Über die Entlassung von Michail Chodorkowski soll schon bald entschieden werden (Foto: Djatschkow/.rufo)
Freitag, 18.07.2008
Ein Monat Bewährung für Chodorkowski
Moskau. Der nächste Monat dürfte entscheidend sein für das Schicksal von Michail Chodorkowski. Bis zum 15. August soll ein Gericht im ostsibirischen Tschita über eine vorzeitige Entlassung für Chodorkowski entscheiden.
Den Antrag auf vorzeitige Entlassung hatten Chodorkowskis Anwälte erst in dieser Woche abgegeben. Gleichzeitig rief die Mutter des prominentesten Strafgefangenen in Russland Präsident Dmitri Medwedew dazu auf, ihrem Sohn die Freiheit zu schenken. Dies sei das schönste Geschenk zur goldenen Hochzeit, die im Herbst stattfinden werde, schrieb Marina Chodorkowskaja in der „Nowaja Gaseta“.
Kein Gnadengesuch, sondern Antrag auf Entlassung wegen guter Führung
Chodorkowski selbst hatte bewusst auf ein Gnadengesuch verzichtet. Stattdessen wählte er den Weg über die vorzeitige Entlassung wegen guter Führung. Diese Möglichkeit steht prinzipiell jedem Strafgefangenen in Russland offen, wenn er mehr als die Hälfte der Haftzeit abgesessen hat. Ein Schuldbekenntnis ist nicht nötig.
Dies war die Voraussetzung für den Antrag, zu dem Chodorkowskis Anwälte den einst reichsten Mann Russlands erst überreden mussten. Chodorkowski, seit 2003 im Gefängnis und 2005 wegen Betrugs und Steuerhinterziehung zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, bestreitet nach wie vor seine Schuld.
Nun soll ein kleines Kreisgericht im Gebiet Tschita darüber entscheiden, ob Chodorkowski, der einst als mächtiger Gegenspieler des Kremls galt, frei kommt oder nicht. Die erste Sitzung werde auf jeden Fall bis zum 15. August stattfinden, betonte der verantwortliche Richter Igor Falilejew.
Neue Prozesse gegen Chodorkowski
Freilich wird der Fall dadurch erschwert, dass gegen den Ex-Milliardär ein weiterer Prozess vorbereitet wird. So wird ihm jetzt auch noch gemeinsam mit seinem ehemaligen Vize-Chef bei Yukos, Platon Lebedew, vorgeworfen, Öl im Wert von umgerechnet 18 Mrd. Euro gestohlen zu haben.
Demnach soll der Yukos-Konzern konsequent seine Tochterfirmen Juganskneftegas, Tomskneft und Samaraneftegas betrogen haben, indem er den Förderbetrieben das Öl zu einem niedrigen Preis abkaufte, um es dann teuer weiter zu verkaufen. Chodorkowskis Anwälte nannten diese neue Anklage, die dem Häftling an seinem 45. Geburtstag überreicht wurde, „absurd“.
Chodorkowski – ein aufsässiger Häftling?
Allerdings sind die neuen Anklagen nicht das einzige mögliche Hindernis für eine vorzeitige Entlassung auf Bewährung. Immerhin hatte die Gefängnisleitung in Tschita mehrfach versucht, Chodorkowski als Störenfried innerhalb der Anstalt zu diskreditieren.
Einer der ehemaligen Mithäftlinge Chodorkowskis sagte aus, dass er von den Behörden zu einer Falschaussage gezwungen worden sei. Demnach habe Chodorkowski sich nicht an die Vorschriften des Personals gehalten. Aufsässige Häftlinge haben keine Chance auf eine vorzeitige Entlassung.
Und doch gibt es Hoffnung für Chodorkowski – zumindest nach Aussage von Alexander Prochanow, Chefredakteur der populistischen Zeitung „Sawtra“. Die Entscheidung zugunsten einer Entlassung Chodorkowskis sei längst gefallen, behauptet Prochanow. Als Gegenleistung habe sich der Ex-Yukos-Chef zu politischer Enthaltsamkeit verpflichtet.
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... und in der Ferne glänzen die goldenen Kreml-Kuppeln vor dem Winterpanorama der Stadt Moskau. Das historische Moskau, das "Goldköpfige" genannt, hatte 40x40 goldene Kirchenkuppeln. ( Topfoto: mig/.rufo)