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Alexander Solschenizyn starb am Sonntag in Moskau im Alter von 89 Jahren (Foto: Archiv/.rufo)
Alexander Solschenizyn starb am Sonntag in Moskau im Alter von 89 Jahren (Foto: Archiv/.rufo)
Montag, 04.08.2008

Schriftsteller Alexander Solschenizyn gestorben

Moskau. Russlands bekanntester Gegenwarts-Schriftsteller ist tot. Alexander Solschenizyn, Nobelpreisträger für Literatur, ist am Sonntag in Moskau gestorben. Er arbeitete zuletzt an der Herausgabe seiner gesammelten Werke.

Solschenizyn wurde am 11. Dezember 1918 in der südrussischen Stadt Kislowodsk, einem bekannten russischen Kurort im Kaukasus geboren. Während des Zweiten Weltkriegs kämpfte er als Offizier einer Artillerieeinheit an der Westfront gegen die Deutsche Wehrmacht.

Solschenizyn als Konterrevolutionär zu Gulag-Haft verurteilt


Einige Monate vor Kriegsende wurde er jedoch überraschend von der russischen Spionageabwehr festgenommen. In Briefen an die Heimat hatte der junge Solschenizyn auch Kritik an Stalin geübt.

Nach dem berüchtigten Artikel 58 des Strafgesetzbuches (konterrevolutionäre Tätigkeit) wurde er zu acht Jahren Lagerhaft im Gulag verurteilt. 1953, kurz vor dem Tod Stalins, wurde er entlassen, blieb aber weiterhin in Kasachstan in der Verbannung.

Literarische Verarbeitung seiner Lagerhaft


Erst 1956 wurde die Verbannung aufgehoben, der krebskranke Solschenizyn konnte sich in Rjasan, in der Nähe von Moskau, niederlassen. Seine Erfahrungen als Lagerhäftling und in der Verbannung verarbeitete Solschenizyn später in seinen Werken immer wieder.

Bei Russland-Aktuell
• Nobelpreisträger Solschenizyn in Moskau gestorben (04.08.2008)
• Solschenizyn warnt vor vorrevolutionären Zuständen (27.02.2007)
• Solschenizyn und Bulgakow – Stoff für TV-Serien? (17.02.2006)
• Solschenizyn: Keine Gefahr für die Demokratie (06.06.2005)
• Solschenizyn feiert seinen 85. Geburtstag (12.12.2003)
Nach der von Chruschtschow vorsichtig eingeleiteten Entstalinisierung der Sowjetunion konnte Solschenizyn 1962 die Erzählung: „Ein Tag im Leben des Iwan Dennissowitsch“ veröffentlichen und wurde damit über Nacht bekannt.

Nobelpreis für „Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch“


In dem Buch schildert er den grausamen Alltag des Häftlingslebens in einem Gulag aus der Sicht des Gefangenen Iwan Denissowitsch. Die Erzählung wird auch im Westen schnell bekannt. 1970 soll der russische Schriftsteller dafür sogar mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet werden, doch konnte Solschenizyn die Auszeichnung nicht persönlich entgegen nehmen.

Die Zeiten in der Sowjetunion hatten sich geändert. Die Tauwetterperiode unter Chruschtschow war nach dessen Absetzung beendet worden. Solschenizyn wurde 1969 aus dem sowjetischen Schriftstellerverband ausgeschlossen und nach der heimlichen Veröffentlichung des Buchs „Der Archipel Gulag“ wurde der Schriftsteller schließlich sogar aus der Sowjetunion ausgewiesen und ihm die Staatsbürgerschaft aberkannt.

Rückkehr in seine geistige Heimat


Solschenizyn lebte zunächst in der Bundesrepublik bei Heinrich Böll, später in den USA. Erst 1990 unter Michail Gorbatschow bekam er die sowjetische Staatsbürgerschaft zurück. Vier Jahre später kehrte er selbst nach Russland zurück, das stets die geistige Heimat des Schriftstellers und Dramatikers blieb.

In den 90er Jahren galt der bekennende orthodoxe Christ Solschenizyn als moralische Instanz in Russland. Allerdings ist sein Spätwerk auch umstritten. Insbesondere das Buch „200 Jahre zusammen“, in der er die jüdisch-russische Geschichte bis zur Oktoberrevolution schildert, wird von vielen Kritikern als antisemitisch bewertet.

Arbeit an den gesammelten Werken


2007 wurde er von Präsident Wladimir Putin mit dem Staatspreis der russischen Föderation ausgezeichnet. Solschenizyn war zu der Zeit schon schwer krank. Bis zu seinem Lebensende arbeitete er jedoch an der Herausgabe seiner etwa 30 Bände umfassenden gesammelten Werke.

Am Sonntag starb Solschenizyn nach Angaben seines Sohnes Stepan in seinem Haus am Stadtrand von Moskau an den Folgen einer akuten Herzschwäche. Die Nachrichtenagentur Interfax berichtet unter Berufung auf „literarische Kreise“ in Moskau von einem Schlaganfall als Todesursache.



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