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Nach der Theorie Darwins stammt der Mensch vom Affen ab. Doch nicht alle glauben dieser Lehre (Foto: Archiv)
Nach der Theorie Darwins stammt der Mensch vom Affen ab. Doch nicht alle glauben dieser Lehre (Foto: Archiv)
Samstag, 10.03.2007

Streit um Darwin: Orthodoxe stammen nicht vom Affen ab

André Ballin, Moskau. Die Frage nach dem Ursprung des Lebens beschäftigt derzeit russische Gerichte. Dass der Mensch vom Affen abstammt, bezweifelt vor allem die orthodoxe Kirche in Russland.

In einer ersten Verhandlungsrunde scheiterte die 16-jährige Petersburger Schülerin Maria Schreiber mit ihrem Ansinnen, die von Charles Darwin (1809-1882) entwickelte Evolutionslehre aus den russischen Biologiebüchern zu verbannen. Doch die Darwin-Gegner geben nicht auf. „Ich schätze unsere Chancen in der Berufung auf 50:50“, sagt der Vater der Klägerin, Kyrill Schreiber.

„Biologieunterricht verstößt gegen Glaubensfreiheit”


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Die Abstammungslehre Darwins sei genauso wenig bewiesen wie alle anderen Theorien, argumentiert die Klägerin. Daher verstoße es gegen ihr Recht auf Gewissens- und Religionsfreiheit, wenn diese Theorie als „einzig wissenschaftliche“ im Unterricht abgefragt, die biblische Schöpfungsgeschichte hingegen als unwissenschaftlich abqualifiziert werde. In einem ersten Verfahren wies das Gericht die Klage der bekennenden orthodoxen Christin ab. Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten Darwin-Anhänger mit Slogans wie „Die Erde ist eine Scheibe“ und „Alle Bio- Lehrerinnen sind Hexen“.

Doch die Schreibers ließen sich nicht entmutigen und gingen in Berufung. Immerhin weiß die Familie eine große Unterstützerfront hinter sich.

„Inzwischen hat die moderne Biologie die Theorie
Darwins schon weit hinter sich gelassen. Mittlerweile bestreiten Wissenschaftler ihr wichtigstes Postulat, dass eine Art in eine andere übergehen kann. Mutation und Selektion sind offensichtlich nicht ausreichend für die Entstehung neuer Arten. Jedenfalls gibt es dafür keine Beweise“, sagt Wsewolod Tschaplin, Sprecher der russisch-orthodoxen Kirche.

Ist Darwins Lehre nur eine Hypothese?


Priester Michail Dudko vom Kirchlichen Außenamt des Moskauer Patriarchats nennt die Lehre Darwins lediglich eine „Hypothese“, die in Widerspruch zur christlichen Weltsicht stehe: „Natürlich darf die Evolutionstheorie unterrichtet werden, aber nicht als einzige und alternativlose wissenschaftliche Darstellung der Weltentstehung.“

Selbst Patriarch Alexij II. schaltete sich in die Kontroverse über die Evolutionslehre ein und erklärte: „Wenn jemand glauben möchte, dass er vom Affen abstammt, so mag er das glauben, aber dann soll er diese Ansichten nicht anderen aufzwingen.“ Offiziell mischte sich die Kirche zwar nicht in den Prozess ein. Familie Schreiber zeigte sich dennoch zufrieden mit dem kirchlichen Beistand, beobachteten doch mehrere Geistliche die Verhandlungen.

Einigkeit bei Ablehnung der Darwin-Lehre zwischen Christen, Juden und Moslems


Die orthodoxe Kirche ist keineswegs die einzige Institution in Russland, die Darwins Lehre in Zweifel zieht. Auch Muslime und Juden stehen ihr reserviert gegenüber. Der Petersburger Rabbiner Zwi Pinski erklärte, dass die Evolutionstheorie mit der Tora, der hebräischen Bibel, nicht vereinbar sei. Daher sollte Darwin im Unterricht nur als eine Alternative, nicht als „absolute Wahrheit“ präsentiert werden.

Russen mehrheitlich gegen Neuschreibung der Biologiebücher


Doch die Mehrheit der Russen ist nicht dafür, die Biologie-Schulbücher neu zu fassen. 65 Prozent der vom Meinungsinstitut WZIOM Befragten sprachen sich gegen eine Neuausrichtung des Biologieunterrichts aus - im Unterschied zu den USA, wo christliche Fundamentalisten an Einfluss gewinnen und auf die Verankerung der Schöpfungsgeschichte im Biologieunterricht drängen. Ähnliche Bestrebungen gibt es vereinzelt auch in Europa.

Für Maria Schreiber ist der Ausgang des Prozesses übrigens nicht mehr ausschlaggebend. „Die Schule wird sie in Russland nicht mehr weiter besuchen. Sie nimmt derzeit Privatstunden“, gibt Vater Kyrill Auskunft. In einem Monat fliege sie dann in die Dominikanische Republik, wo sie sich einem neuen Projekt widmen werde, verrät er.

(ab/epd/.rufo/Moskau)


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