Alexej Kudrin hält Island für einen sicheren Hafen für russische Kredite (Foto: Galejew/.rufo)
Mittwoch, 08.10.2008
Militärbasis für Milliardenkredit? Island dementiert
Reykjavik/Moskau. Islands neuer Freund heißt Russland. Moskau räumt dem Inselstaat 4 Mrd. Euro Kredit ein. Einen Kuhhandel soll es aber nicht geben. Reykjavik wies Spekulationen um eine russische Militärbasis zurück.
„Wir haben von unseren Freunden nicht die Unterstützung bekommen, die wir erbeten haben", klagte Islands Premier Geir Haarde. Er sei über die ausbleibende Hilfe der westlichen Staaten enttäuscht, machte der Premier deutlich.
Island wird auf der Suche nach neuen Freunden in Russland fündig
„In dieser Lage muss man sich nach neuen Freunden umschauen“, erklärte Haarde. Der neue Freund heißt Moskau. Finanzminister Alexej Kudrin erklärte, dass Russland der Bitte um Kredit, „positiv" gegenüber stehe.
„Island ist als Land mit strenger Haushaltsdizplin bekannt“, sagte Kudrin. Der Kredit sei eine sichere Geldanlage, fügte er hinzu.
Günstiger Kredit für Island
Über die Sicherheit der isländischen Banken und des Haushalts gehen die Aufassungen allerdings auseinander. Nach Angaben der Nachrichten-Agentur Bloomberg sind die Aktiva isländischer Banken neunmal höher als der Etat des Landes. Die Schulden übersteigen den Haushalt sogar um das Zwölffache.
Der russische Kredit dient dazu, die schwächelnde isländische Krone zu stabilisieren. Die Summe von 4 Mrd. Euro soll für einen Zeitraum von 3 - 4 Jahren zum Kreditsatz LIBOR (derzeit 5,49%) gewährt werden.
Politische Argumente für den Kredit?
Der Zinssatz sei niedrig und bei der Entscheidung über die Kreditvergabe sind geopolitische Faktoren berücksichtigt worden, mutmaßt der Analyst von Troika Dialog, Jewgeni Gawrilenkow.
Zumindest in Island wird ein politischer Kuhhandel jedoch dementiert. Es werde weder eine russische Militärbasis auf Island geben, noch werde Island aus der NATO austreten, erklärte Haarde und betonte: „Wir sind ein Gründungsmitglied der NATO.“
Blockade der NATO-Integration von Ukraine und Georgien schwierig
Eine andere Option wäre allerdings, dass Moskau mit Hilfe von Reykjavik die geplante Erweiterung des Militärbündnisses nach Osten – sprich um die Ukraine und Georgien – aufhält. Der Politologe Fjodor Lukjanow macht sich diesbezüglich allerdings wenig Illusionen.
Der Einfluss Islands in der NATO sei gering, die Integration Georgiens und der Ukraine mit Islands Hilfe zu blockieren, werde daher schwierig, meinte der Chefredakteur der Zeitschrift „Russia in Global Affairs“.
Mach mal Pause, erst recht in dieser Hitze. Das dachte sich auch dieser Kranführer im Petersburger Hafen, dem dafür wenigstens ein luftiges Plätzchen zur Verfügung steht.( Topfoto: Deeg/.rufo)