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Swiad Gamsachurdia starb 1993 während des georgischen Bürgerkriegs (foto: newsru.com)
Swiad Gamsachurdia starb 1993 während des georgischen Bürgerkriegs (foto: newsru.com)
Montag, 05.03.2007

Tschetschenien: Leiche von Gamsachurdia exhumiert

Grosny. In Tschetschenien ist der Leichnam des 1993 ums Leben gekommenen georgischen Ex-Präsidenten Swiad Gamsachurdia exhumiert worden. Lange Zeit war angenommen worden, sein Grab sei im Krieg zerstört worden.


Gamsachurdia soll am 31. März, seinem 68. Geburtstag, mit allen Ehren, die einem ehemaligen Staatsoberhaupt zustehen, in Tiflis erneut bestattet werden – zum vierten Mal. Dies erklärte der Vizebürgermeister der georgischen Hauptstadt nach der Sitzung einer speziellen Regierungskommission, die sich mit der Umbettung des Leichnams des ersten Präsidenten des unabhängigen nachsowjetischen Georgiens befasste.

Ramsan Kadyrow ließ die Präsidenten-Leiche bergen


Allerdings ist es offenbar weniger dieser bislang nicht aktiven Kommission, als einem Einverständnis zwischen der Familie Gamsachurdias und der tschetschenischen Führung unter dem erst letzte Woche offiziell zum Präsidenten ernannten Ramsan Kadyrow zu verdanken, dass Gamsachurdias Grab jetzt gefunden und geöffnet wurde – und dabei keine Zweifel mehr bleiben, dass es die richtige Leiche ist.

Seine Witwe Manana Artschwadse, die in Georgien ein Oppositionsbündnis führt, erklärte in einem Interview mit „Wremja Novostej“, dass in Grosny zweifelsohne das richtige Grab geöffnet worden sei: Es haben sich darin Gegenstände befunden, von denen nur sie, ihre Schwester und ihre beiden Söhne gewusst hätten.

Gewaltsamer Tod Gamsachurdias ist keine Überraschung


Die russische Staatsanwaltschaft kündigte an, ein Ermittlungsverfahren einzuleiten, wenn bei der geborgenen Leiche „Anzeichen für einen gewaltsamen Tod“ entdeckt werden sollen. Dabei wird es sich aber wohl eher um eine Formsache handeln, denn dass es diese gibt, ist kein Geheimnis: Gamsachurdia starb an Sylvester 1993 in Westgeorgien an einem Kopfschuss. Ob dies ein politischer Mord oder ein Selbstmord war - darüber sind noch immer unterschiedliche Versionen in Umlauf.

In jedem Fall sollte der Leichnam am heutigen Montag in die Militärpathologie nach Rostow-am-Don gebracht werden, um eine wissenschaftlich fundierte Identifikation vorzunehmen. Wie und wann die Übergabe an Georgien bzw. an die Familie Gamsachurdias stattfinden soll, ist noch offen.

Vom Dissidenten zum Bürgerkriegskämpfer


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Der ehemalige Dissident war 1990 an die Spitze des Obersten Sowjets gewählt worden und erklärte im April 1991 die Unabhängigkeit Georgiens. Danach wurde er zum Präsidenten gewählt, konnte sich aber nicht lange im Amt halten: Noch im gleichen Jahr brach in Georgien ein blutiger Bürgerkrieg aus, in dem Gamsachurdia gestürzt wurde und via Armenien ins damals quasi-unabhängige Tschetschenien ins Exil ging. In Georgien übernahm daraufhin schließlich der von Moskau protegierte ehemalige Sowjet-Außenminister Eduard Schewardnadse die Regierung.

Im Herbst 1993 versuchte Gamsachurdia mit seinen Anhängern in Westgeorgien erneut eine Machtübernahme. Der bewaffnete Aufstand wurde jedoch niedergeschlagen – und ihr gescheiterter Anführer fand unter ungeklärten Umständen den Tod. Seiner Familie gelang es, den provisorisch begrabenen Leichnam nach zwei Monaten nach Grosny zu überführen, wo er im Februar 1994 vom damaligen Machthaber Dschochar Dudajew mit allen Ehren bestattet wurde.

Witwe beschuldigt Schewardnadse


Da Gamsachurdias Grab im ersten wie im zweiten Tschetschenienkrieg mitten in der Kampfzone lag, wurde der Sarg von tschetschenischen Kämpfern schon damals mindestens einmal umgebettet.

Gamsachurdias Witwe beschuldigte in dem Interview indirekt Schewardnadse, für den Tod ihres Mannes verantwortlich zu sein. „Schewardnadse steht hinter allem, was damals mit uns geschah. Er ist der Hauptschuldige!“ sagte sie. Der Tod ihres Mannes sei darüber hinaus Mord gewesen. Die Täter und Hintermänner seien ihr bekannt, doch könne sie deren Namen noch nicht nennen, so Artschbadse.

(ld/rufo/St.Petersburg)


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