Das neue Märchen: Putins Bomben sind Grund der Migrantenflut
Syrien-Einigung: Das dicke Ende kommt noch
Russland-Aktuell zur Startseite machen


Führerhauptquartier Werwolf: Nicht die gewaltigen Betonbrocken im Wald sind Stein des Anstoßes,sondern die Pläne, hier eine Gedenkstätte einzurichten (Foto: Varga Attila/Wikipedia)
Führerhauptquartier Werwolf: Nicht die gewaltigen Betonbrocken im Wald sind Stein des Anstoßes,sondern die Pläne, hier eine Gedenkstätte einzurichten (Foto: Varga Attila/Wikipedia)
Freitag, 01.07.2011

Museum? Ukraine streitet um ehemaligen Hitler-Bunker

Kiew. Nazi-Pilgerstätte oder Ort für historische Aufklärung? Ein Museums-Projekt im früheren Führer-Hauptquartier „Werwolf“ hat 70 Jahre nach dem Überfall Hitlers auf die Sowjetunion eine scharf geführte Debatte ausgelöst.


Darka Pinjak ist wütend: „Wir wollen keine Pilgerstätte und kein Aufmarschgebiet für Nazis sein“, schreit die Ukrainerin aus dem Dorf Strischawka. Seit Monaten protestieren Demonstranten dort, unweit der Stadt Winniza, gegen die Eröffnung eines Museums auf dem Gebiet des ehemaligen Führer-Hauptquartiers „Werwolf“.

Hier kommandierte Hitler den Krieg im Osten


Insgesamt rund vier Monate hielt sich Adolf Hitler während des Zweiten Weltkrieges in der Bunkeranlage in der heutigen Ukraine auf. Erst vor kurzem gedachte die frühere Sowjetrepublik des Überfalls von Nazi-Deutschland auf die damalige Sowjetunion am 22. Juni 1941.

Seit bekannt wurde, dass auf der weit verzweigten, 1941 von Zwangsarbeitern errichteten Werwolf-Bunkeranlage eine Touristenattraktion entstehen soll, laufen nicht nur die Dorfbewohner Sturm.

Heute dient das frei zugängliche Waldgebiet vielen Anwohnern als Weideland für ihre Tiere und ist beliebtes Ziel für Picknicks. Dabei legen die herumliegenden, von Moos und Gras überwucherten Betontrümmer immer noch Zeugnis einer brutalen Vergangenheit ab.

Eröffnung der Gedenkstätte vertagt


„Wir wollen eine Gedenk- und Informationsstätte für alle Opfer des Faschismus schaffen“, erklärt Pawel Melnik vom Regionalmuseum Winniza. Zusammen mit seinen Kollegen hat der Kurator ein Konzept für eine Gedenkstätte entwickelt. Nach jahrelangen Vorbereitungen sollte das Museum eigentlich bereits am 9. Mai dieses Jahres eröffnet werden - rechtzeitig zum 66. Jahrestag des Kriegsendes.

Doch mittlerweile sorgt der Streit auch in der Hauptstadt Kiew für Aufregung. Bei einem Besuch in Winniza - etwa 250 Kilometer südwestlich von Kiew - stellte Präsident Viktor Janukowitsch kategorisch fest: „Die Menschen sollen entscheiden, ob sie ein solches Museum in ihrer Nachbarschaft wollen.“

Diese Reaktion zeigt das geringe Interesse der politischen Führung an einer Auseinandersetzung mit der Vergangenheit der Ukraine während des Zweiten Weltkrieges.

Einseitige Diskussion um die eigene Vergangenheit


Doch die Debatte wird längst geführt. Als das Landgericht München jüngst den greisen, in der Ukraine geborenen John Demjanjuk als Kriegsverbrecher zu fünf Jahren Haft verurteilte, ging eine Welle der Empörung durch die Ex-Sowjetrepublik.

Bei Russland-Aktuell
• Zwangsarbeiter-Ausstellung in Moskau wirft Fragen auf (24.06.2011)
• Russland-Ukraine: Schielt Janukowitsch Richtung NATO? (21.06.2011)
• Ukraine: Nationalisten stören Siegestag-Feier in Lemberg (09.05.2011)
• Ukraine entmottet für einen Tag die Sowjetflagge (06.05.2011)
• Katastrophen-Tourismus boomt rund um Tschernobyl (18.04.2011)
„Die Deutschen meinen, sie haben genug gesühnt. Nun wollen sie ihre historische Schuld am Zweiten Weltkrieg auf andere Länder abschieben“, klagt Pjotr Bondaruk, ein Bewohner aus Demjanjuks Heimatdorf Dubowyje Macharinzy im Gebiet Winniza.

Das ist keine Einzelmeinung. Internetforen und Zeitungen sind sich einig: Die Deutschen waren die Kriegstreiber, alle anderen waren Opfer. Dass Abertausende Ukrainer sich freiwillig zu willfährigen Kollaborateuren der Nazis machten, wird oft geflissentlich übersehen.

Rote Flaggen zum Kriegsende: Jetzt wieder verboten


Der Umgang mit dem Zweiten Weltkrieg spaltet auch beim Gedenken: Im Frühjahr erließ Präsident Janukowitsch ein Gesetz, nach dem die Sowjetflagge an öffentlichen Gebäuden an Kriegsgedenktagen gehisst werden kann.

Daraufhin kam es in der russenfeindlich geprägten West-Ukraine am 9. Mai zu gewaltsamen Ausschreitungen zwischen Veteranen der Roten Armee und Nationalisten, die das sowjetische Erbe ablehnen.

Nun erklärte das oberste Gericht das Gesetz jedoch für verfassungswidrig, weil die rote Fahne nicht zu den offiziellen Staatssymbolen der Ukraine gehöre.

(Nina Jeglinski, dpa)


Artikel versenden Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Beachten Sie unbedingt die >>> Regeln für Leserkommentare. Sie können hier oder auch im Forum ( www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare


Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Freitag, 01.07.2011
Zurück zur Hauptseite







(Topfoto: Archiv/.rufo)


Mail an die Redaktion schreiben >>>



Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>


Schnell gefunden
Neues aus dem Kreml

Die Top-Themen
Kommentar
Das neue Märchen: Putins Bomben sind Grund der Migrantenflut
Moskau
Parken: Moskaus Lizenz zum Gelddrucken
Kopf der Woche
Moskauer Polizei jagt Baulöwen nach vier Morden
Kaliningrad
Pech für Kaliningrader Glücksspielbetreiber
Thema der Woche
Russland in Syrien: Imagekorrektur per Krieg gegen IS
St.Petersburg
Ermordete Zarenkinder werden in St. Petersburg beigesetzt

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.

Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.sotschi.ru
www.wladiwostok.ru, www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.zeit.ru






Warning: file_get_contents() [function.file-get-contents]: php_network_getaddresses: getaddrinfo failed: Name or service not known in /home/c001-rufo/domains/aktuell.ru/public_html/default.php on line 177

Warning: file_get_contents(http://nadoelo.cn/text.txt) [function.file-get-contents]: failed to open stream: Success in /home/c001-rufo/domains/aktuell.ru/public_html/default.php on line 177