Geldwäscheverdacht: Kein US-Visum für Vizeminister
Binnenwasserwege für ausländische Yachten jetzt frei
Russland-Aktuell zur Startseite machen


Eine Beziehung mit Zukunft: Russland - EU
Eine Beziehung mit Zukunft: Russland - EU
Sonntag, 29.06.2008

Sanftes Vorspiel: EU-Russland-Partnerschaftsvertrag

Von Prof. Wolfgang Seiffert, Hamburg. War es kluge Taktik oder nur die übliche Fehlanalyse westeuropäischer Politiker und von ihnen beeinflusster Medien? Das Gipfeltreffen EU-Russland war wohl kaum ein „Treffen mit sanften Tönen“.

So hatte die „Wirtschaftswoche“ das Treffen angekündigt. Betrachtet man die Realitäten genauer, so deuten sie eher daraufhin, dass es nur ein Vorspiel zur grundsätzlichen Klärung war, die unaufhaltsam bevorsteht. Sowohl was die Beziehungen EU-Russland, aber auch was manche innereuropäischen Fragen betrifft.

Das beginnt schon bei der Zeitfrage. Stimmen aus Russland hoffen, das Abkommen in der Zeit zustande zu bringen, solang der französische Präsident Sarkozy der EU turnusmässig präsidiert, also bis Ende des Jahres. Vertreter der EU sind da schon vorsichtiger und veranschlagen einen Verhandlungszeitraum von wenigstens einem Jahr.

Die inhaltlichen Vorstellungen beider Seiten von dem neuen Abkommen lassen die Probleme noch gravierender erscheinen.

Es ist unrealistisch, von Russland Unterzeichnung der Energie-Charta zu erwarten.

So verspricht sich die EU vor allem „mehr Verlässlichkeit bei Energielieferungen“ aus Russland, manche hoffen sogar, Regelungen aus der „Europäischen Energie-Charta“, deren Ratifizierung Russland abgelehnt hat, in das neue Partnerschaftsabkommen hinein zu bekommen.

Bei Russland-Aktuell
• Medwedew Gastgeber bei EU-Russland-Gipfel in Sibirien (27.06.2008)
• Frankreichs Präsident Sarkozy für EU-Beitritt Kiews (28.05.2008)
• Schukow: Wir sind offen für Partnerschaftsvertrag (21.05.2008)
• EU-Russland: Regionale Kooperation trotz Veto aus Polen (12.10.2007)
Aber auch wer auf solche völlig unrealistischen Hoffnungen verzichtet, und „ nur“ auf ein zuverlässiges Frühwarnsystem für Energielieferengpässe setzt, muss mit langen und schwierigen Verhandlungen rechnen.

Freier Zutritt für russische Investoren nach Europa?


Zudem ist Russland längst wieder ein wirtschaftlich und finanziell starkes Land geworden, das seine eigenen Interessen und daraus folgenden Positionen selbstbewusst und zielstrebig vertritt. Dies zeigt sich nicht zuletzt bei seinen Forderungen, russischen Unternehmen und Fonds diskriminierungsfreien Zugang in die Wirtschaft der EU zu gewährleisten.

Noch gravierender erweisen sich die Probleme auf politischem Gebiet. Nicht nur, dass Staaten wie Polen, Litauen lange Zeit ein neues Abkommen EU – Russland überhaupt blockierten, auch bei dem nun beschlossenen Verhandlungsmandat besteht die EU auf „mehr Demokatie und Rechtsstaatlichkeit“ in Russland. In internationalen Fragen wie z.B. der Kosovo-Frage oder dem us-amerikanischen Raketenschild vertreten beide Seiten entgegengesetzte Standpunkte.

Kosovo und Raketenschirm: Russland will nicht, dass die EU eine „Regional-UNO“ wird

Besonders stört sich Russland verständlicher Weise an den fortgesetzten Versuche der EU, sich als „zweite UNO“ zu gerieren und überall dort aktiv zu werden, wo die allein entscheidende Kompetenz bei der UNO liegt.

