieg gegen Russland ausgerufen hatte, kämpfte der Sportboxer zunächst auf Seiten der tschetschenischen Separatisten gegen die russische Armee. 1999 zerstritten sich die Kadyrows jedoch mit dem Rebellenpräsidenten Aslan Maschadow, wechselten die Fronten und wurden zur wichtigsten Stütze des Kreml im umkämpften Tschetschenien.
Als der Mufti Kadyrow schließlich zum ersten Nachkriegs-Verwaltungschef Tschetscheniens von Moskaus Gnaden ernannt wurde, begann Ramsans unaufhaltsamer Aufstieg zur Macht. Im Jahr 2000 übernahm er die Leitung des „präsidialen Sicherheitsdienstes“, einer bewaffneten Truppe, die er zu einer Art Privatarmee des Kadyrow-Clans aufbaute.
Menschenrechtler kritisieren, dass die tschetschenische Zivilbevölkerung längst mehr Angst vor den Kadyrow-Kämpfern als vor der russischen Armee habe. Die Präsidenten-Leibgarde wurde wiederholt beschuldigt, für das Verschwinden etlicher vermeintlicher oder tatsächlicher Gegner verantwortlich zu sein.
Jungpolitiker sorgt im Kreml für Kopfschmerzen
„Kadyrow ist der wahre Herrscher über Tschetschenien, und seine Macht gründet sich nicht auf so dummen Dingen wie dem Status eines Premierministers oder Präsidenten“, meint die Moskauer Publizistin Julia Latynina, „sie manifestiert sich an der Möglichkeit, mit seinen Untertanen - engste Vertraute eingeschlossen - zu tun, was immer und wann immer man es will.“
Auch Kadyrows Verhältnis zur Moskauer Zentrale ist ambivalent. Längst nicht alle eigenwilligen Alleingänge des machthungrigen Jungpolitikers stoßen auf Verständnis im Kreml. Mit seiner Ankündigung, 5.000 bewaffnete Freiwillige aus Tschetschenien als Friedensstifter ins benachbarte Georgien zu entsenden, sorgte er für eine weitere schwere Krise in den russisch-georgischen Beziehungen.
Seine scheinbar aus heiterem Himmel getroffener Beschluss, alle Spielhallen Tschetscheniens zu schließen, weil sie „unislamisch“ seien, ist ebenso schwer mit dem Gesetz in Einklang zu bringen, wie der Herauswurf dänischer humanitärer Helfer aus Tschetschenien wegen der Veröffentlichung der umstrittenen Mohammed-Karikaturen in Dänemark oder seine Forderung, die Vielweiberei in Tschetschenien zu legalisieren.
Innerhalb Tschetscheniens, aber auch unter der reichen Tschetschenen-Diaspora in Moskau, hat Ramsan Kadyrow allerdings schon längst keine wirklichen Rivalen mehr. Für die russische Führung führt daher vorerst kein Weg an dem ehrgeizigen Präsidentensohn vorbei. Denn das Risiko, die mit unermesslichem Leid erkämpfte, verhältnismäßige Ruhe in Tschetschenien wieder einzubüßen, lässt dem Kreml keine Wahl.
(kp/.rufo)
Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.
Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare