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Den Bau der Ostsee-Pipeline fädelten Putin und Schröder noch zur Amtszeit des Kanzlers ein
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Mittwoch, 29.03.2006

Schröder beginnt in Russland seine Arbeit

Moskau. Ex-Kanzler Gerhard Schröder wird am Donnerstag die Aktionärssitzung beim Ostseepipeline-Konsortium leiten. Russischen Medienspekulationen zu Folge will er in Moskau auch das Bankhaus Rothschild besuchen.


Im zentralen Bürogebäude des russischen Erdgasmonopolisten Gazprom wird am Donnerstag die erste Aktionärsversammlung der Nordeuropäischen Gaspipeline (NEGP), der Betreibergesellschaft der Ostsee-Pipeline, stattfinden. Auf der Sitzung soll der Dresdner Bank Manager Matthias Warnig zum Geschäftsführer des neuen Unternehmens gewählt werden.

Wahl Schröders ist reine Formalität


Gleichzeitig wird Ex-Kanzler Schröder aller Voraussicht nach zum Chef des Aufsichtsrats bestimmt. Da seine Kandidatur vom Hauptaktionär Gazprom (51 Prozent der Aktien) vorgeschlagen wurde, ist die Bestätigung reine Formalität. Schon seit Wochenbeginn machte sich Schröder mit seiner künftigen Arbeit vertraut.

Im nordsibirischen autonomen Jamal-Nenzen-Bezirk besuchte er Erdgasfelder und machte sich mit den Fördermethoden des Rohstoffs bekannt. Nebenbei fand er noch die Zeit für den Besuch eines Nomadenzeltes und einer Schule in der Stadt Nowy Urengoi.

Gerüchte, Gerüchte: Schröder zwischen PR-Firma und Rothschild


In den russische Medien überschlagen sich derweil die Spekulationen. Berichte, dass Schröder ein Lobbyzentrum aufbauen wolle, um das Image Russlands in deutschen Medien aufzupolieren, wurden inzwischen dementiert. Er habe nicht die Gründung einer PR-Firma, sondern die Einrichtung einer deutsch-russischen Denkfabrik vorgeschlagen, ließ der Ex-Politiker verbreiten.

Bei Russland-Aktuell
• Ostseepipeline - Modell im Streit Russland - Ukraine (03.01.2006)
• Russland soll führende Energie-Nation werden (23.12.2005)
• Gaspipeline: Schröder schamlos oder Schlitzohr? (12.12.2005)
• Schröder Aufsichtsratschef bei Ostsee-Pipeline (09.12.2005)
• Nicht teurer, aber sicher: Ostseepipeline-Baustart (07.12.2005)
Kaum ist die eine Spekulation geplatzt, taucht schon ein neues Gerücht auf. Die Tageszeitung „Njesawissimaja Gaseta“ behauptet, dass Schröder bei seinem Russland-Besuch möglicherweise auch für das Bankhaus Rothschild aktiv werde. Ende vergangener Woche war bekannt geworden, dass Schröder einen Beratervertrag bei dem Finanzinstitut erhalten soll.

Schröder sei gut bekannt mit Russland, er habe viele gute Kontakte im Land und könne daher Initiativen der Finanzgruppe unterstützen, kommentierte der Russlandchef von Rothschild, Alexis Tschudnowski, die Gerüchte. Dass Schröder allerdings schon diese Woche bei Rothschild vorbei schauen wird, ist derzeit nicht mehr als Spekulation.

Streit um Abzweigung der Ostseepipeline nach Kaliningrad


Mit der Arbeitsaufnahme des Betreiberkonsortiums wird der Altkanzler auch so alle Hände voll zu tun haben. Bis zuletzt gab es Unklarheiten über den genauen Verlauf der Strecke. Eine Abzweigung Richtung Kaliningrad, um den Energiehunger der russischen Exklave zu decken, stößt inzwischen auf Ablehnung bei Gazprom.

Der stellvertretende Gazprom-Chef Alexander Rjasanow nannte derartige Pläne eine „utopische Idee“. Die Energielieferungen würden zu einer Verdreifachung des Preises für Kaliningrad führen, musste schließlich auch Gouverneur Georgi Boos einsehen.

Bislang ist geplant, vom russischen Grenzort Wyborg eine Pipeline durch die Ostsee bis zur deutschen Kleinstadt Greifswald zu verlegen. Von dort aus ist eine Verlängerung der Trasse in Richtung Niederlande und Großbritannien möglich. Anteilseigner der in der Schweiz registrierten Pipeline-Gesellschaft sind Gazprom und die deutschen Konzerne E.on-Ruhrgas und BASF.

(ab/.rufo)


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