Väterchen Frost gibt eine Pressekonferenz (Foto: Tourismusverwaltung Wologda)
Dienstag, 28.12.2004
Väterchen Frost: Zauberkraft für nichts zu schade
Moskau/ Weliki Ustjug. In Russland ist Väterchen Frost für die Bescherung zuständig. Der russische Weihnachtsmann, der Legende nach immerhin schon 2.500 Jahre alt, hat zum Jahreswechsel viel zu tun. Kaum eine Neujahrsfeier, sei es im Kindergarten oder im Kreml, kommt ohne ihn aus. Das offizielle Väterchen Frost aus dem nordrussischen Weliki Ustjug antwortete auf die Fragen von russland-aktuell.RU.
Väterchen Frost, warum bringst in Russland eigentlich du den Kindern die Geschenke und nicht etwa Santa Claus oder der Weihnachtsmann?
Väterchen Frost: Alleine würde ein einzelner Weihnachtsmann das nicht schaffen. Mein guter Freund Santa Claus und ich arbeiten gemeinsam an der selben Aufgabe. Santa in Lappland und ich hier in Mütterchen Russland. Jeder von uns will den Menschen auf der ganzen Welt dabei helfen, an das Gute zu glauben.
Väterchen Frost empfängt Santa Claus aus Finnland (Foto: Tourismusverwaltung Wologda)
Aber es gibt doch bestimmt manchmal Streit, wer von euch der wichtigste Weihnachtsmann ist?
Väterchen Frost: Ganz im Gegenteil. Wir schreiben uns, telefonieren miteinander, tauschen Erfahrungen aus. Und seit einigen Jahren besuchen wir uns auch regelmäßig.
Seit inzwischen sieben Jahren hast du deinen offiziellen Wohnsitz in dem Städtchen Weliki Ustjug, ganz im kalten Norden Russlands. Warum bist du vom Nordpol weggezogen?
Väterchen Frost: Die Zauber-Residenz, in der ich mit meinem Märchen-Hofstaat wohne, gefällt mir ganz ausgezeichnet. Denn endlich kennt fast jedes russische Kind meine genaue Anschrift.
Allein im vergangenen Jahr hast du 120.000 Briefe erhalten. Was wünschen sich die Kinder, die dir schreiben?
Väterchen Frost: Es ist kaum zu glauben:Viele wollen überhaupt nichts von mir haben. Sie schicken mir einfach nur ihre Neujahrsglückwünsche, legen ein selbst gemaltes Bild in den Umschlag oder basteln mir etwas. In meinem Weihnachtsmann-Postamt gibt es schon einen ganzen Saal mit Geschenken, die ich von russischen Kindern bekommen habe...
...aber die meisten schicken ja wohl doch einen langen Wunschzettel. Kannst du denn alle Kinderwünsche erfüllen?
Väterchen Frost: Wenn sich die Kinder gute Dinge wünschen, dann geht alles auch ganz bestimmt in Erfüllung. Mir sind meine Zauberkräfte dann für nichts zu schade.
Vor deinem Weihnachtsmann-Palast stehen gar keine Rentiere. Wie kommst Du in der Neujahrsnacht mit den Geschenken zu allen Kindern?
Väterchen Frost: Rentiere habe ich natürlich auch, aber im kalten russischen Winter reise ich selbst lieber in einer Troika, einem aus Holz geschnitzten Schlitten mit drei Pferden. Das geht schneller.
Beim Verteilen der Geschenke hilft dir immer und überall ein Mädchen. Die Russen sagen immer, sie sei deine Enkelin. Aber keiner kann erklären, wo deine Kinder sind. Da stimmt doch etwas nicht?
Väterchen Frost: Ja, ich bin immer gemeinsam mit dem Schneemädchen Snegurotschka unterwegs. Das ist aber nicht meine wirkliche Enkelin. Sie hatte sich vor vielen Jahren einmal im tiefen Wald verlaufen. Da habe ich sie gefunden, und ich konnte sie dort natürlich nicht alleine zurücklassen. Deshalb habe ich sie adoptiert.
In Deutschland kann der Weihnachtsmann recht streng zu den Kindern sein, wenn es nötig ist. Wie ist das bei dir?
Väterchen Frost: Natürlich versuche ich, ungezogene Kinder zu bessern. Manchmal reicht es, einen Scherz zu machen. Wenn es nötig ist, kann ich auch unfreundlich werden und den allzu Frechen drohen. Aber eigentlich habe ich alle Mädchen und Jungen ganz furchtbar lieb.
Es soll Menschen geben, die nicht an den Weihnachtsmann glauben. Lässt sich etwas dagegen tun?
Väterchen Frost: Alle diese ernsten Leute möchte ich zu mir einladen. Sie können ruhig einmal nach Weliki Ustjug kommen und mich auf meinem Weihnachtsmann-Gut besuchen. Dort kann man mich sogar im Sommer finden.
Die Fragen stellte Karsten Packeiser.
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