Von Baikonur aus soll in 2007 der erste iranische Kommunikationssatellit starten (Foto: Ballin/.rufo)
Freitag, 28.10.2005
Russland vom Iran brüskiert, Sputnik fliegt trotzdem
Moskau. Kaum war gestern der erste Aufklärungs-Sputnik des Iran mit einer russischen Rakete gestartet, forderte der iranische Präsident, Israel zu vernichten. Moskau fühlt sich brüskiert, will den Iran aber nicht isolieren.
Unpassender konnte der anti-israelische Auftritt des iranischen Präsidenten aus Moskauer Sicht gar nicht kommen, hatte sich doch Russland besonders in letzter Zeit darum bemüht, den Iran aus der internationalen Isolation herauszuholen. Die anti-israelischen Tiraden des Iranis könnten nicht nur diese Anstrengungen zunichte machen, sondern auch noch Moskau Probleme machen.
Schnelle Annäherung von Moskau und Teheran- bis gestern
Am Dienstag nahm der iranische Vizepremier Parwis Dawudi in Moskau an der Tagung der „Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit“ teil, die von manchen Moskauer Aussenpolitik-Experten als „Anti-Nato“ apostrophiert wird.
Fünf vor Zwölf drückt der iranische Vizepremier dem russischen Premierminister Fradkow die Hand zum Schanghai-Treffen (Foto: TV)
Die „Schanghai-Gruppe“ hatte schon dank der Zusammenarbeit von Russland, Kasachstan, Usbekistan, Kirgisien, Tadschikistan und China erhebliches strategisches Gewicht. Kurz vor dem diesjährigen G-8-Gipfel wurden auch der Indien, der Iran und Pakistan zur „Schanghai-Gruppe“ eingeladen. Wladimir Putin konnte so sein eigenes spezifisches Gewicht in der G-8-Runde erhöhen. In den Staaten der \\"Schanghai-Gruppe\\" lebt zusammen genommen mehr als die Hälfte der Menschheit.
Putin und Ahmadinedschad telefonieren über Atomprogramm
Moskau war wenig erbaut über den Wahlsieg des fundamentalistischen Mahmud Ahmadinedschad bei den iranischen Präsidentenwahlen. Aber dann griffen doch Waldimir Putin und Mahmud Ahmadinedschad zum Telefon und besprachen unter anderem auch, wie die atomare Zusammenarbeit der beiden Länder fortgesetzt werden könne. Sie diene den Interessen beider Länder und der Stabilität der Region, hiess es anschliessend.
Moskau besteht auch gegenüber amerikanischer Kritik darauf, dass es um rein zivile Nutzung der Atomenergie unter strengster Aufsicht der Internationalen Atomaufsichtsbehörde IAEO geht. Militärisch nutzbare Technologien werden, so betont das Moskauer Aussenministerium immer wieder, auf keinen Fall weitergegeben. Der Nichtweiterverbreitungsvertrag für Atomwaffen werde streng eingehalten.
Moskau bietet dem Iran Sputnik-Bau und -Start - gegen harte Devisen
Dieser Philosophie entsprechend hatte Moskau dem Iran auch angeboten, dessen Satelliten in die Umlaufbahn zu bringen. Damit wurde internationale Kritik am iranischen Sputnik-Programm gedämpft. In 2003 hatte der Iran ursprünglich angekündigt, eigene Satelliten mit eigenen Trägerraketen starten zu wollen. Insbesondere die USA und Israel befürchteten, diese Trägerraketen könnten auch mit atomaren Sprengköpfen bestückt werden.
Ahmadinedschad kann George Bush nicht in die Augen, aber in die Ranch schauen
Ganz harmlos sind aber auch die iranischen Satelliten selbst nicht. In Bau ist im sibirischen Krasnojarsk für 132 Millionen USD ein Kommunikations-Satellit „Zohreh“. Ein Aufklärungssatellit „Mesbah“ wird für 10 Millionen USD in Italien gebaut. Für 8 Millionen USD im sibirischen Omsk (Firma Poljot) bereits fertiggestellt und für 1,6 Millionen USD gestern im nordrussischen Kosmodrom Plessetzk erfolgreich gestartet wurde der Sputnik „Sinah“.
„Sinah“ überfliegt sonnenlicht-synchron den gesamten Globus und kann so mit einer Auflösung von vier Metern alle Kontinente ablichten - inclusive Bush-Ranch, Bagdad und Tel Aviv.
Moskau hält die iranischen Ausfälle für wenig hilfreich
Die Drohung des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, der Staat Israel werde bald von der Erdoberfläche verschwinden, wurde darum auch in Moskau als besonders unpassend empfunden. Der russische Aussenminister Sergej Iwanow, der sich auf einer Nahost-Mission befindet, erklärte, natürlich habe der Staat Israel ein Existenzrecht. Etwa ein Viertel der Israelis stammt aus Russland.
Es sei wenig hilfreich, was der iranische Präsident da geäussert habe. Lawrow formulierte allerdings doch zurückhaltender als andere europäische Staaten. „Was ich da im Fernsehen gesehen habe, ist inakzeptabel“, sagte Lawrow.
Moskau will keine UNO-Sicherheitsratsdebatte und keine Sanktionen gegen den Iran
Moskau war bisher dagegen, das iranische Atomprogramm im UNO-Sicherheitsrat zu diskutieren, weil dies den Weg zu Sanktionen gegen den Iran eröffnen könnte. Wirtschaftsanktionen würden auch die russisch-iranische Kooperation gefährden. Der iranische Präsident habe denen Vorschub geleistet, die sein Land vor den Sicherheitsrat bringen wollen, sagte Lawrow.
Der iranische Botschafter in Moskau soll zur Erklärung ins russische Aussenministerium zitiert werden. In einer am Freitagmorgen verbreiteten Erklärung der Botschaft heisst es, Präsident Ahmadinedschad sei nicht richtig verstanden worden. Er habe nur der Forderung nach freien Wahlen in den von Israel okkupierten Palästinensergebieten Nachdruck verleihen wollen.
(gim/.rufo)
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Sicherheitsabstand sieht anders aus. Aber wenn an der Peter-Pauls-Festung in St. Petersburg der Rundflug-Helikopter startet und landet, sind Zuschauer immer ganz nah dabei. Sobald sie allerdings der Rotorwind samt Staubwolke erfasst, haben die Neugierigen wieder etwas Nützliches fürs Leben gelernt. (Topfoto: Deeg/.rufo)