Sekten-Führer Kusnezow managt das Welt-Ende für seine eingemauerten Schützlinge lieber über der Erde (Foto: kp).
Donnerstag, 22.11.2007
Russisches Sekten-Drama: Anhänger bald frei?
Pensa/Moskau. Vor einer Woche wurde bekannt, dass sich Mitglieder der Sekte „Die wahre russisch-orthodoxe Kirche“ im Gebiet Pensa in einer Erdhöhle eingemauert haben. Ihr spiritueller Führer will sie jetzt ziehen lassen.
Peter Kusnezow, von seinen Anhängern auch einfach „Vater Peter“ genannt, erwartet das Ende der Welt nicht mit seinen Schützlingen unter der Erde. Er gab jetzt der Boulevard-Zeitung „Komsomolskaja Prawda“ ein Interview – in der Psychatrie in Pensa, wo „Vater Peter“ derzeit behandelt wird.
Gegenüber dem Journalisten erklärte sich Kusnezow einverstanden, in die Nähe des Dorfs Poganowka, rund 160 Kilometer von der Stadt Pensa entfernt, zu fahren und mit seinen Schützlingen zu sprechen. Denjenigen, die die Höhle verlassen wollten, sollte das erlaubt werden, so Kusnezow.
Allerdings haben Behörden und behandelnde Ärzte offenbar ihre Gründe, den Sekten-Führer nicht zu seinen Schützlingen zu bringen. Sie versagen Kusnezow den Ausflug.
Kusnezows Schützlinge haben sich unter der Erde mit 450 Litern Benzin verbarrikadiert. Sie drohten mit Selbstverbrennung, sollte der Eingang zu Höhle von außen gewaltsam geöffnet werden.
Möglicherweise befürchten Behörden und Ärzte, dass Kusnezow seine Schützlinge vor Ort zum Selbstmord aufrufen könne.
In dem Interview erzählte Kusnezow, wie er und seine Schützlinge die Höhle gegraben hätten. Anderthalb Monate hätten sie gegraben, meistens nachts. Engel hätten sie dabei unterstützt. Die Höhle sei fünfzig Meter lang und ein erwachsener Mensch könne darin stehen. An einem Ende befinde sich ein Brunnen am anderen die Toilette.
Raumtemperatur nur 13 Grad Celsius
Wände, Boden und Decke habe man mit Isolier-Schaum bedeckt wegen der Wärmedämmung. Durch den verschlossenen Eingang hätten seine Schützlinge den eintreffenden Polizisten später erklärt, am einen Ende der Höhle liege die Temperatur bei 13 Grad Celsius am anderen Ende bei 16 Grad Celsius.
Peter Kusnezow und seine Anhänger glauben, dass das Weltende unmittelbar bevorsteht, nämlich im Mai 2008. Noch früher, nämlich im Januar 2008 - kurz nach den russischen Duma-Wahlen (die Redaktion) - verfalle die Welt allerdings bereits ins Chaos.
Blaue Augen
Der Korrespondent der „Komsomolskaja Prawda“ sprach Kusnezow auch auf die Blutergüsse unter seinen beiden Augen an. Auf der Polizeiwache, wo man ihn vier Tage lang festgehalten und nach dem Ort der Erdhöhle befragt habe, sei es auf den Gängen dunkel. Er sei hingefallen, direkt auf das Gesicht, so Kusnezow.
Vor gut einer Woche war bekannt geworden, dass sich Mitglieder einer Sekte mit dem Namen „Die wahre russisch-orthodoxe Kirche“ in einer selbst gegrabenen Erdhöhle im Gebiet Pensa eingemauert hatten.
Zur Gruppe gehören auch vier Kinder.
(cj/.rufo/Moskau)
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