Eine Rekonstruktion des Unfalls am Computer. (Bild: kp.ru)
Mittwoch, 13.02.2008
Dienst-Mercedes des GAI-Chefs rammt Fußgängerin
Moskau. Peinlich für Verkehrspolizei-Chef Viktor Kirjanow: Sein Dienst-Mercedes fuhr eine Fußgängerin an, sie erlitt eine Gehirnerschütterung. Zeugen widersprechen der Polizei: Das Blaulicht war abgeschaltet.
Der Unfall ereignete sich gestern auf der Uliza Soljanka (Russland-Aktuell berichtete). Eine Frau lief zwischen den vor einer Ampel in zwei Spuren wartenden Autos über die Straße. Die nur für öffentliche Verkehrsmittel freigegebene Gegenfahrbahn war in diesem Moment frei.
Diesen Umstand nutzte allerdings auch der Fahrer des Dienstwagens von GIBDD-Chef Kirjanow. Er scherte über den doppelt durchgezogenen Mittelstreifen aus und fuhr an dem Ampelstau vorbei.
Kirjanow leistete Erste Hilfe
Den Zusammenstoß mit der zwischen den stehenden Autos auftauchenden Fußgängerin konnte der Chauffeur nicht verhindern. Sie schlug mit dem Kopf auf die Windschutzscheibe des silbernen Mercedes E 320. Wie Zeugen berichteten, kümmerten sich Kirjanow und sein Fahrer sofort um das Unfallopfer, setzten die Frau in ihr Auto und leisteten Erste Hilfe. Die 30-jährige wurde in eine neurochirurgische Klinik eingeliefert, die erste Diagnose lautete auf Gehirnerschütterung.
Das Innenministerium wies in einer Presseerklärung daraufhin, dass die Fußgängerin die Straße an einer dafür nicht zulässigen Stelle überquert habe. Außerdem hätte Kirjanows Dienstwagen wegen seiner Sondersignale gegen die Verkehrsregeln verstoßen können.
Wie der „Kommersant“ heute schreibt, sagen Augenzeugen aber aus, dass zum Unfallmoment Sirene und die rot-blauen Blinklichter auf dem Dach des Dienstwagens abgeschaltet waren. Nur deren Einsatz (zulässig bei „dienstlicher Notwendigkeit“) hätte dem Fahrer des obersten “Gaischnik“ das Recht gegeben, derart grob gegen die Verkehrsregeln zu verstoßen.
Einer internen Dienstanweisung zufolge schraubte der Chauffeur anschließend Nummernschilder und Blaulicht ab und verstaute alles im Kofferraum. Dies dient offenbar dazu, unnötige Aufmerksamkeit zu vermeiden.
GAI-Chef beweist eigene Unfallstatistik
Dennoch ist der Unfall heute ein großes Thema in den russischen Medien. Kirjanow bewies sich nämlich bislang als ein Befürworter von strengeren Strafen bei groben Verkehrsverstößen. Wie er unlängst selbst erklärte, sei das unerlaubte Benutzen der Gegenfahrbahn Unfallursache Nr. 2 in Russland – nach überhöhter Geschwindigkeit. Und erst vor einer Woche war er von Präsident Wladimir Putin wegen ineffektiver Maßnahmen im Kampf gegen die Unfallhäufigkeit kritisiert worden.
„Wenn der Chef der Verkehrspolizei nicht in der Lage ist, die Fortbewegung seiner Untergebenen zu organisieren, soll man dann damit rechnen, dass sie in der Lage sind, anderen Verkehrsteilnehmern die Beachtung der Verkehrsregeln beizubringen?“, fragt Viktor Trawin, Leiter einer Autofahrer-Rechtsschutzorganisation.
Verkehrspolizisten und die Fahrer von hochrangigen Persönlichkeiten gelten in Russland mit als die übelsten Verkehrsrowdys – weil ihnen faktisch alles erlaubt ist und niemand es wagt, sie zur Rechenschaft zu ziehen. Zwar musste in letzter Zeit an vielen Dienstwagen die Blaulichter abgeschraubt werden, die diese Sonderstellung auch nach außen unterstrichen. An der Zwei-Klassen-Gesellschaft auf den Straßen hat dies aber so viel nicht geändert.
Kommt es dann zu einem Unfall, wird die Schuld mit schöner Regelmäßigkeit dem anderen Beteiligten in die Schuhe geschoben. Autofahrer-Vertreter sind sich sicher, das es in diesem Fall auch so sein wird.
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