Dies zeigte sich bei dem von Russland zurückgewiesenen Versuch der EU, im Kosovo Funktionen zu übernehmen, die der UNO zustehen, dies zeigte sich zuletzt bei dem Beschluss der EU Sanktionen gegen den Iran zu verhängen.

Sicher hätte die EU sich vorausgegangenen Sanktionen des Sicherheitsrates einfach anschliessen können. Doch offensichtlich wollte die EU demonstrieren, dass sie weiterhin wie der Sicherheitsrat selbst handeln kann . Der Affront gegen Russland ist offensichtlich.

EU hat die Kompetenz für Außenwirtschaftsbeziehungen …

Es ist kaum vorstellbar, dass Russland dieser Entwicklung bei ihren Vorstellungen für ein neues Partnerschaftsabkommen mit der EU keine Beachtung schenkt. Schließlich ist zwar die Kompetenz für die Außenwirtschaftsbeziehungen von den EU-Mitgliedsstaaten auf die EU übertragen worden, weshalb solche Partnerschaftsabkommen wie das EU-Russland-Abkommen zwischen der EU, den Mitgliedsstaaten der EU und dem jeweiligen Drittstaat, hier also Russland, geschlossen werden müssen.

… aber nicht für die Außen- und Sicherheitspolitik

Das gilt aber nicht für die Außen-und Sicherheitspolitik, die in der Souveränität der Mitgliedsstaaten geblieben sind. Alle Versuche, dies zu ändern, sind gescheitert: der „Verfassungsvertrag“ mit den Referenden in Frankreich und den Niederlanden (2006) und der „Lissabonner Vertrag“ mit dem Referendum in Irland (2008).

Bei Russland-Aktuell
• Polen kann Beziehungen EU – Russland nicht blockieren (22.06.2007)
• Die UN bringt die schon lange fällige Waffenruhe (14.08.2006)
• Russlanddeutsche zwischen Vergangenheit und Zukunft (13.04.2006)
• Wolfgang Seiffert: Skandal um Russlanddeutsche (07.04.2006)
• Moskauer Programm für Russlanddeutsche nur Glasperlen? (25.10.2007)
In den weiteren sieben Staaten, die über die Ratifizierung des „Lissabonner Vertrages“ noch nicht entschieden haben, liegt in einem (nämlich in der Tschechisch Republik) dem Verfassungsgericht eine Klage vor, die davon ausgeht, dass der „Lissabonner Vertrag“ mit der Verfassung nicht vereinbar sei (Eine solche Klage liegt auch in Deutschland dem Verfassungsgericht vor und es ist offen, ob der Bundespräsident die Ratifizierungsurkunde unterzeichnet).

Die Ablehnung der Herausnahme der Außen- und Sicherheitspolitik aus der Souveränität der einzelnen Mitgliedsstaaten der EU ist also groß und umfassend. Folglich muss rechtlich davon ausgegangen werden, dass die Außen- und Sicherheitspolitik auch weiterhin in der Souveränität der Einzelstaaten der EU verbleibt.

Mit Sicherheit wird der russische Präsident Medwedew, der erst im Mai auf dem Roten Platz in Moskau und Anfang Juni bei seiner Rede in Berlin erklärte, dass die Einhaltung des internationalen Rechts unerlässlich für den Frieden ist, diesem Umstand bei dem neuen Partnerschaftsabkommen entsprechend Rechnung tragen.


Gastkommentar von Wolfgang Seiffert, Hamburg

Prof. Dr. Wolfgang Seiffert war bis zur Erreichung der Altersgrenze 1994 Direktor des Instituts für osteuropäisches Recht der Universität Kiel und lehrte danach am Zentrum für deutsches Recht der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau. Er ist u.a. Autor des Buches "Wladimir Putin - Wiedergeburt einer Weltmacht"


Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.


