Fleisch in der Auslage eines Moskauer Markthändlers (Foto: Kurizina/.rufo)
Freitag, 22.12.2006
Umfrage: Braucht Russland Fleisch aus der EU?
Moskau. Rumänien und Bulgarien treten 2007 der EU bei. Russlands Regierung befürchtet nun Lieferungen von minderwertigem Fleisch aus diesen Ländern. Russland-Aktuell fragte Moskauer, ob sie diese Ängste berechtigt finden.
Irina: Russisches Fleisch ist so gut wie EU-Fleisch (Foto: Kurizina/.rufo)
Irina, Redakteurin: Ich bin überzeugt, dass russische Fleischprodukte den europäischen in der Qualität kaum nachstehen. Darum sollte unsere Regierung in erster Linie einheimische Fleischbetriebe auf den russischen Markt lassen. Dieses Privileg würde sowohl den Kunden als auch den Produzenten gut tun.
Michail, Fleischverkäufer auf einem Markt: Meiner Meinung nach sollte Russland auf europäisches Fleisch verzichten. Für die EU geht es um einen Millionenvertrag, und auf Papieren werden die Standards eingehalten sein. In der Tat sind aber Lieferungen aus Rumänien durch Drittländer nicht ausgeschlossen. Ich glaube einfach nicht, dass eine richtige Qualitätskontrolle in diesem Fall möglich ist. Und unseren Behörden reichen so weit nicht die Hände, das Fleisch auf allen Märkten überprüfen zu können. Außerdem sind unsere Fleischproduzenten nicht nur imstande, die Bedürfnisse des russischen Marktes zu befriedigen, sondern könnten darüber hinaus noch viel mehr Fleisch herstellen. Und die Qualität ist eindeutig hoch.
Jelena:
Jelena, Sportkommentatorin: Russland sollte seine eigenen Fleischproduzenten unterstützen. Ich glaube, sie könnten den russischen Markt auch selbständig mit Fleisch versorgen. Man muss ihnen aber ein bisschen helfen. Oder einfach nicht stören, was unsere Regierung so gern macht. Europäische Landwirte genießen zum Beispiel die volle Unterstützung ihrer Staaten. Das sollte sich Russland zum Vorbild nehmen. Im Großen und Ganzen vertraue ich aber der Qualitätskontrolle, die unsere Märkte durchführen. Ich kaufe Fleischprodukte immer auf dem Leningradski Markt. Ihren ständigen Kunden werden Marktverkäufer nie minderwertige Lebensmittel anbieten.
Gennadi: Keine Panik! (Foto: Kurizina/.rufo)
Gennadi, Rentner: Ich meine nicht, dass weitere Lieferungen aus der EU auch nach dem Beitritt Rumäniens und Bulgariens für den russischen Kunden prinzipiell etwas ändern würden. Er kann sowieso nicht überprüfen, woher das Fleisch kommt. Was heute auf den Verkaufstischen liegt, ist auch nicht unbedingt von einem lizenzierten Schlachtbetrieb. Aber ich sehe keinen Anlass für Panik, man muss das Fleisch nur richtig zubereiten.
Alissa, Rubrikleiterin beim Rundfunk „Goworit Moskwa”: Es ist vielleicht nicht so schlimm, dass Russland das Fleisch in Europa einkauft. Es wäre aber sinnvoller, unseren Agrarsektor zu fördern und Landwirte, die noch nicht völlig resigniert haben, mit staatlichen Zuschüssen zu unterstützen. Wenn das Fleisch aber unbedingt importiert werden muss, dann müssen die Zertifikate ernsthaft überprüft werden.
(ak/.rufo)
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