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Auch in russischen Vorstädten gibt es Gewalt, Ausschreitungen wie in Frankreich sind jedoch unwahrscheinlich. (Foto: TV)
Auch in russischen Vorstädten gibt es Gewalt, Ausschreitungen wie in Frankreich sind jedoch unwahrscheinlich. (Foto: TV)
Dienstag, 08.11.2005

Pariser Unruhen: Moskau nicht in Gefahr

Moskau. Die Ausschreitungen in Frankreich beherrschen auch die russischen Nachrichten. Ähnliche Gewaltausbrüche in Moskau gelten als unwahrscheinlich - weil es keine ähnlichen Konflikte gibt.


In den tristen Moskauer Vorstädten gibt es bereits zur Genüge Jugendliche ohne vernünftige Ausbildung und eine lohnende Zukunftsperspektive – und zwar nicht nur Zuwanderer-Kinder, sondern auch viele Russen. Gewalt, die von Hoffnungslosigkeit und Alkohol angeheizt wird, ist in den Plattenbau-Vierteln schon heute alltäglich.

Bald auch in Moskau Migranten-Ghettos?

Auch Moskau drohe die Bildung von ethnischen „Ghettos“, klagte der nationalistische Duma-Abgeordnete Dmitri Rogosin. „Ich habe Angst um meine Stadt”, sagte er in einem Interview mit der Zeitung “Nesawissimaja Gaseta”, „denn ich sehe, dass sie sich nicht in der richtigen Richtung entwickelt.“ Mit drei Millionen Migranten sei Moskau bereits deutlich überlastet, so Rogosin.

Bei Russland-Aktuell
• Rechtsextremisten oder Schafe im Wolfspelz? (08.11.2005)
• Rechtsradikale wollen durch Moskau marschieren (04.11.2005)
• Putin-Jugend legte den Verkehr in Moskau lahm (16.05.2005)
• Bürgermeister Luschkow will patriotische Jugend (16.08.2005)
In Wirklichkeit weiß niemand, wie viele Einwanderer aus den ehemaligen Sowjetrepubliken in Moskau leben. Viele leben ohne die schwer erhältlich Zuzugserlaubnis in der Stadt und arbeiten schwarz – oft zu erniedrigenden Bedingungen.

Einwanderer in Moskau suchen nicht den Konflikt

Gerade, weil sie oft illegal in der Hauptstadt leben und mit ihrem Verdienst die Familie in der Heimat über die Runden bringen müssen, meiden die meisten Einwanderer jeden unnötigen Kontakt mit der Staatsmacht. Für die meisten steht viel zu viel auf dem Spiel, so dass sie kaum an nächtlichen Pogromen teilnehmen werden.

Zumindest die Zuwanderer aus den südlichen GUS-Republiken haben auch nicht dieselben Probleme wie die revoltierenden Migranten in Frankreich: Die meisten sind noch in der Sowjetunion groß geworden, fast alle sprechen passabel Russisch.

Zudem haben sich auch 15 Jahre nach dem Übergang zur Marktwirtschaft noch keine echten Armen- und Reichenviertel in Moskau herausgebildet, in denen sich wie in Paris die gesellschaftlichen Probleme potenzieren. Nur ganz langsam entwickeln sich die billigen Wohngegenden im Osten und Südosten zu Kaukasier-Vierteln.

(-kp/.rufo)


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