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Tjumen ist einer Heimatregionen des russisch-britischen Ölkonzerns TNK-BP (Foto: Djatschkow/.rufo)
Tjumen ist einer Heimatregionen des russisch-britischen Ölkonzerns TNK-BP (Foto: Djatschkow/.rufo)
Donnerstag, 09.11.2006

Ölkonzern TNK-BP wegen Lizenzstreit unter Druck

Moskau. Der Streit um den Lizenzentzug für das Ölförder-Konsortium Sachalin Energy dauert an und schon gerät der nächste internationale Ölkonzern ins Schussfeld der Staatsanwälte. TNK-BP droht der Verlust mehrerer Lizenzen.

So hat Russlands Generalstaatsanwaltschaft beim Bodenschatzministerium beantragt, dem Ölförderer „Rospan International“, einer „Tochter“ von TNK-BP, die Lizenz für die Erschließung der Öl- und Gasfelder im nordsibirischen Jamal-Gebiet zu entziehen. Die Gasvorräte der dortigen Lagerstätten in Nowo-Urengoi und Wostotschno-Urengoi werden auf 1 Billion Kubikmeter geschätzt, die jährliche Förderleistung auf 15 Mrd. Kubikmeter im Jahr.

Systematischer Verstoß gegen Auflagen


Begründet wird die Aktion damit, dass das Unternehmen „systematisch die Gesetzgebung über Bodenschätze, Lizenzierung und Umweltschutz verletzte.“ Außerdem soll Rospan Arbeiten durchgeführt haben, ohne die nötigen Lizenzen und positive Umweltgutachten dafür zu haben.

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Die Lizenzen für die beiden oben genannten Rohstofffelder seien nämlich zum 1. Januar 2006 respektive zum 1. Mai 2006 ausgelaufen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Ungeachtet dessen sei die Förderung weitergegangen. In dem Zeitraum sollen 1,7 Mrd. Kubikmeter Gas und 376.000 Tonnen Gaskondensat gefördert worden sein.

TNK-BP behauptet, dass „Rospan“ schon im vergangenen Jahr um die Ausgabe der Genehmigungen gebeten habe, aber bis heute keine Antwort von den Behörden bekam.

Staatsanwaltschaft als Instrument von Gazprom?


Russische Medien vermuten, dass der Gasexport-Monopolist Gazprom hinter der Aktion steht. „Rospan ist eines der wenigen von Gazprom immer noch unabhängigen Gasunternehmen", zitiert die Tageszeitung „Kommersant“ Konstantin Batunin, den Analysten der Alfa-Bank. „Ich würde mich nicht wundern, wenn TNK-BP auf diese Weise unter Druck gesetzt wird.“

TNK-BP
TNK-BP ist der zweitgrößte Ölkonzern in Russland mit einer Förderleistung von 1,58 Mio. Barrel täglich (Angaben des Konzerns für 2005). Der Konzern ging 2003 aus einer Fusion zwischen den russischen Eignern der Gruppe AAR und den russischen Aktiva des britischen Ölkonzerns BP hervor.
Bei dem Streit geht es demnach wohl um einen noch größeren Brocken, das Gasfeld „Kowykta“ im Quellgebiet der Lena nahe des Baikalsees. Die Vorräte dieses Gas-Feldes sind mit 2,1 Billion Kubikmeter sogar doppelt so hoch wie im Jamal-Gebiet.

TNK-BP hatte Gazprom zwar einen Einstieg bei dem Projekt angeboten, jedoch dafür Markpreise verlangt, was nach Angaben des „Kommersant“ Gazprom nicht zufrieden stellte.

TNK-BP hatte Gazprom zwar einen Einstieg bei dem Projekt angeboten, jedoch dafür Markpreise verlangt, was nach Angaben des „Kommersant“ Gazprom nicht zufrieden stellte.

Kurz darauf hatte die Staatsanwaltschaft TNK-BP mit dem Lizenzverlust für das Feld gedroht, weil der Konzern die Lizenzbedingungen nicht einhalte. Darin ist festgehalten, dass TNK-BP bis Ende 2006 9,6 Mrd. Kubikmeter Gas aus „Kowykta“-Förderung an die russischen Verbraucher liefere. Aufsichtsratschef Viktor Wechselberg musste bereits eingestehen, dass das Unternehmen selbst im nächsten Jahr maximal 1 Mrd. Kubikmeter fördern könne.

Sachalin Energy kämpft mit Folgen eigener Verfehlungen


Dass Verstöße gegen Lizenzbedingungen massive Probleme mit sich bringen können, musste unlängst das Betreiberkonsortium des Projekts Sachalin-2 um den britisch-holländischen Ölkonzern Royal Dutch Shell erfahren. Das Konsortium hatte grob gegen Umweltauflagen verstoßen, u.a. staatliche Wälder abgeholzt und die fisch- und krabbenreiche Aniva-Bucht in eine tote Zone verwandelt.

Die Umweltbehörde hatte daraufhin das Umweltverträglichkeitsgutachten eingezogen. Inzwischen ist außerdem die Lizenz zur Wassernutzung entzogen worden, womit das Projekt praktisch stillgelegt wurde.

Kampf um Ressourcen


Der russische Wirtschaftswissenschaftler Jewgeni Jassin kritisierte allerdings die selektive Anwendung der Umweltvorschriften. Er vermutete, dass auch hinter dem Vorgehen gegen Sachalin Energy wirtschaftspolitische Gründe stehen.

Der Staatskonzern Gazprom hatte versucht, einen Anteil an dem Projekt zu bekommen. Die Gespräche waren allerdings im Sand verlaufen. Erst daraufhin begannen die Probleme bei den Umweltsündern auf Sachalin. Gazprom-Vizepräsident Alexander Medwedjew betonte inzwischen, dass sein Konzern immer noch Interesse an dem Projekt habe. Allerdings müssten dazu die Umweltfragen geklärt werden, sagte er.

Die Umweltaufsichtsbehörde „Rosprirodnadsor“ wurde auch beim größten Ölkonzern Lukoil aktiv, an dem der Staat einige Anteile hält. Rosprirodnadsor stellte fest, dass auch dieser Konzern massiv gegen die Umwelt gesündigt hatte. Von Ermittlungen gegen die mehrheitlich staatlichen Konzerne Gazprom und Rosneft wurde allerdings nichts bekannt.

(ab/.rufo)


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