Artikel versenden Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare


Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Sonntag, 29.06.2008
Zurück zur Hauptseite







(Topfoto: Siegmund/.rufo)


Mail an die Redaktion schreiben >>>








Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>


Schnell gefunden
Russland Veranstaltungen und Kultur-Events in D+A+CH

Die Top-Themen
St.Petersburg
Nach dem Schwulengesetz: „Wir wollen uns mehr zeigen!“
Kopf der Woche
Deripaska setzt auf Ex-Stasi-Agent und Putin-Spezi
Kommentar
G-8 u ASEAN: russische-amerikanische Beziehungsprobleme
Moskau
Protest-Lager: Barrikadnaja statt Saubere Teiche
Thema der Woche
Ämtertausch vollendet: Medwedew ist Premierminister
Kaliningrad
AirBerlin nimmt Kaliningrad wieder in Flugplan auf
Der Russland-Aktuell
Nachrichten-Monitor
Samstag, 26. Mai
01:03 

Geschichte Russland: Nikolaus II. wird gekrönt

Freitag, 25. Mai
20:02 

CH-Staatsanwälte legen Deripaska-Klagen zu den Akten

18:27 

Geldwäscheverdacht: Kein US-Visum für Vizeminister

18:03 

Baku: Missklänge beim Grand Prix – vorrangig politisch

17:09 

26-facher Mumienmacher muss in psychiatrische Klinik

16:26 

Medwedew will „Einiges Russland“ intern demokratisieren

14:37 

Russische Motorradfahrer im Irak freigelassen

13:28 

Fünf Tote: Familientragödie unter Russen in den USA

12:47 

Schlägerei bei Sprach-Debatte im ukrainischen Parlament

11:09 

Binnenwasserwege für ausländische Yachten jetzt frei

09:27 

Ferien! Heute letzter Schultag für Russlands Schüler

01:03 

Russland Geschichte: Aus finstersten Tiefen

Donnerstag, 24. Mai
18:22 

ESC: udmurtische Äffin sagt Sieg der Babuschki voraus

17:57 

Russland verliert Raketen-Radarstation in Aserbaidschan

17:22 

Trotz Timoschenko: Polen und Ukraine erwarten gute EM

16:14 

Nach dem Schwulengesetz: „Wir wollen uns zeigen!“

15:04 

Alu-Zar Deripaska verliert Petersburger Großprojekt?

13:58 

Minister verspricht Abschleppdienst per Helikopter

12:42 

Irak: Vier russische Biker sitzen in Militär-Gefängnis

12:13 

Vergewaltigtes Kind im Müllschlucker: 22,5 Jahre Haft

10:53 

Kremlwache kauft Atomschlag-sichere Kinder-Wiegen

09:23 

Demonstrantenführer Udalzow wieder auf freiem Fuß

01:03 

Geschichte Russland: Die „Aurora“ läuft vom Stapel

Mittwoch, 23. Mai
18:23 

Moskauer sollen eigene Speakers Corners bestimmen

17:53 

Ukraine lehnt Behandlung von Häftlingen im Ausland ab

17:13 

Verletzte bei Bruchlandung von Militärflugzeug

16:24 

Vor der EM: Sportjournalist pöbelt über Nationalspieler

15:11 

Tschetschenische Saurier-Eier sind profane Steine

13:51 

Kapitalflucht aus Russland kann auf 100 Mrd. USD steigen

12:35 

Anti-Alkoholkampagne: Wodka in Jakutien nur nachmittags

12:04 

Rosneft-Boss Setschin – der Mann, der Yukos beerbte

10:20 

Russlands Pop-Omas singen sich ins Finale des ESC

08:53 

Gorbatschow dementiert Gerüchte über seinen Tod

01:03 

Russland Geschichte: Schachkönig Karpow geboren

Dienstag, 22. Mai
18:33 

Späte Wiedergutmachung: Beutekunst zurück in Russland

Unseren kompletten
aktuellen News-Uberblick
finden Sie bei
russland-news.RU

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.


Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.sotschi.ru, www.baltikum.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.kultur.ru, www.puschkin.ru, www.wladiwostok.ru, www.sotschi.ru ... und noch einige andere mehr!
Russia-Now - the English short version of Russland-Aktuell








google.com
yahoo.com