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Bisher bietet Fluessiggas (LNG) keine Alternative zu den Pipelines - eine Gas-Opec ist damit unmoeglich (Foto: TV/Archiv)
Bisher bietet Fluessiggas (LNG) keine Alternative zu den Pipelines - eine Gas-Opec ist damit unmoeglich (Foto: TV/Archiv)
Mittwoch, 31.01.2007

Russland will von einer Erdgas-OPEC nichts wissen

Lothar Deeg, St.Petersburg. Schreckgespenst, Papiertiger oder legitime Genossenschaft? Der Iran schlägt Russland in aller Offenheit vor, eine „Gas-OPEC“ zu gründen. Der Kreml und Gazprom wollen damit aber nichts zu tun haben.


An das Preiskartell zahlreicher ölexportierender Staaten hat man sich in der westlichen Welt über Jahrzehnte als unvermeidliches Übel gewöhnt – beginnend mit der „Ölkrise“ 1973. Nun taucht immer wieder das Schlagwort einer „Gas-OPEC“ auf, die es bisher nicht gibt, die aber möglicherweise gegründet werden könnte – und zwar mit russischer Beteiligung.

Dieser Tage schaffte es das Thema von der theoretischen Erörterung in wirtschaftspolitischen Planspielen in die konkreten Nachrichten: Ajatollah Ali Chamenei, Irans faktischer Führer, schlug dem russischen Sicherheitsrats-Sekretär Igor Iwanow bei einem Besuch in Teheran die Gründung einer solchen Organisation vor.

Schließlich kontrolliere man gemeinsam „über die Hälfte der Weltreserven“. Es sind zwar real „nur“ 42 Prozent, aber droht dem Gas-süchtigen Europa nun etwa ein iranisch-russisches Bündnis als neues energiepolitisches Schreckgespenst?

In der Nato malt man sich die Gefahren eines Gas-Kartells aus


Bislang hat sich der Kreml diesbezüglichen Vorschlägen ebenso wie den Vorwürfen, ein solches Gas-Kartell zu erwägen, immer widersetzt – wenn gleich aus der russischen Gas-Industrie ab und an Stimmen zu hören sind, sich doch mit anderen Gas-Produzenten auf der Welt zusammenzutun, um Märkte und Preise gemeinsam zu kontrollieren.

Dass dies Ungemach für die westlichen Gas-Konsumenten bedeutet, wurde schon durch die Tatsache deutlich, dass im Herbst bei dem Rigaer Nato-Gipfel ein Bericht herumging, in dem die Gründung eines solchen Kartells durch Russland, den Iran, Libyen, Algerien, Katar und die mittelasiatischen Staaten ausgemalt wurde.

Algerien schlägt ebenfalls eine “Gas-OPEC” vor


Prompt bekam vor einigen Wochen der russische Energie- und Industrieminister Viktor Christenko bei einem Besuch in Algerien ebenfalls das Angebot unterbreitet, doch eine „Gas-OPEC“ zu gründen.

Damals schwieg Moskau betreten, denn prinzipiell möchte Russland nicht unnötig in den Verdacht geraten, mit seinen Energie–Exporten Weltpolitik zu betreiben. Viel mehr ist man bemüht, seinen Ruf als verlässlicher Partner im Energiegeschäft herauszustellen

Putins Chefberater Sergej Jastrshembski erklärte am Dienstag im russischen Fernsehen, bei der Unterstellung von Gas-OPEC-Plänen handele es sich um politisch motivierte „Bluffs“, Nervosität und den Ausdruck mangelnder Sachkenntnis.

Gas-OPEC ist technisch unmöglich, solange Gas an die Pipelines gebunden ist


Bei Russland-Aktuell
• Kreml dementiert angebliche Pläne für Erdgas-OPEC (14.11.2006)
• Putin: Kein OPEC-Beitritt Russlands (19.11.2004)
• 12:39 - OPECs Preispolitik günstig für Russland (09.01.2004)
• 13:20 - Russland Ölproduzent Nr. 1 (04.11.2003)
• Putins Profitstrategie: Kooperation statt Druschba (14.01.2007)
Tatsächlich macht die Gründung einer Gas-OPEC gegenwärtig keinen Sinn: Anders als Rohöl, dass mit Tankschiffen kreuz und quer über den Globus gefahren und auch in großen Mengen zwischengelagert werden kann, ist Erdgas keine Ware, die man flexibel handeln kann: Gas strömt fast ausschließlich durch Pipelines direkt von den Förderern zu den Verbrauchern – womit für beide Geschäftspartner so gut wie keine Alternativen bestehen, andere Lieferanten oder Kunden zu finden.

Deshalb wird Gas üblicherweise mit langfristigen Verträgen verkauft, wobei sich die Preise am mittleren Rohölpreis orientieren. Dem russischen Gas-Exporteur Gazprom (Gasprom) ist diese privilegierte Stellung lieb und teuer. Und man sieht dort nicht den geringsten Grund, an den exklusiven Verhandlungen mit den Abnehmern in der EU die Meinung eines fragwürdigen Kantonisten wie des Iran zu berücksichtigen, der zwar Öl, aber kein Erdgas nach Europa exportiert.

… erst müsste LNG eine Alternative zu den Pipelines werden


Bei Russland-Aktuell
• Merkel bringt russische Positionen nicht ins Wanken (22.01.2007)
• Weinstock – der Ölmanager mit feurigem Gemüt (10.01.2007)
• Georgien: Gas aus Iran statt aus Russland (24.10.2006)
• Kein Gas-Krieg: Ukraine einigt sich mit Russland (24.10.2006)
• Gazprom erhält Pipeline-Zugang nach Großbritannien (06.10.2006)
Wirtschaftlichen Sinn würde ein Gas-Kartell für die Produzenten also erst machen, wenn die gegenwärtig noch in den Kinderschuhen steckende Infrastruktur zur Gasverflüssigung und dem Transport von Flüssiggas so weit fortgeschritten wäre, dass sich auch hier ein freier Weltmarkt bildet. Das dürfte noch 15 bis 20 Jahre dauern. In dieser Frist werden wohl auch zahlreiche jetzt erst geplante Gas-Pipelines entstehen, die ebenfalls den Gas-Handel geografisch diversifizieren werden.

Bis jedoch einmal die Ostseepipeline, eine russische Röhre nach China oder das südosteuropäische „Nabucco“-Projekt Realität sind, kann eine „Gas-OPEC“ allenfalls ein politischer Verein sein. Für die isolierte Mullah-Republik Iran wäre ein solches Bündnis mit Russland wohl ein Gewinn, für Russland hingegen ein heikler Klotz am Bein.

Für Russland ware eine Gas-OPEC nur ein Klotz am Bein


Was wirklich dran ist an einem potentiellen Gasproduzenten-Bund, wird sich wohl schon im April zeigen: Dann treffen sich in Katar die Erdgas-Staaten der Welt zu einem Fach-Forum. Russland hat seine Teilnahme zugesagt. Doch das allein sagt wenig: Der „Öl-OPEC“ ist Russland schließlich auch nie beigetreten – dabei wurde sie schon 1960 gegründet und Russland fördert inzwischen soviel Öl wie Saudi-Arabien. (Lothar Deeg/ld/.rufo)


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