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Mittwoch, 15.04.2009

Russischer Autobauer IschAwto fährt an die Wand

Moskau. Das Autowerk IschAwto steht vor der Pleite. Schon zum dritten Mal kann der Betrieb seine Anleihen nicht einlösen. Die Produktion steht faktisch still, die Arbeiter vor der Entlassung. Springt der Staat als Retter ein?

IschAwto hat eine reiche Geschichte. Das Automobilwerk in Ischewsk, der Hauptstadt von Udmurtien wurde 1965 gebaut, Ende 1966 lief das erste Fahrzeug – ein Moskwitsch 408 – vom Band.

Von Moskwitsch zu Kia


Der Moskwitsch wird inzwischen nicht mehr produziert, doch im Gegensatz zum Moskauer Bruderbetrieb konnte sich das Autowerk in Ischewsk auf die neuen Zeiten einstellen. Zunächst produzierte es das Lada-Modell Vaz2104, vor vier Jahren dann nahm der Betrieb dann auch noch die Produktion der südkoreanischen Billigmarke Kia auf.

Bei Russland-Aktuell
• Im ersten Quartal 40 Prozent weniger Autos verkauft (08.04.2009)
• Lada profitiert von der deutschen Abwrackprämie (07.04.2009)
• Auto-Krise: Lada-Werk bekommt massive Staatshilfe (31.03.2009)
• Kurzarbeit und Entlassungen in russischer Autoindustrie (19.12.2008)
• Krise: Russisches Ford-Werk macht vier Wochen Pause (09.12.2008)
Doch die anfangs so erfolgreiche Produktion ist inzwischen voll gegen die Wand gefahren. Seit Februar wird in Ischewsk kein Kia mehr montiert – die Rubelentwertung hat die Einfuhr der Bauteile um 30 – 40 Prozent teurer gemacht, die Nachfrage nach den Fahrzeugen hingegen ist um 40 Prozent gesunken.

Hohe Schulden, keine Einnahmen


Zugleich drücken den Autobauer massive Schulden. Etwa zwölf Milliarden Rubel (270 Mio. Euro) muss IschAwto Banken und Anlegern zurückzahlen. Eine Anleihe über 2 Mrd. Rubel (45 Mio. Euro) ist gerade zum dritten Mal geplatzt. Eigentlich sollte die Anleihe bereits im Dezember ausbezahlt werden, doch es fehlte das Geld.

Auch der zweite Termin (1. April) für den Rückkauf ist verstrichen und gestern nun auch der dritte. Hoffnung auf Besserung gibt es nicht. Der Betrieb erzielt keine Einnahmen.

Es laufen gerade noch 1.000 Lada im Monat vom Band, dabei hat das Werk eine Kapazität von 220.000 Fahrzeugen. Die Folge: Im April müssen 5.000 Arbeiter gehen; das sind 90 Prozent der Belegschaft

Ungewisse Zukunft für die Autobauer


Auch die Zukunft der übrigen Mitarbeiter sieht trübe aus. Der Hauptaktionär, der Maschinenbauer SOK, hat jetzt seine Anteile an das Management verkauft. Dort versucht man, den Betrieb vor der Pleite zu retten.

Es gibt Gerüchte über einen Einstieg der Staats-Holding RosTechnologii. RosTechnologii-Chef Sergej Tschemesow, ein enger Putin-Vertrauter, soll Interesse bekundet haben. Allerdings gehört auch AvtoVaz zum Imperium der Staats-Holding und AvtoVaz hat gerade eine Übernahme von IschAwto abgelehnt.



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