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Besser als sein Ruf - Der Hafen von St. Petersburg (Foto: Deeg/.rufo)
Besser als sein Ruf - Der Hafen von St. Petersburg (Foto: Deeg/.rufo)

Ein Mittelständler unterwegs in Russlands Weiten

St. Petersburg. Lieber über die Ostsee Fähre fahren als auf dem Landweg leiden: Die Lübecker Spedition „Schultz u. Sohn“ kann den schlechten Ruf des Petersburger Hafens nicht bestätigen.

Das Russland-Geschäft ist schwierig, kann seinen Betreibern aber auch Freude und Gewinn bringen. Diesen Eindruck vermittelt ein Gespräch mit Michael Breiter, dem Chef der Petersburger Tochter der Spedition „Schultz u. Sohn GmbH“. Das mittelständische Transportunternehmen ist seit 1998 im Russland-Verkehr aktiv.

Auf drei Jahre veranschlagt Michael Breiter die reine Aufbauphase für die russische Niederlassung: Erst 2000 brachte die Firma ihren ersten eigenen Lkw nach Russland. Inzwischen sind in St. Petersburg sechs Zugmaschinen stationiert. „Wir sind kein klassisches Landtransportunternehmen, sondern ein sogenannter RoRo-Carrier“, erklärt Breiter.

Michael Breiter (Foto: Deeg/SPZ)
Michael Breiter (Foto: Deeg/SPZ)
Die Lastwagen holen die in Petersburg oder in finnischen Häfen per Fähre ankommenden Sattelauflieger ab und fahren sie zu den Kunden. Wenn es sein muss, bis Nowosibirsk, wohin Schultz u. Sohn vor zwei Jahren eine Milchverarbeitungsanlage lieferten.

Etwa zwei Drittel der Fracht bleiben jedoch im Großraum Petersburg. In der Gegenrichtung organisiert das Unternehmen unter anderem Schnittholz-Transporte aus dem Ural für einen Großkunden in Deutschland – im Jahresdurchschnitt zwei Lkw-Fuhren pro Tag. In Perm wurde deshalb eine Filiale gegründet.

Russland-Verkehr als neues Standbein

Inzwischen ist die Abwicklung von Transporten zwischen Westeuropa und Russland eines von drei Standbeinen des Unternehmens, das in Deutschland etwa 60 Sattelzugmaschinen im Einsatz hat. Daneben betreibt die 1924 gegründete Privatfirma noch einen Lagerhauskomplex im Lübecker Hafen.

Ein eigenes Lager in St. Petersburg unterhält sie nicht. Dies mache nur als Zoll-Lager einen Sinn, doch würden die dafür zu leistenden Bürgschaften einen Mittelständler überfordern, so Breiter. Überhaupt bemühe man sich, mit dem Zoll so wenig Schwierigkeiten wie möglich zu haben: „Die Abwicklung der Zollformalitäten ist eine Sache für Zollbroker und nicht unser Metier.“

Prüfen, ob die Papiere stimmen, muss die Spedition aber auch aus eigenem Interesse, um mit ihren Transporten nicht am Schlagbaum hängen zu bleiben. Zwei Mitarbeiter in Lübeck seien hauptsächlich damit beschäftigt. Und auch im Petersburger Hafen kümmert sich eine Vertreterin um den reibungslosen Ablauf.

Breiter bricht eine Lanze für den vermeintlichen logistischen Flaschenhals: „Der Petersburger Hafen wird oft schlecht geredet. Bei vielen Kunden gehen die Rolläden runter, wenn sie hören, dass ihre Fracht durch den Baltischen Zoll gehen soll. Der galt früher als problematisch“.

Mittlerweile habe sich das aber gebessert – sofern man die Spielregeln beachtet: „Wenn die Dokumente so sind, wie der Zoll das will, dauert die Abfertigung maximal 24 Stunden“, berichtet Breiter.

Bei Russland-Aktuell
• Weltoffen: Neuer Passagierhafen für Petersburg (5.5.2005)
• Zollumstellung verursacht Probleme (23.01.2004)
• Ostseehäfen steigern Containerumschlag (21.07.2004)
• Petersburger Hafen schlägt 20 Mio. Tonnen um (12.12.2003)
„In Lübeck sind die Schlaglöcher tiefer“

Auch von anderen klassischen Russland-Schreckgespenstern – den Schlaglöchern und der Mafia – will Breiter wenig wissen: Die Straßenqualität sei, solange der Asphalt nicht endet, erträglich. In Lübeck gebe es tiefere Schlaglöcher.

„Auf der Zufahrt zum Lübecker Hafen hatte selbst ein russischer Fahrer schon mal richtig Angst um seinen Lkw“, erzählt er lachend. Und mit der Kriminalität habe die Spedition „keine Erfahrungen gemacht, die anders wären als in anderen Ländern auch“.

Zwei Probleme: Dumping und Headhunter

Stören tun ihn dagegen ganz andere Dinge: etwa das russische Arbeitsrecht. „Hier werden gute Leute gnadenlos weggekauft – und das mit nur 14 Tagen Kündigungsfrist.“ Hat der Spezialist dann noch Resturlaub, sei er von einem Tag auf dem anderen nicht mehr am Arbeitsplatz.

Ein anderes Problem ist die Konkurrenz durch kleine Speditionen aus Weißrussland oder dem Baltikum, die den billigeren, aber riskanteren Landweg nach Russland bedienen. Deren Dumping-Preise seien nur durch den Verzicht auf Rückstellungen, mangelnde Sicherung der Fracht und Unterversicherung machbar, so Breiter. „Ein Qualitätsmerkmal bei uns ist, dass die Güter mit 200.000 Euro versichert sind – und bei denen mit 10.000 Dollar“.

Aber auch deutscher Schlendrian kann einem Spediteur graue Haare wachsen lassen: Zum Stadtjubiläum 2003 bekamen Schultz u. Sohn den Auftrag, die komplette Requisite einer Theatertruppe nach Petersburg zu bringen.

Die Zoll-Bedingungen für die „zeitweise Einfuhr“ sind dabei besonders streng, so Breiter. Doch die nötige Beschreibung und Abbildung aller Objekte war den Theaterleuten lästig. „Als erstes haben wir den ganzen versteckten Alkohol rausgezogen.
Und dann alles – vom Damen- schlüpfer bis zur Soundanlage – selbst fotografiert und aufgelistet“, berichtet Breiter. „Wir waren pünktlich da, hatten zwar mächtig Stress – aber auch Spaß dabei.“

(ld/rufo-SPZ)


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Sicherheitsabstand sieht anders aus. Aber wenn an der Peter-Pauls-Festung in St. Petersburg der Rundflug-Helikopter startet und landet, sind Zuschauer immer ganz nah dabei. Sobald sie allerdings der Rotorwind samt Staubwolke erfasst, haben die Neugierigen wieder etwas Nützliches fürs Leben gelernt. (Topfoto: Deeg/.rufo)



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