Leuchtendes Gazprom: Der Gaskonzern bestreitet Intrigen im Prozess zwischen RosUkrEnergo und Naftogas (Foto: Ballin/.rufo)
Montag, 30.03.2009
Gazprom bestreitet Parteinahme im Kiewer Gaskrieg
Moskau/Stockholm. Mischt sich Gazprom in einen innerukrainischen Gaskrieg ein? In Stockholm streiten der Gashändler RosUkrEnergo und Naftogas um Milliarden. Gazprom dementiert eine Parteinahme für RosUkrEnergo.
RosUkrEnergo war bis Ende 2008 der Zwischenhändler bei den dubiosen Gas-Deals zwischen Russland und der Ukraine. Das Unternehmen, das zu 50 Prozent in Gazprom-Besitz ist, zu 45 Prozent dem Juschtschenko-nahen ukrainischen Geschäftsmann Dmitri Firtasch und zu fünf Prozent Iwan Fursin gehört, verdiente hervorragend, wurde aber über Nacht kalt gestellt.
Direkte Lieferungen booten RosUkrEnergo aus
Ministerpräsidentin Julia Timoschenko forderte direkte Lieferungen von Gazprom an Naftogas. Das führte nach Intrigen Juschtschenkos erst zu einem Gaskrieg zwischen Moskau und Kiew, dann aber tatsächlich zu einem neuen direkten Lieferschema.
Einige Fragen sind aber offen geblieben. So fordert RosUkrEnergo noch ausstehende Zahlungen für 2008 in Höhe von 600 Millionen Dollar. Darüber hinaus gibt es Streit um 11,5 Milliarden Kubikmeter Gas, die in ukrainischen unterirdischen Gas-Tanks lagern.
Streit um unbezahlte Rechnungen und Gas-Reserven
Die hat RosUkrEnergo bei Gazprom gekauft, aber wohl noch nicht bezahlt. So hat Gazprom offene Forderungen an RusUkrEnergo in Höhe von 1,7 Mrd. Dollar inzwischen an Naftogas abgetreten und der Konzern verlangt dafür das gesamte Gas. RosUkrEnergo ist mit der Rechnung nicht einverstanden, denn seiner Rechnung nach kostet das Gas 3 Mrd. USD.
So geht es in Stockholm vor Gericht. Die Anhörungen haben bereits begonnen, ein Urteil wird Ende Mai erwartet. RosUkrEnergo teilte unterdessen mit, dass es in dem Prozess von Gazprom unterstützt werde. Der Sinneswandel in Moskau hänge damit zusammen, dass sich in Brüssel EU und Kiew auf eine Modernisierung des ukrainischen Pipelinesystems ohne russische Beteiligung einigten, sagte ein RosUkrEnergo-Sprecher.
Moskau sauer wegen Ausbootung bei Pipeline-Renovierung in Ukraine
Russlands Premier Wladimir Putin hatte den Schritt damals als „nicht durchdacht und unprofessionell“ und gedroht, „die Grundlagen unserer Beziehungen zu überdenken“. Während Russland nun tatsächlich versucht, alle Gasreserven in der GUS aufzukaufen (am Wochenende gab es eine entsprechende Vereinbarung mit Aserbaidschan), um Europas Wahlmöglichkeiten beim Gaskauf einzuschränken, so bestreitet es aber eine Parteinahme in dem Prozess.
„Ende vergangener Woche gab es Gerüchte, dass Gazprom angeblich eine der Seiten im Gerichtsprozess über das Gas in den ukrainischen Speichern unterstützt. Das entspricht nicht den Tatsachen“, erklärte ein Gazprom-Sprecher nun.