Die bizarren Felsformationen stehen am Stadtrand von Krasnojarsk (Foto: Börner)
Donnerstag, 07.09.2006
Weltreise machen: 80 Meter hohe Felsnadeln
Krasnojarsk. Sabine und Olaf Börner reisen in elf Monaten einmal um die Welt. Russland-aktuell veröffentlicht einige ihrer Reiseberichte. In Krasnojarsk begeistern sich die Weltreisenden für die Felssäulen „Stolby“.
Gestern haben wir in Krasnojarsk Quartier bezogen, leider hat uns das kalte Wasser aus Moskau verfolgt, in der gesamten Innenstadt und somit in den entsprechenden Hotels gibt es nur kaltes Wasser.
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Unser Hotel liegt relativ zentral, die Einrichtung ist später Sowjetchic, d.h. eine schiefe Anbauwand, ein Tisch mit einer löchrigen Tischdecke und drei Stühlen, zwei Liegen in undefinierbarer Farbe, die sich allerdings bequemer liegen, als sie aussehen. Da jeweils nur ein Laken vorhanden war, haben wir aber doch vorsichtshalber unsere Schlafsäcke rausgeholt. Und wir haben ein eigenes Bad, dass ich schon fleißig zum Wäsche waschen benutzt habe.
Sehen und Gesehen werden im Bellini
An technischen Einrichtungen hat dieses Zimmer einen Kühlschrank, einen Fernseher und einen Wasserkocher aufzubieten, der sich aber nach intensiver Benutzung leider verabschiedet hat.
Der Stolby-Nationalpark ist ein beliebtes Naherholungsgebiet der Krasnojarsker (Foto: Börner)
Gestern haben wir also zunächst die Stadt besichtigt, wie bei den anderen sibirischen Städten war hierfür ein halber Tag voll ausreichend. Abends haben wir etwas das Nightlife angetestet und waren in einer hippen Sushi- und Cocktailbar, dem „Bellini“, in der es hauptsächlich um Sehen-und-Gesehen-Werden ging und das meistverkaufteste Getränk Tee war, mit 50 Rubel (ca. 1,50 ˆ) das günstigste von der Karte. Allerdings gab es von den ungefähr 40 Cocktails auf der Getränkekarte tatsächlich nur fünf, so dass ich mich auch für Tee entschieden habe.
Heute morgen sind wir dann früh aufgestanden, haben unsere Tagesrucksäcke mit Wasser und ein paar Keksen, sowie anderen Wanderutensilien befüllt und uns als den Weg in die „Stolby“ gemacht, einem Naherholungsgebiet nahe von Krasnojarsk mit Felsformationen, die denen im Elbsandsteingebirge ähnlich sind, allerdings vulkanischen Ursprung haben.
Zum Glück hat Olaf im Hotel noch mal nachgefragt, wie man dort am besten hinkommt, und uns wurde ein Bus empfohlen, der einen direkt zur Einstiegpunkt gebracht hat. Von dort aus sind wir dann losgelaufen, bis zum Visitor Center, dessen Ausstellung zur Zeit noch im Aufbau ist, haben wir eine knappe Stunde gebraucht.
Sportliche Kondition gefordert
Der richtige Anstieg kam erst danach und je weiter wir liefen, desto steiler wurde es, und ich bin ganz schön in Schwitzen gekommen und habe gemerkt, dass mir irgendwie das Frühstück gefehlt hat - aber zum Glück hatten wir ja die Kekse dabei, da auf dem ganzen Weg, obwohl es sich um ein sehr viel besuchtes Ausflugsziel handelt, keinerlei gastromomische Einrichtungen zu finden waren.
Nach ca. zwei Stunden hatten wir es dann bis zum Rastplatz bei der Einstiegsstelle geschafft, bis dorthin war es ein netter Weg durch den Wald, aber ohne erwähnenswerte Aussicht. Die Felsnadeln stehen im Wald verstreut herum, und man sieht sie erst, wenn man direkt davor steht. Sie sind ca. 50 bis 80 m hoch.
Die kleineren Steine lassen sich unterschiedlich gut erklettern. Insgesamt ist das ganze Ausflugsgebiet sehr natürlich belassen worden, d.h. keine Wegausschilderungen mit Kilometerangaben, keine befestigten Aussichtspunkte auf den „Stolby“, d.h. wer was sehen will muss etwas sportlich sein, viele verschiedene Wege im Wald, von denen man leider nicht wusste, wohin sie führen. Nach einiger Zeit sind wir aber auf einen Weg gestoßen, auf dem die Bäume mit roter Farbe markiert waren, wie ich hinterher an meiner Hand feststellen konnte, heute erst frisch aufgetragen.
Dieser hat uns dann zu einer Felssäule mit einem tollen Blick über das Land geführt, wo wir dann länger verweilt haben, bevor wir uns zurück auf Heimweg, geschätzte 12 km, gemacht haben. Dem roten Weg weiterzufolgen haben wir uns nicht getraut, weil wir nicht wussten, wohin er führt.
Der Ausflug war nach den vielen Städtetouren eine wirklich gute Abwechslung und hat Lust auf mehr Outdooraktivitäten gemacht, die wir dann hoffentlich bald am Baikalsee erleben können.
Sabine Börner, 6. August
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