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Samstag, 26.08.2006
Einmal um die Welt: 2.714 km auf Sibiriens Flüssen
Tomsk. Während deutsche Senioren für Tausende Euro Flussreisen auf modernen Kreuzfahrtschiffen inkl. Folklorebeiprogramm buchen, haben wir die Alternative auf einem russischen Linienschiff der Rosrechflot getestet.
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Für knapp 100 Euro kann man in der am Polarkreis liegenden Stadt Salechard ein Ticket in der 1. Klasse (2-Personen-Auβenkabine) bis in das 2.714 Flusskilometer auf Ob und Irtytsch entfernte südsibirische Omsk lösen. Die Schiffe fahren im Sommer alle drei Wochen und benötigen flussaufwärts für die Strecke 8 Tage.
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Wer nicht das Risiko eingehen will, ein ausgebuchtes Schiff vorzufinden, kann sich gegen Vermittlungsgebühr beim deutschsprachigen Reisebüro Troika-Reisen (www.troikareisen.de) die Tickets schon in Moskau organisieren und aus Deutschland vorbuchen.
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Kein Luxus, aber urgemütlich
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Auf dem Schiff haben wir eine ganz gemütliche Zweimannkabine auf dem Promenadendeck bezogen; mit zwei etwas schmalen Sitzliegen auf jeder Seite, einem ausklappbaren Tisch in der Mitte, sowie auf der einen Seite einem kleinen Schrank und auf der anderen Seite einem Waschbecken mit fließendem Wasser.
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Die Einrichtung ist holz-, plüschig-, old-style und in den Farben rot und blau gehalten. Das Außenfenster geht auf das Promenadendeck, und so können wir vom Bett aus Natur und Menschen an uns vorbeiziehen sehen.
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Die Toiletten sind in Gemeinschaftsbenutzung, die zwar mehrmals täglich geputzt werden, aber dafür gibt es keine Brille und kein Toilettenpapier. Für letzteres sollte man in Russland allerdings ohnehin fast immer selbst Vorsorge treffen.
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Ein sagenhafter sibirischer Himmel
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Der sich über uns ausbreitende sibirische Himmel ist ein ganz besonderes Erlebnis. Im Norden ist die Taiga so flach, dass man buchstäblich soweit blicken kann, bis die Wolken die Erde berühren. Entsprechende Wetterlage vorausgesetzt, kann man zur gleichen Zeit blauen Himmel, Schäfchenwolken, Gewitter und durch eine geschlossene Wolkendecke durchbrechende Sonnenstrahlen sehen.
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Das ganze ist in ein ganz besonderes Licht der im Sommer in diesen Breiten 24 Stunden am Himmel stehenden Sonne getaucht. Man kann sich in der Weite Sibiriens tatsächlich verlieren und stundenlang in den Himmel gucken. Mit ein paar guten Worten zum Kapitän darf man sich diesen von dem sich unmittelbar hinter der Brücke befindlichen Kapitänsdeck ansehen.
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Einblicke in den russischen Alltag
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Folkloristische Einlagen gibt es auf unserer Reise zwar keine, dafür bekommt man einen guten Einblick in das russische Alltagsleben. So haben wir z.B. zwei russische Familien kennen gelernt, die die Flussfahrt als Einstieg in ihren Urlaub genutzt haben, den sie an verschiedenen Orten Russlands verbringen wollen.
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Besonders auskunftsfreudig erwies sich der Kapitän. So erfahren wir, dass die Passagiere nach den Zeiten des Umbruchs wieder zahlreicher geworden sind. Während früher vor allem die zweite und dritte Klasse ausgebucht war und in der ersten Klasse gähnende Leere herrschte, ist es inzwischen umgekehrt. Den Leuten geht es wieder besser.
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Auch hören wir, dass es den Städten Salechard und Chanty-Mansijsk vor allem deswegen so gut geht, weil dort vor einigen Jahren Gas bzw. Öl gefunden wurde. Vorher sahen sie wohl genauso aus, wie die meisten anderen Orte an unserer Strecke, die schon stolz sein können, wenn sie eine asphaltierte Straße besitzen.
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Diese Orte kann man meist nur vom Schiff aus ansehen, aber manchmal gibt es auch bis zu 1,5 Stunden Aufenthalt, die man für kleine Erkundungstouren an Land nutzen kann. Mehr Informationen zu dieser Schiffsreise und ein ausführliches Schiffstagebuch findet man auf unserer Website (www.weltreise-machen.de)
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Äußerst empfehlenswert
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Insgesamt können wir die beschriebene Flussfahrt sehr empfehlen. Sie ermöglicht es, die sibirische Weite hautnah zu erleben und mit ein klein wenig Luxus in das russische Alltagsleben einzutauchen. Knapp 100 Euro (3.000 Rubel) sind für acht Tage keineswegs zuviel.
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Wir würden allerdings empfehlen, wie die meisten Passagiere nur bis Tobolsk zu fahren und so drei Tage weniger auf dem Schiff zu verbringen. Da an den letzten beiden Tagen nur noch wenige Passagiere verbleiben, werden die Bordservices wie Restaurant und Videosalon nur noch eingeschränkt betrieben und die Fahrzeit auch schon mal durch Auftanken zusätzlich verlängert.
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Auch verkehren die Schiffe zwischen Salechard und Tobolsk öfter als zwischen Salechard und Omsk. Vom touristisch nicht uninteressanten Tobolsk gibt es gute Zugverbindungen zu anderen sibirischen Städten wie Omsk oder nach Jekaterinburg im Ural (jeweils über Nacht).
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Abschlieβend sei bemerkt, dass sich einige Grundkenntnisse der russischen Sprache für die beschriebene Tour empfehlen, da man auf internationalen Individualtourismus in Russland momentan noch wenig vorbereitet ist.
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Sabine & Olaf Börner
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