Ein europäisches Projekt - Baubeginn der Ostsee-Pipeline im Gebiet Wologda (Foto: TV)
Freitag, 09.12.2005
Schröder Aufsichtsratschef bei Ostsee-Pipeline
Babajewo/Moskau (aktualisiert). Im nordrussischen Babajewo hat am Mittwoch offiziell der Bau der fast 10 Mrd. teuren Ostseepipeline begonnen. Ex-Kanzler Schröder wird Aufsichtsratschef des Pipelinebau-Konsortiums.
Die Überraschung wurde von den Projektpartnern Gazprom, EON Ruhrgas und BASF-Wintershall bekannt gegeben, kurz nachdem bei klirrendem Frost die erste Schweissnaht an der neuen Gasröhre gelegt war.
Bereits unmittelbar nach der Bundestagswahl hatte es Gerüchte gegeben, Schröder werde womöglich einen Posten bei Gazprom übernehmen. Sie wurden damals jedoch offiziell dementiert. Tatsächlich hält Gazprom an der neugegründeten \\"North European Gas Pipeline Company\\" 51 Prozent. Den Rest teilen sich die deutschen Energiekonzerne EON Ruhrgas und BASF-Wintershall zu gleichen Teilen.
An dem Bau-Konsorzium könnten sich auch noch weitere Investoren beteiligen. Die Türen stehen offen, sagt Gazprom (Foto: TV)
Das Gaspipeline-Konsorzium ist in der Schweiz registriert
Die \"North European Gas Pipeline Company\" wurde erst vor kurzem gegründet und am 4.Dezember in der Schweiz registriert. Die Gesellschaft hat ebenso wie die Ostsee-Pipeline strategische Bedeutung für die Energieversorgung Europas - Schröder auch.
Die Nordeuopäische Gaspipeline soll Deutschland und Westeuropa direkt mit russischem Erdgas versorgen.
Der Verbrauch Europas an Erdgas wird nach Prognosen der Deutschen Energie-Agentur Dena von gegenwärtig 515 Mrd Kubikmetern auf etwa 700 Mrd im Jahre 2020 ansteigen. Zu diesem Zeitpunkt soll auch die zweite Linie der Pipeline betriebsbereit sein.
Allein der Abschnitt der ersten Linie, der auf dem Grund der Ostsee vom russischen Wyborg nach Greifswald verläuft, wird schätzungsweise vier Milliarden Euro kosten. Erstmals gibt es dann eine direkte Pipeline zwischen Russland und Deutschland, die nicht das Territorium Weissrusslands oder der Ukraine passiert.
Nordeuropäische Pipeline heisst die neue Gasröhre offiziell (Foto: TV)
Grandioses europäisches Bauprojekt - Feuerwerk in der Taiga
Im nordrussischen Verwaltungsgebiet Wologda war mitten im Wald über Nacht eine regelrechte Zeltstadt mit Konferenzsaal und Pressezentrum entstanden. Mit Sonderflugzeugen waren Pressevertreter und VIP-Gäste mit Regierungschef Michail Fradkow an der Spitze in die Region geflogen worden. Zum Abschluss der Zeremonie schossen die Energieversorger ein Feuerwerk in den Himmel über der Taiga.
Gasprom-Chef Miller bezeichnete die Nordeuropäische Gaspipeline als “grandioses europäisches Bauprojekt”.
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) kam zu seiner ersten Auslandsreise überhaupt nach Nordrussland. Die Pipeline habe eine enorme Bedeutung bei der Absicherung der deutschen und europäischen Energieversorgung, sagte er. Anders als in den 70-er Jahren, als die ersten sowjetischen-deutschen Gasgrossprojekte während des Kalten Krieges noch politischen Sprengstoff geborgen hätten, sei “die deutsch-russische Energiezusammenarbeit heute eine Selbstverständlichkeit.”
Polen muss nicht in die Röhre gucken - der Transit durch die bestehende polnische Pipeline wird ab 2006 um 30 Prozent aufgestockt (Foto: TV)
Polnische Kritik an Ostsee-Pipeline wird schwächer
Zumindest bei den Osteurpäern gibt es allerdings noch immer Gegner der neuen Gasröhre. “Die Pipeline richtet sich gegen niemanden”, sagte Mecklenburgs Ministerpräsident Harald Ringsdorf zu den polnischen und baltischen Protesten gegen das Projekt. Sie sei als zusätzliche Leitung dringend nötig.
Tatsächlich soll der Gastransfer durch die bestehende Leitung in Polen von gegenwärtig 22 Mird Kubikmetern auf 33 Mrd bereits im kommenden Jahr aufgestockt werden. Entsprechend steigen auch die Transit-Einnahmen Polens um ein Drittel an.
Polen hat kein Interesse an Beteiligung
Damit dürften sich polnische Proteste ganz überholt haben. Polen habe selbst in den vergangenen Jahren und bisher kein eigenes Interesse an zusätzlichen Gaslieferungen oder etwa an einer Beteiligung an der Ostsee-Pipeline angemeldet, betonte E.ON Ruhrgas-Chef Burckhard Bergmann.
Strikte Umweltauflagen sollen Schäden vermeiden
Die nach Kriegsende in der Ostsee versenkten Chemiewaffen stellen nach Ansicht des Mecklenburgischen Ministerpräsidenten im Zusammenhang mit dem Pipelinebau keine Gefahr dar.
Nach Auskunft Stephan Kohlers von der Deutschen Energieagentur (Dena) soll die Pipeline in den Ostseegrund eingegraben werden, um Beschädigungen durch Anker oder Netze im Flachwasserbereich zu vermeiden.
Auch Gasprom-Chef Miller versprach in Babajewo, beim Bau der Ostseepipeline würden sogar noch striktere Umweltauflagen angewendet als bei den Pipelines, über die Nordseegas nach Deutschland gelange.
In einer ersten Bauphase wird die bereits bestehende Pipeline Grjasowez-Petersburg um eine weitere Röhre ergänzt und dann bis Wyborg verlängert. Die daran anschließende maritime Pipelinestrecke wird von Wyborg aus durch die Ostsee an Gotland und Bordesholm vorbei nach Greifswald geführt werden.
Mitte 2010 soll dann das erste Gas über den Grund der Ostsee nach Greifswald fliessen. Russisches Erdgas aus Sibirien soll auch in die Niederlande und Grossbritannien geliefert werden.
(-kp/gim/.rufo)
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Containerumschlag im Hafen von St. Petersburg: Auf diese Weise importiert Russland vor allem - exportiert werden vorrangig Rohstoffe wie Öl, Gas, Metall und Holz.(Topfoto:Deeg/.rufo)