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Das Bild des Jahres: An Heiligabend demonstrierte in Moskau eine riesige Menschenmenge gegen Wahlfälschungen (Foto: newsru.com)
Das Bild des Jahres: An Heiligabend demonstrierte in Moskau eine riesige Menschenmenge gegen Wahlfälschungen (Foto: newsru.com)
Freitag, 30.12.2011

Das war 2011 in Russland: Bomben, Pannen und Proteste

Moskau. Tsunami, Gaddafi und die ewige Euro-Krise – das waren die wichtigsten Stichworte international. Russland kam nicht so oft und lang anhaltend in die Welt-Schlagzeilen – aber einige Großereignisse gab es dennoch.

Am 24. Januar schlug der Terror aus dem Kaukasus einmal wieder nach Moskau über: Im Ankunftsterminal der Flughafens Domodedowo sprengte sich ein junger Selbstmordattentäter aus Inguschetien in die Luft. Es gab 37 Tote – darunter auch einige Ausländer, die gerade in Russland angekommen waren.

Bomben im Flughafen - und in Minsk in der Metro


Die Staatsführung reagierte mit einer Kampagne zur Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen und Bahnhöfen – und sorgte dafür, dass auch einige Verantwortliche aus Domodedowo sich vor Gericht verantworten müssen.

Ein blutiger und brutaler Terroranschlag erschütterte in diesem Jahr nicht nur das friedliche Norwegen, sondern auch die Gesellschaft Weißrusslands, das bisher ebenfalls weder im Visier von Islamisten noch von Rechtsradikalen gestanden hatte: Zwölf Tote und über 150 Verletzte forderte eine Bombenexplosion in der Minsker Metro am 11. April. Ein Gericht verurteilte inzwischen zwei der Tat überführte Männer zum Tode.

Unglücksbilanz: Die "Bulgaria" und zwei schwere Abstürze


Gefahren lauern aber auch im Schiffsverkehr – und dies nicht nur auf den Meeren: Schlendrian und Verantwortungslosigkeit – und noch dazu uralte Technik – führten am 10. Juli zu einer bedrückenden Katastrophe auf der Wolga. Das aus Kasan kommende Ausflugsschiff „Bulgaria“ kenterte bei stürmischem Wetter auf einem Wolga-Stauseeþ 122 Personen kamen ums Leben, darunter 28 Kinder. Nur 79 Menschen überlebten das Schiffsunglück.

Flugzeugabstürze gelten hingegen schon fast als alltägliches Nachrichten-Ereignis. Der fatale Crash einer Yak-42 in Jaroslawl am 7. September erregte dennoch weltweit Aufsehen und Beileid: An Bord der Chartermaschine saß die komplette Mannschaft des Eishockey-Topteams Lokomotive Jaroslawl.

Nur eine der 45 Personen an Bord überlebte den Absturz kurz nach dem Start. Verursacht hatten ihn offenbar die Piloten selbst: Einer von ihnen stand unbewusst beim Beschleunigen auf der Bremse – die Maschine kam deshalb viel zu spät von der Piste weg.

47 Tote hatte im Juni der Absturz einer Tu-134 im Anflug auf den Flughafen von Petrosawodsk gefordert. Auch in diesem Fall lag die Verantwortung für den Crash bei der Cockpit-Crew, die bei miserablen Wetterbedingungen dennoch zur Landung ansetzte.

Ein schwarzes Jahr für die Raumfahrt


Nun aber genug mit Todesopferzahlen – wenn gleich die Serie der Crashs und Pannen damit noch nicht ausgeschöpft ist: Denn auch die russische Raumfahrt – glücklicherweise nur die unbemannte – hatte 2011 ein schwarzes Jahr: Raketenstarts misslangen am laufenden Band. Die Geschosse hoben zwar korrekt in Baikonur oder Plesezk ab, aber in der Endphase des Raketenflugs ging dann immer etwas schief.

So scheiterte das Vorhaben, eine Forschungssonde zum Mars-Mond Phobos zu schicken ebenso wie einer der Routine-Versorgungsflüge einer Progress-Kapsel zur Raumstation ISS. Auch zwei sündteuere Kommunikationssatelliten landeten nicht im Orbit, sondern verglühten kurz nach dem Start, als sie wieder herunterfielen.

Da freut es ja schon, dass am 4. November die sechs Männer, die 520 Tage lang in einer isolierten Raumschiff-Attrappe in einem Moskauer Forschungsinstitut einen Flug zum Mars simuliert hatten, unfallfrei „zur Erde zurückkehren“ konnten.

Kultur und Sport: EM-Qualifikation und Theater-Relaunch


Womit wir (vorübergehend) zu den angenehmen Dingen übergehen wollen: Das russische Kulturleben feierte in diesem Jahr mit dem angemessenen Pomp die Wiedereröffnung des Moskauer Bolschoi Theaters nach einer jahrelangen Generalsanierung. Mindestens eine halbe Milliarde Euro hat sich Russland die Reanimierung der Bühne Nr. 1 im Lande kosten lassen.

