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Nicht überall, wo Rubel draufsteht, sind auch Rubel drin. Dies ist echtes russisches Geld (Foto: ld/.rufo)
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Dienstag, 05.03.2013

Falsche Scheine, falsche Konten: Banking auf dagestanisch

Moskau. Fahnder haben 10.000 falsche 5.000-Rubel-Scheine beschlagnahmt. Sie kamen aus Dagestan, wo man noch ganz andere Tricks zur Geldschöpfung kennt: Man gründet eine Bank – und erfindet Sparguthaben und Kredite.

Ein wahres Blütenmeer wurde im Gebiet Rjasan entdeckt – aber nicht etwa, weil örtlich begrenzt in Russland der Frühling ausgebrochen wäre: Ermittler waren seit September auf der Spur einer Bande, nachdem in sechs Episoden Falschgeld im Wert von 1,6 Mio. Rubel aufgetaucht war. Über Informanten im Milieu, so der Pressedienst der russischen Polizei, habe man erfahren, dass die aus Dagestan kommende Fälschergruppe vorhat, im Moskau eine Partie im Nennwert von 50 Millionen Rubel (1,25 Mio. Euro) loszuschlagen.

Falsche Aufkäufer foppen Falschmünzer


Als vermeintliche Interessenten erwarben Fahnder von den Falschmünzern zunächst eine Probepartie im Nominalwert von 500.000 Rubel. Für die restlichen „Blüten“ verlangten diese dann 20 Millionen echte Rubel in bar.

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Bei der Geldübergabe sei dann zunächst ein junger Mann festgenommen worden. Der Chef der Gruppe, eine mehrfach vorbestrafte „Autorität“ der dagestanischen Mafia, sowie sein Assistent wurden später im Gebiet Rjasan dingfest gemacht. Die zur Abholung bereit liegenden falschen Banknoten stellten die Ermittler im Pfosten einer Straßenlaterne sicher.

Mauschel-Banken erfinden Rubel-Milliarden


Wie der „Kommersant“ gestern berichtete, braucht man in Dagestan aber nicht unbedingt eine Druckerpresse, um falsches Geld herzustellen: Denn in der unruhigen Kaukasus-Republik gibt es auch Banken, bei denen die Reserven, die vergebenen Kredite, der Kassenstand, oft auch das Personal und die Kundschaft ein Produkt der Phantasie sind.

So verhängte im Februar ein Gericht in der Hauptstadt Machatschkala den Arrest über alle Spareinlagen der „Transenergobank“ im Wert von 4,8 Mrd. Rubel (120 Mio. Euro) - obwohl es dieses Geld nie gegeben hatte. Der Bank war Anfang November die Lizenz entzogen worden. Die Maßnahme sollte verhindern, dass die wegen der Bankschließung vermeintlich um ihre Einlagen gebrachten Sparer beim Staat ihren Schaden zumindest bis zum Versicherungswert von 700.000 Rubel (ca. 17.500 Euro) geltend machen können.

Bank in der Krise - Ansturm der "Sparer"


Denn wie sich bei der Durchleuchtung der obskuren Bank zeigte, hatte diese vor ihrer Schließung angeblich - ohne jede Werbekampagne - noch 6.500 neue Kunden gewonnen, die ihr, den Büchern zufolge, große Summen anvertraut haben. Ein Drittel der „Sparer“ hatte sogar in den letzten zwei Tagen der Existenz der Bank dort Konten eröffnet. Als entschädigungsberechtigte echte Anleger wurden nur 89 Personen anerkannt.

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Die Bank selbst hatte erklärt, dass ihr die Milliardenbeträge durch Machenschaften eines flüchtigen Filialleiters abhanden gekommen seien. Dabei hatte der angebliche Haupttäter vermutlich nie etwas mit der dagestanischen Bank zu tun – dem Zeitungsbericht zufolge war seine Funktion ebenso erfunden wie die vielen Spareinlagen, der Kassenstand und die angeblich vergebenen Kredite.

Derartige grobe Mauscheleien seien im dagestanischen Bankwesen keine Seltenheit, heißt es. Auch bei der Bank „Express“, der im Januar von der Zentralbank die Lizenz entzogen wurde, seien nur 3,7 von angeblich 10 Mrd. Rubel Einlagen echt gewesen.

Geldvermehrung leicht gemacht: Ein paar Nullen hin oder her


Im Falle einer anderen Bank standen Staatsanleihen im Wert von zwei Milliarden Rubel (50 Mio. Euro) in den Büchern, die sich bei einer Überprüfung als nur zwei Millionen herausstellten – und dies noch aus der Zeit vor der Denomination des Rubels 1998 um drei Dezimalstellen: In Wirklichkeit war das Paket nur 2.000 heutige Rubel (50 Euro) wert.

Die Zentralbank fordert unterdessen strengere Gesetze und höhere Strafen, um derartige phantasievolle Arten der Geldschöpfung im russischen Bankgewerbe besser bekämpfen zu können.

Armut: Strohmänner sind leicht zu rekrutieren


Insider sehen die Ursache für diese Machenschaften weniger in nationalen Besonderheiten der Kaukasus-Republik, sondern in der Armut der dortigen Bevölkerung. Gegen ein Handgeld von 10.000 Rubel (250 Euro), sei es dort möglich, echte Bürger als vermeintliche Anleger zur Beteiligung an den Affären zu gewinnen. Diese Schemen könnten von der organisierten Kriminalität jederzeit auch in anderen wirtschaftlich schwachen Regionen durchgespielt werden.

Premierminister Dmitri Medwedew bezeichnete das dagestanische Phantasie-Banking inzwischen als „stabilitäts-gefährdendes Verbrechen“. Dagegen müsse vorgegangen werden – zumal Russland sich gerade als G-20-Vorsitzender international für stärkere Bankenkontrollen stark mache.



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TobiasW 03.04.2013 - 18:54

"Mauschelbanken"

Nun, die Trickserei ist natürlich verwerflich. Doch ist es bei allen unseren Banken ganz normal und rechtlich korrekt: sie schöpfen Geld aus dem Nichts, indem sie Kredit geben und diese den Kreditnehmern aufs Girokonto buchen. So funktioniert unser Geldsystem, nachzulesen z.B. auf www.monetative.de. Und den Dagestanern will man es nun verbieten?
Dagestan tut dies aus der puren Not, um der Wirtschaft auf die Beine zu helfen. Hier wäre ein guter Ansatz, eine Parallelwährung zu schaffen, wie es z.B. für Griechenland vorgeschlagen wird, siehe www.monneta.org.


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