Die kräftigen Kamaz-Laster (bzw. das Management) soll Lada ins Schlepptau nehmen (Foto: Kamaz)
Montag, 24.08.2009
Avtovaz-Lada und Kamaz bekommen gemeinsame Lenkung
Moskau. Avtovaz (Lada) und der Lkw-Produzent Kamaz sollen in einer Holding zusammengefasst werden. Diese Pläne schmiedet ihr staatlicher Aktionär RosTechnologii. Renault und Daimler müssen es wohl so hinnehmen.
Bei beiden Fahrzeugherstellern ist RosTechnologii maßgeblicher Aktionär, der dort die Chefetage besetzt und die Firmenpolitik bestimmt : Am Lada-Hersteller Avtovaz in Togliatti hält die Staats-Holding 25 Prozent, an Kamaz in Nabereshnyje Tschelny gehören ihr 37,8 Prozent der Aktien.
Dritter im Bunde könnte noch das Motorenwerk „Awtodiesel“ werden. Dort haben die Staats-Vertreter zwar auch 30 Prozent Aktienanteil, doch steht dieses Unternehmen unter der Verwaltung der GAZ-Gruppe von Oleg Deripaska.
Kamaz rammt Lada: Dessen Chef Aljoschin muss wohl gehen
Als neuer Chef der Avtovaz-Kamaz-Allianz ist Kamaz-Chef Sergej Kogogin ausersehen, heißt es. Avtovaz-Chef Boris Aljoschin wird voraussichtlich seinen Posten verlieren. Eine neue GmbH namens „Autoinvest-Holding“ sei bereits gegründet. Detaillierter soll RosTechnologii seien Pläne auf der diese Woche eröffnenden Moskauer Automesse „Interauto“ vorstellen, heißt es.
Die Vorteile eines Zusammenschlusses des größten russischen Pkw-Herstellers mit dem größten Lkw-Werk werden in einer besseren Verhandlungsposition gegenüber den Zulieferern gesehen - und wohl auch im noch massiveren Auftreten gegenüber dem Kreml, wenn es um die Verteilung von Krisen-Subventionen geht.
Denn heftige Absatzeinbrüche von etwa 50 Prozent und über Wochen still stehende Fließbänder kennzeichnen in diesem Krisenjahr die Lage bei beiden Autogiganten. Kamaz gilt dabei momentan aber noch als wirtschaftlich gefestigter als der Pkw-Billigheimer Lada, wo bereits Entlassungen anstehen.
Renault und Daimler werden ungefragt verschwägert
Noch offen ist die Frage, was von einem Zusammenschluss die ausländischen strategischen Investoren halten, die die beiden technologisch eher rückständigen Autowerke in der jüngeren Vergangenheit mit an Bord geholt haben: An Avtovaz ist Renault mit 25 Prozent beteiligt, bei Kamaz hält Daimler einen 10-Prozent-Anteil.
Vorerst scheint Rostechnologii aber keine aktienrechtliche Fusion der beiden Konzerne zu planen, sondern nur eine gemeinsame Führung und eine Zusammenlegung seiner eigenen Aktienpakete in einem Unternehmen.
Die beiden West-Konzerne können deshalb wohl wenig gegen die Pläne unternehmen und werden sich mit der neuen Konstellation abfinden, so die vorherrschende Meinung in der russischen Presse.