Gazprom fördert in vielen nördlichen Regionen Russlands (Foto: Gazprom)
Freitag, 13.10.2006
Russland und Europa wegen Stockmann-Feld uneinig
Moskau. Die Entscheidung von Gazprom, das Stockmann-Gasfeld ohne ausländische Partner zu erschließen, hat in Europa für Skepsis gesorgt. So stieß denn auch Putins Angebot einer Energie-Allianz auf ein verhaltenes Echo.
Jahrelang hatte Gazprom mit westlichen Konzernen über eine Beteiligung an dem Gasfeld in der arktisch kalten Barentsee verhandelt. Fünf Öl-Multis (Chevron und ConocoPhilips aus den USA, Norsk Hydro und Statoil aus Norwegen sowie Total aus Frankreich) standen als Finalisten auf der so genannten „short list“. Anfang der Woche verkündete Gazprom-Chef Alexej Miller dann überraschend das Ende aller Verhandlungen.
Gazprom werde das Feld ohne ausländische Partner erschließen, weil die Bewerber zu wenig eigene Aktive im Gegenzug angeboten hätten. Tatsächlich ist das Stockmann-Feld in seinen Ausmaßen und Perspektiven gewaltig. Auf 17 Mrd. Euro wird der Wert des Projekts geschätzt.
Die Lagerstätte liegt 360 Kilometer vor der russischen Küste. In etwa 320 Meter Tiefe lagern Gasvorkommen in Höhe von weit über drei Billionen Kubikmetern. Die bisher erkundeten Vorräte werden auf 3,2 Billionen Kubikmeter Gas und 31 Millionen Tonnen Gaskondensat geschätzt, doch Experten des russischen Erdgasmonopolisten Gazprom sind davon überzeugt, dass die Vorräte noch um 600 Milliarden Kubikmeter größer sind. Zum Vergleich: Der Jahresverbrauch Deutschlands beträgt 95 Milliarden Kubikmeter Gas.
Es ist logisch, dass Gazprom einen angemessen Gegenwert für eine Beteiligung an seinem „Kronjuwel“ erhalten möchte. Freilich hatte die Verzögerungstaktik bei den Verhandlungen das Ziel, den Preis noch weiter in die Höhe zu treiben. Die Entscheidung, die ausländischen Partner ganz auszuschließen, kam dann absolut überraschend. Der Beschluss hat auch eine politische Note.
Westen befürchtet Abhängigkeit
Denn nun sind die letztendlichen Verbraucher des Stockmann-Gases völlig von Gazprom abhängig. Die jüngsten, recht heftigen Kursänderungen von Kreml (Präsident Wladimir Putin hatte das ursprünglich für Amerika vorgesehene Gas plötzlich Europa zugesagt) und Gazprom in Sachen Stockmann-Feld, lassen aber auch in Zukunft nicht unbedingt auf eine kontinuierliche Politik schließen. Daher wurde der Ausschluss ausländischer Partner am Projekt allgemein mit Skepsis aufgenommen, auch wenn Putin bei seiner Deutschland-Visite versprach: „Es wird eine absolut stabile Lage in Europas Wirtschaft und Energiepolitik herstellen, besonders in Deutschland.“.
Total will kein Handlanger sein
Am schärfsten regierten naturgemäß die betroffenen Unternehmen. Der französische Ölkonzern Total bezweifelt, dass Gazprom allein in der Lage sein werde, das Feld auszubeuten. Die Erschließung der Lagerstätte biete erhöhte Schwierigkeiten, sagte Total-Manager Menno Grouvel. Eine über 500 Kilometer lange Trasse unter Wasser eisbergsicher zu verlegen, erfordere hohes Know How, machte er deutlich.
„Ohne westliche Partner werden die Ausgaben von Gazprom 10 – 15 Prozent höher“, stimmte der Direktor von East European Gas Analysis, Michail Kortschenkin dem Franzosen. Die Deutsche Bank senkte die Bewertung der Gazprom-Aktien um über 20 Prozent.
Das Angebot, als Auftragnehmer für Gazprom zu arbeiten, lehnte Total ab. Daran habe der Konzern kein Interesse, hieß es. Für Total sei es lediglich interessant, Partner bei der Erschließung des Feldes zu sein.
Auswirkungen auf gesamte Energiedebatte
Der Konflikt um das Gasfeld hat russischen Presseberichten zu Folge auch Auswirkungen auf die von Putin vorgeschlagene Energie-Allianz zwischen Russland und Europa. Kanzlerin Merkel beantwortete die Offerte mit dem Angebot der Energie-Charta beizutreten. Gerade das hatte der Kreml jedoch stets abgelehnt, da diese Charta für Russland unvorteilhaft ist.
Besonders die Klauseln über den Transit ist ein Stein des Anstoßes, fordert es doch faktisch den freien und unbehinderten Gastransit aus Mittelasien nach Europa über russisches Territorium. Der Hinweis Merkels der von Russland stets kritisierten Energie-Charta beizutreten, sei somit praktisch eine Ablehnung der von Putin vorgeschlagenen Energie-Allianz gewesen, kommentiert die Tageszeitung „Kommersant“.
(ab/.rufo)
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Containerumschlag im Hafen von St. Petersburg: Auf diese Weise importiert Russland vor allem - exportiert werden vorrangig Rohstoffe wie Öl, Gas, Metall und Holz.(Topfoto:Deeg/.rufo)