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Was tun? Die Umfragewerte für Putin sinken (Foto: Sonitschew/.rufo)
Was tun? Die Umfragewerte für Putin sinken (Foto: Sonitschew/.rufo)
Mittwoch, 16.11.2011

Umfragetief für den Premier: Putins Stern sinkt

Moskau. War die erneute Kandidatur als Präsident ein Fehler? Nach gut einem Jahrzehnt an der Macht wird die Unterstützung für Wladimir Putin in Russland lauer. Das Wahlvolk ist müde. Der Premier fällt in ein Umfragetief.

Nach wie vor ist Wladimir Putin der populärste Politiker in Russland. Immer noch bewerten einer Umfrage des Lewada-Zentrums nach etwa 61 Prozent der Bevölkerung Putins Tätigkeit als Premierminister positiv. Die Präsidentschaftswahlen im März wird er zweifellos gewinnen, das staatliche Fernsehen trägt mit seiner Dauerberichterstattung seinen Teil dazu bei.

Russen sehen aufkommenden Personenkult


Allerdings ist die Omnipräsenz Putins vielen Russen inzwischen auch ein Dorn im Auge. 25 Prozent der Befragten meinen, dass um Putin ein Personenkult veranstaltet wird. Weitere 30 Prozent erklärten, noch gebe es keinen Personenkult, doch die Vorzeichen für sein Aufkommen mehren sich. Zusammen ist das bereits mehr als die Hälfte der Befragten.

Nur 33 Prozent der Bevölkerung sehen keine Anzeichen dafür. Vor fünf Jahren haben noch 57 Prozent den Verdacht des Personenkults um Putin von sich gewiesen.

Bei Russland-Aktuell
• Putin darf vor Präsidentenwahlen 5 Mrd. Euro verteilen (08.11.2011)
• NATO: Putin als Präsident bringt Russland zur Blüte (25.10.2011)
• Bevorstehender Tandem-Tausch: Putins Clan war stärker (18.10.2011)
• ER stellt sich ein Bein: Putin braucht Vorwahlen (14.10.2011)
• Umfrage: 42 Prozent wählen Putin und 45 Prozent ER (07.10.2011)

Putin als nationaler Führer


Laut dem Vizedirektor des Lewada-Zentrums Alexej Graschdankin tauchte die Assoziation eines Personenkults um Putin bei den Russen vor vier Jahren auf, als Putin offiziell ins zweite Glied zurücktrat, um Dmitri Medwedew zu seinem Nachfolger zu machen. Zu gleicher Zeit wurde Putin zum „nationalen Führer“ deklariert, um seine Stellung als eigentlicher Leitwolf zu verdeutlichen.

Der Popularität Putins tat dies so lange keinen Abbruch, wie sich Russland dank hoher Ölpreise dynamisch entwickelte. Doch seit der Krise verbinden immer mehr Russen statt Stabilität das Wort Stagnation mit der Putin-Ära.

So ist die Zahl der Sympathisanten des Premiers auf 24 Prozent (bei drei Prozent, die ihn verehren) geschrumpft, das sind weniger als bei Amtsantritt als Präsident anno 2000 (27 Prozent). Auf dem Höhepunkt von Putins Popularität im Mai 2008 gaben 40 Prozent der Befragten an, mit Putin zu sympathisieren.

Internet wird zur Plattform von Protest


Im Internet entwickeln sich ironische Video-Clips wie „Unser Irrenhaus stimmt für Putin“ zu Hits, die innerhalb weniger Tage auf mehrere Hunderttausend Klicks kamen. Besonders interessant bei diesem Lied ist, dass der Autor Alexander Jelin noch vor wenigen Jahren den Text zum Schlager „Ich will einen wie Putin“ geschrieben hat. „Ich bin ein Spiegel der Gesellschaft“, sagt Jelin heute. Damals sei Putin das Idol von jungen Mädchen gewesen, heute habe sich die Stimmung im Land verändert.

Und tatsächlich erleidet Putin derzeit einen fundamentalen Einbruch: Auch die 61 Prozent Zustimmungswerte für seine Arbeit als Premier können da nicht täuschen. Vor etwas über einem Jahr, im Mai 2010, lag der Wert bei 80 Prozent und selbst im Vormonat Oktober waren es immerhin noch 66 Prozent.

Die Wahlen 2012 wird er gewinnen, es gibt keinen Konkurrenten, der sie ihm streitig machen könnte, nachdem der einzige mögliche Gegenkandidat Medwedew zu seinen Gunsten verzichtet hat. Doch das Wahlergebnis von 2004, wo er 71 Prozent der Stimmen holte, dürfte für ihn selbst mit einer massiven Medienkampagne nicht zu erreichen sein.



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