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Vor zehn Jahren wurde der Rubel plötzlich butterweich (foto: ld/.rufo)
Vor zehn Jahren wurde der Rubel plötzlich butterweich (foto: ld/.rufo)
Montag, 18.08.2008

Default vor zehn Jahren: Russland war bankrott

Moskau. Heute ist es schwer vollstellbar: Vor genau zehn Jahren war der russische Staat pleite – und verkündete den berühmten „Default“. Der Kurs des Rubels stürzte auf ein Drittel zusammen, Banken kollabierten.


Der russische Staat hatte sich zur Finanzierung seiner Ausgaben (und der Schuldzinsen) immer schneller Geld mit hochverzinslichen kurzfristigen Anleihen beschafft – bis das Schneeballsystem zusammenbrach. Am 17. August 1998 verkündete der damalige Premierminister Sergej Kirijenko dann den Staatsbankrott: Der Handel mit den Schuldpapieren wurde ausgesetzt, die Rückzahlung von Auslandsschulden für 90 Tage blockiert – und der bislang fast um jeden Preis bei einem Kurs von ca. 6,25 Rubel pro Dollar gehaltene Rubelkurs faktisch freigegeben.

Die Folge waren leere Geschäfte: Die Händler waren ratlos, zu welchen Preisen sie verkaufen sollen, da der Rubelkurs zunächst in eine wilde Achterbahnfahrt überging - und hielten ihre Waren besser zurück. Die Verbraucher antworteten Anfang September ihrerseits mit Hamsterkäufen: Die Regale waren plötzlich wieder leer wie in der mageren Endphase der Sowjetzeit.
Viele Sparer verloren ihr Geld: Entweder durch die Entwertung des Rubels, der innerhalb eines Monats die Hälfte und bis Jahresende über zwei Drittel seines Wertes verlor - oder schlichtweg durch den Bankrott vieler Bankhäuser, die zuviele der faulen Staatsanleihen aufgehäuft hatten.

Kudrin: Schuld war niedriger Ölpreis und mangelnde Hilfe des IWF


Russlands heutiger Finanzminister Alexej Kudrin erklärte anlässlich des Jahrestages, es hätte damals zwei Hauptursachen für den Rubel-Kollaps gegeben: Zum einen den damals extrem niedrigen Ölpreis, der im Mai 1998 auf heute unglaubliche 8 Dollar pro Barrel gefallen war. Zum anderen hatte Russland nur minimale Gold- und Devisenreserven, um in dieser Lage seine Verbindlichkeiten zu erfüllen.

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Dass es dann zum Kollaps kam, sei aber auch teilweise die Schuld des Internationalen Währungsfonds gewesen, so Kudrin. „Wenn der IWF unsere Reserven damals um 10 oder 20 Milliarden Dollar erhöht hätte, hätte dieser Zusammenbruch nicht geschehen müssen. Doch der IWF sagte: Ihr bekommt 11 Milliarden, aber nur in Portionen, jetzt 4,8 und wenn ihr euch gut benehmt, dann gibt’s vielleicht im Lauf des Jahres den Rest“, so Kudrin.

Experten seien jedoch schnell zum Schluss gekommen, dass dies nicht ausreiche, um den Kollaps zu verhindern. „Wenn man schon helfen will, dann doch bitte so, dass die Krise abgewendet werden kann“, sagte Kudrin.

Nach 1998 sei das Vertrauen der Investoren in die russische Wirtschaft aber schon alsbald zurückgekehrt, so Kudrin.

Russische Wirtschaft erholte sich nach der Schrecksekunde


Auch half der Zusammenbruch auf seine Weise der russischen Wirtschaft auf die Beine: Vor allem auf dem Lebensmittelmarkt brach die Dominanz der nun fast unerschwinglich gewordenen Import-Produkte zusammen. Heimische Hersteller wurden fast über Nacht konkurrenzfähig.

Eine Wiederholung des Geschehens ist nicht mehr zu erwarten - trotz einiger aktueller Krisensymptome: Seit Beginn des Südossetien-Krieges wurden 7 Mrd. Dollar vom russischen Aktienmarkt abgezogen, parallel fallen in Russland die Börsenkurse und auch der Ölpreis geht wieder deutlich zurück. Aber auch die aktuellen 112 Dollar pro Barrel sind noch immer sehr viel.

Auch wenn es kriselt: Die Reserven sind jetzt 50 mal größer


Dank des Rohstoffpreis-Booms der letzten Jahre konnte Russland einen gewaltigen Sparstrumpf auffüllen, der jetzt die Sicherheit gibt, dass derartige Probleme locker abgepuffert werden können:

Die Gold- und Devisenreserven der Russischen Zentralbank beliefen sich Anfang August 2008 auf 597,5 Milliarden Dollar - etwa 50 Mal mehr als vor zehn Jahren.


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