Und beim Sport? Weltbewegende Ereignisse hatte Russlands Sportwelt in diesem Jahr nicht zu bieten – aber es wurde die Grundlage für ein paar spannende Tage im nächsten Jahr gelegt: Die russische Fußball-Nationalmannschaft schaffte souverän die Qualifikation für die Europameisterschaft , die 2012 in der Ukraine und Polen stattfand. Nur deshalb ist der abschließende 6:0-Sieg über Andorra es wert, hier nochmals rekapituliert zu werden.

Platzwechsel auf dem Tandem: Der Frust-Faktor steigt


Jetzt aber endlich zur Politik, die sich ja sonst immer gerne in den Vordergrund drängt: 2011 stand in Russland lange Zeit im Zeichen der „Kandidaten-Frage“: Wer aus dem seit 2008 Bestand habenden Führungstandem wird am 4. März 2012 zur Präsidentenwahl antreten?

Dmitri Medwedew und Wladimir Putin demonstrierten zunächst, dass sie beide durchaus Interesse haben, das höchste Amt im Staate wieder einzunehmen – und leisteten sich einen von kleinen Sticheleien gegeneinander geprägten Vorwahlkampf.

Doch dann wurde alles in bester Einvernehmlichkeit gelöst – indem sich die beiden Politiker hinter den Kulissen untereinander einigten: Auf einem Parteitag von „Einiges Russland“ im September schlug Medwedew Putin als Präsidentschaftsbewerber vor – während dieser wiederum Medwedew zum ER-Spitzenkandidaten für die Duma-Wahl und zukünftigen Premierminister kürte.

Allerdings hatten die beiden Führungskräfte die Rechnung ohne den Wirt gemacht – und der ist in einem demokratischen System immer noch das Volk: Der angekündigte Ämtertausch erhöhte noch den Frust vieler Russen über die selbstherrliche Rolle der Kreml-Partei im politischen System – zumal diese nach vielen Skandalen alles andere als ein blendend weißes Image hat. Unter der bislang eher als politisch desinteressiert eingeschätzten russischen Bevölkerung begann Unmut zu gären.

Die Duma-Wahl wird zur Demokratie-Farce


Bei der Duma-Wahl am 4. Dezember kam die Quittung dann auf den Tisch: ER verlor wie zu erwarten seine bisherige Zwei-Drittel-Mehrheit in der Duma, musste sich aber auch mit einem Ergebnis unter 50 Prozent zufrieden geben – was ein Minus von 15 Prozent bedeutete.

Doch wie sich schnell herausstellte, war an vielen Orten offenbar an den Wahlergebnissen manipuliert worden – nicht nur bei der Duma-Wahl, sondern auch den vielerorts parallel stattfindenden Regional- oder Kommunalwahlen. Nur diese Wahlfälschungen haben ER die Mehrheit von 13 Sitzen in der Duma gesichert, behaupten die Oppositionsparteien.

Die Generation Internet geht auf die Straße


Die Forderung nach Neuwahlen und einem Abgang des Wahlbehörden-Chef Wladimir Tschurow wurden laut – und dies nicht etwa nur in Politikerreden, sondern auf der Straße: Angesichts des Betrugsverdachts erwachte in Russland plötzlich wieder der politische Bürgersinn. Bisher hatten oppositionelle Demonstrationen meist nur ein paar hundert, allenfalls einige tausend Menschen mobilisieren können – die damit rechnen mussten, beim geringsten Anlass auf das nächste Polizeirevier geschleppt zu werden.

Doch im Dezember kam es in Moskau zu zwei Großdemonstrationen mit mehreren zehntausend Teilnehmern – und die Staatsmacht ließ sie gewähren. Auch in anderen Städten vereinten Kundgebungen Kreml-Gegner von links bis rechts, Showstars und Polit-Größen – und das bislang als apolitisch geltende „Büro-Plankton“ unterstützte den Protest mit kreativen Losungen.

Der arabische Frühling (ein weiteres internationales Topthema des Jahres 2011) war auf seine Weise doch noch im russischen Winter angekommen. Nach einer Revolution rufen zwar momentan nur wenige Hitzköpfe, aber zum Jahresausgang ist offensichtlich, dass sich in Russland der Wind gedreht hat: Die vom Kreml „gelenkte Demokratie“ funktioniert so nicht mehr, das Land ist in einen Wandel eingetreten, erste Reformen wurden eiligst auf den Weg gebracht.

Putins Neustart 2012 - mit heftigem Gegenwind


Die in gut zwei Monaten anstehenden Präsidentenwahlen werden deshalb wohl nicht ganz so routiniert ablaufen, wie sich das das Tandem noch vor ein paar Monaten gedacht hat. Selbst eine Niederlage Putins erscheint nicht mehr völlig utopisch.

Russland bleibt also spannend – und Sie bleiben mit Russland-Aktuell auch 2012 immer gut informiert!



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jich 01.01.2012 - 17:56

Bomben, Pannen und Proteste

Sehr kurzsichtige Analsyse. Die hier ist besser:

http://nstarikov.ru/blog/14442


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