Bassajew will Anerkennung von Tschetschenien um jeden Preis.
Freitag, 08.04.2005
Moskau rüstet zum Siegestag und gegen Bassajew
Moskau. Moskau rüstet zum Tag des Sieges über Hitlerdeutschland. Befürchtet werden Terroranschläge, vor allem solche mit entführten Passagierflugzeugen nach dem Vorbild der Angriffe auf die Zwillingstürme in New York. Moskau sei in diesen Tagen ein attraktives Ziel für Terroristen, heißt es. Hier versammeln sich nahezu alle Staats- und Regierungschefs der Welt.
„Der Krieg wird – InschaAllah (so Gott es will) – bald in Moskau mit der Anerkennung der Unabhängigkeit Tschetscheniens im Tausch gegen die Sicherheit Russlands enden“, erklärte der in Moskau als „Terrorist Nr. 1“ geltende radikale Separatistenführer Schamil Bassajew in einem Internet-Interview. Um dieses Ziel zu erreichen, sei er zu allem bereit.
Wie beim Papstbegräbnis
Anfang Mai werde die russische Hauptstadt so aussehen, wie Rom vor und während der Beisetzung des Papstes Johannes Paul II., schrieb die „Nesawissimaja Gaseta“ in einem Kommentar. Zumindest trifft das für die geplanten Sicherheitsvorkehrungen zu. In Moskau sollen nicht nur die Zufahrten zum Stadtkern abgeriegelt, sondern auch U-Bahnstationen geschlossen werden. Damit der Himmel über der Stadt frei bleibt, sichern 20 Kampfflugzeuge der Typen Mig und Suchoi sowie 20 Kampfhubschrauber alle Anflugrichtungen.
Alle „fremden“ Ziele über Moskau sollen abgeschossen werden. Eine Wiederholung des tollkühnen Fluges des Hobbypiloten Matthias Rust aus dem Hamburger Vorort Wedel wird niemand wiederholen können. Bisher beispiellos: Von Terroristen entführte Passagiermaschinen sollen abgeschossen werden. Das erklärte der Befehlshaber der Moskauer Luftabwehr General Juri Solowjow. Es gebe zwar noch kein Gesetz hierüber, sagte er am Donnerstag vor Journalisten. Er werde aber den Schießbefehl erteilen. „Wenn ich sie nicht abschießen lasse, werde ich in Handschellen abgeführt; werden sie abgeschossen, kriege ich auch die Handschellen angelegt“, sagte er zur Begründung.
Abschussdrohung galt Bassajew
Ex-Kollegen des Generals äußerten sich skeptisch zu der Ankündigung. Vor allen Dingen reiche die Zeit nicht, wenn eine Maschine vom Flughafen Wnukowo starte, heißt es. Vermutlich galt die Solowjow-Erklärung in erster Linie dem Terrositen Bassajew, meinen viele Kommentatoren. Dieser solle es ja nicht versuchen. Wenn wirklich geschossen werde, wäre das Versprechen Solowjows, „nichts“ werde auf Moskau fallen, unter keinen Umständen zu halten.
Grundlos ist die Nervosität der Sicherheitskräfte nicht. Irgendetwas hatten die Separatisten zum Siegestag immer unternommen. Am 9. Mai 2002 hatten sie einen verheerenden Sprengstoffanschlag im dagestanischen Kaspijsk veranstaltet. Bei der Festveranstaltung in Grosny fiel im vergangenen Jahr der moskautreue Republikchef Achmed Kadyrow einer Bombenexplosion zum Opfer. In Moskau ist an diesem Tag das Schlimmste bisher ausgeblieben.
Maschadow wird vermisst
Dies ist nicht zuletzt dem früheren tschetschenischen Präsidenten Aslan Maschadow zu verdanken, der um seine Reputation im Westen nicht zu beschädigen, auf ausländische Feiertagsgäste Rücksicht nahm. Der Untergrundpräsident wurde aber vor kurzem vom russischen Armeegeheimdienst beseitigt, und Bassajew, der jetzt das Sagen im Gebirge hat, gilt als unberechenbar. Auf seine Rechnung gehen Bombenexploionen in Moskau, Angriffe auf Dagestan, die Geiseltragödie in einem Moskauer Musicaltheater und in Beslan, um nur einige zu nennen.
Kadyrows Prahlerei
Eine radikale Lösung schlug der Sohn des getöteten Ex-Präsidenten Kadyrow, Ramsan, vor. Kadyrow junior kündigte an, er werde Bassajew schon vor dem 9. Mai fangen. „InschaAllah“, kann man dazu nur sagen. Gott gebe es. (adu/.rufo)
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Sicherheitsabstand sieht anders aus. Aber wenn an der Peter-Pauls-Festung in St. Petersburg der Rundflug-Helikopter startet und landet, sind Zuschauer immer ganz nah dabei. Sobald sie allerdings der Rotorwind samt Staubwolke erfasst, haben die Neugierigen wieder etwas Nützliches fürs Leben gelernt. (Topfoto: Deeg/.rufo)