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Das Familiensilber steht zum Verkauf  - aber billig will es Lukaschenko nicht abgeben (Foto: tv/newsru.com)
Das Familiensilber steht zum Verkauf - aber billig will es Lukaschenko nicht abgeben (Foto: tv/newsru.com)
Freitag, 28.05.2010

Lukaschenko bietet Russland Energie-Unternehmen an

Minsk. Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko hat Russland das Gas-Unternehmen BelTransGas sowie eine große Raffinerie angeboten – wenn sein Land im Gegenzug billige Energie aus Russland beziehen kann.


Alexander Lukaschenko erklärte, Russland könne die Aktienmehrheit an BelTransGas erhalten, wenn sein Land dafür Gas zum russischen Inlandstarif erhalten würde. Das Unternehmen ist als Gasversorger in Weißrussland tätig und wickelt auch den Transit von russischem Erdgas in die EU-Staaten ab.

Lukaschenko will "gutes Geld", Russland freie Hand


Das gleiche gelte auch für die Raffinerie in Mosyr: „Billiges Öl im Tausch gegen günstige Bedingungen“ (einer Eigentumsübertragung), sagte Lukaschenko, der aber gleich einschränkte, sein Land fordere dafür „gutes Geld“.

Der russische Gazprom-Konzern hält bereits 50 Prozent an BelTransGas (wofür 2,5 Mrd. Dollar bezahlt wurden) und 21,3 Prozent an der Raffinerie in Mosyr.

Russlands Energieminister Sergej Schmatko bezeichnete Lukaschenkos Angebote als „sehr interessant“. Allerdings, schränkte er sogleich ein, würde ein russischer Aktienanteil von 51 Prozent an diesen Unternehmen nicht unbedingt den Kern der Probleme lösen, da der weißrussische Staat sich bislang Eingriffe in die Unternehmensführung vorbehalte. So sei ein Teil des Gewinns von BelTransGas vereinnahmt worden.

Business in Belarus liegt an der staatlichen Kette


„Gegenwärtig gelten in Weißrussland besondere wirtschaftliche Bedingungen und keine freie Preisbildung, selbst ein Kontrollpaket an den Aktien garantiert dem russischen Business keine konzernmäßige Führung von Unternehmen“, so Schmatkos Stellvertreter Anatoli Janowski.

Bei Russland-Aktuell
• Es riecht nach „Ölkrieg“ zwischen Moskau und Minsk (04.01.2010)
• Kirgisien bittet Weißrussland um Bakijew-Auslieferung (07.05.2010)
• Weißrussland: Lukaschenko gibt Interview in Unterhosen (24.03.2010)
• Minsk will von Gazprom Rabatt von 30 Prozent für Gas (03.12.2009)
• Kissenschlacht in Minsk erinnert an Krieg mit Moskau (09.09.2009)
Von der Zeitung „Kommersant“ befragte Experten bezweifelten ebenfalls, dass es auf der von Lukaschenko genannten Basis zu einem Geschäft zwischen Russland und Weißrussland kommen könnte. Die Preisdifferenzen bei Gas und die Exportzölle beim Rohöl summierten sich schnell zu Dollar-Milliardenbeträgen.

Allerdings gilt eine Übernahme des weißrussischen Energiesektors samt seiner auf den Export orientierten Raffineriekapazitäten mittlerweile offiziell als ein strategisches Ziel der russischen Außenpolitik. Weißrussland versucht gegenwärtig, mit Öllieferungen aus Venezuela eine Alternative zur Abhängigkeit von russischen Quellen aufzubauen.

Lukaschenko sitzt in der Klemme


Russland liefert Weißrussland zollfrei nur noch eine Ölmenge von 6,3 Millionen Tonnen, die dem Eigenverbrauch des Landes entspricht. Auf alle darüber hinausgehenden Lieferungen (zuletzt etwa 10 Mio. Tonnen jährlich) müssen trotz der eigentlich bestehenden Zollunion beider Staaten 280 Dollar Gebühr pro Tonne entrichtet werden. Im Endergebnis sacken die Staatseinnahmen in Weißrussland drastisch ein, die Schulden wachsen.

Russland habe Lukaschenko in die Ecke getrieben, so der weißrussische Analyst Leonid Sajko. "Es gibt kein Öl mehr. Lukaschenko wollte es sich bei Chavez holen, doch alles was er dort bekommen kann, sind 20 Prozent des Bedarfs. Und Anfang 2011 sind Wahlen."

Deshalb sei Lukaschenko jetzt bereit, alles zu verkaufen - "sogar das Familiensilber".



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