Totalschaden. Fährt Russlands Wirtschaft gegen die Wand? (Foto: Archiv/.rufo)
Dienstag, 03.02.2009
Ausgebremst: Wachstum noch schlechter als erwartet
Moskau. Vollbremsung für die russische Wirtschaft. Das Wirtschaftsministerium hat die Zahlen für das BIP-Wachstum 2008 erneut nach unten korrigiert. „Dank“ des vierten Quartals sind es nur noch 5,6 Prozent Wachstum.
Das ist das schlechteste Ergebnis für die russische Wirtschaft seit sechs Jahren. Dabei waren die Prognosen zu Anfang des Jahres glänzend. Um 7,1 Prozent sollte das Bruttoinlandsprodukt 2008 wachsten – im ersten Halbjahr wurde sogar die Acht-Prozent-Marke übertroffen.
Selbst den Kaukasus-Krieg und die ersten Vorboten der Krise im September steckte Moskau noch locker weg. Das Neun-Monats-Ergebnis von 7,3 Prozent: Mehr als solide.
Viertes Quartal wird Russland zum Verhängnis
Doch den Wettlauf mit der Krise hat Russland im Jahresendspurt verloren. Moskau wurde eingeholt und ausgebremst. Das Wirtschaftswachstum blieb auf der Strecke; aller Gesundbeterei der Regierung zum Trotz, die sich lange weigerte, das Wort Krise überhaupt in den Mund zu nehmen.
Das Wirtschaftsministerium senkte die Erwartungen auf sechs Prozent ab – wie sich nun herausstellt, war das immer noch zu wenig. „Im vierten Quartal letzten Jahres hat die Krise offen begonnen, die Industrieproduktion ist bei fallender Nachfrage und steigenden Kreditkosten um über zehn Prozent gefallen. Den Unternehmen fehlten einfach die Umsatzmittel“, liefert Danila Lewtschenko, Chefanalyst des Bankhauses „Otkrytije“, die Begründung.
Rückgang von 0,2 Prozent „zu optimistisch“ ?
Die Vorzeichen für 2009 sehen damit alles andere als gut aus. Das Wirtschaftsministerium geht bereits jetzt von einer Rezession aus. Im Jahresvergleich soll das BIP um 0,2 Prozent schrumpfen. „Doch die Prognosen werden bestimmt noch zehnmal verändert. Ein Rückgang des BIP um 0,2 Prozent, wie das Wirtschaftsministerium voraussagt, ist fürchterlich optimistisch“, meint Lewtschenko.
Freilich hat die Regierung mehrere Szenarien vorgezeichnet. Im schlimmsten Fall (auf neudeutsch: „worse case“) rechnet das Kabinett Putin – freilich nicht offiziell – sogar mit einem BIP-Rückgang von zehn Prozent; sprich dem freien Fall der russischen Wirtschaft.
Soziale Einschnitte zu erwarten
Das hätte gravierende Auswirkungen; nicht nur auf das Haushaltsdefizit in Moskau (laut Alexej Kudrin bei etwa fünf Prozent), sondern auch auf die soziale Situation in Russland: Die zu erwartende Pleitewelle würde ein Heer von Arbeitslosen auf die Straße spülen. Armut und Kriminalität würden massiv ansteigen.
Ganz so pessimistisch sind die meisten Analysten in Russland denn doch nicht. Im Schnitt gehen sie von einem BIP-Rückgang um etwa drei Prozent aus. Auch das bedeutet einen tiefe soziale Einschnitte, doch die Gesellschaft bleibt noch lenkbar. Immerhin macht laut Umfrage bislang weniger als die Hälfte der Russen die Regierung für ihre sozialen Probleme verantwortlich.
In Davos hat Premier Putin vom Licht am Ende des Tunnels gesprochen. Seine Rede wurde - wie alles, was er tut - vom Staatsfernsehen in Russland weit verbreitet. Die Russen haben also noch Hoffnung auf bessere Zeiten.
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Containerumschlag im Hafen von St. Petersburg: Auf diese Weise importiert Russland vor allem - exportiert werden vorrangig Rohstoffe wie Öl, Gas, Metall und Holz.(Topfoto:Deeg/.rufo)